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Beethoven
Klavierkonzerte Vol. 1

Beglückende Beethoven-Momente

Von Christoph Wurzel

Live im Konzert gilt für Beethoven momentan ja: tacet. Aber es gibt neue CDs, die aufhorchen lassen: seine Klavierkonzerte mit Inon Barnatan. Dieser Pianist ist hierzulande noch wenig bekannt. Anders in Amerika, wo der 40jährige Israeli bereits einige Preise errungen hat. Verpflichtet wurde er 2014 von den New Yorker Philharmonikern als "Artist-in-Association" gleich für mehrere Spielzeiten. Seit dieser Zeit gibt es die enge Zusammenarbeit mit Alan Gilbert, dem damaligen Chef des Orchesters. Gilbert und auch die übrigen Solisten dieser Doppel-CD, die Cellistin Alisa Weilerstein und den Geiger Stefan Jackiw zählt Barnatan ausdrücklich zu seiner "musikalischen Familie". Eine Konstellation, die großes Einvernehmen in der Interpretation verspricht.

Vor allem Barnatan und Gilbert sind ein großartiges Team. Hinzu kommt die Academy of St. Martin in the Fields, das Londoner Orchester, das sich bereits früh der Musik aus Barock und Klassik verschrieben hatte - zwar historisch informiert, aber nicht auf Originalinstrumenten. In den späteren Jahren immer noch unter der Leitung seines Gründers Neville Marriner war es daher etwas ins Hintertreffen geraten. Hier aber unter dem befeuernden Dirigat Alan Gilbert blüht es geradezu auf. Das Orchester ist in diesen Einspielungen der eine Pluspunkt. Inon Barnatan der andere.

Auf den beiden ersten Scheiben dieser in zwei Teilen geplanten Edition finden sich das heiter verspielte C-Dur-Konzert Nr. 1, das noch viel vom Geist Mozarts atmet. Künstlerisches Selbstbewusstsein, dramatische Kontraste und energischer Vorwärtsdrang prägen das c-Moll-Konzert Nr. 3 und das vierte in heiterem G-Dur führt bereits in romantische Gefilde. Dank aller Beteiligten gelingen ausgeprägt charaktervolle Interpretationen. Im Tripelkonzert vereinigen sich die Cellistin Alisa Weilerstein und der Geiger Stefan Jackiw mit Barnatan zu einem spielfreudigen Trio, das auch für dieses Werk prägnant den spezifischen Tonfall findet. Es ist sicher nicht Beethovens bestes Konzert. Robust und etwas hemdsärmelig frönt er hier eher dem Groben. Die beiden Streicher verstecken dies nicht. Vor allem in den beiden schnellen Sätzen streicht der Geiger seine Saiten schon mal etwas scharf und kratzig und die Cellistin neigt munter zum Anschleifen der Töne. Im Finalsatz schließlich, dem Rondo alla polacca, lassen alle Beteiligten ihren Temperamenten ungehindert freien Lauf.

In diesem Werk hat das Klavier ohnehin nicht viel zu sagen, dafür zeigt Inon Barnatan in den drei Solokonzerten, zu welch differenziertem, elegantem Spiel  er fähig ist, wie er Spannung effektvoll aufbaut, Phrasierungen intelligent entwickelt und das Klavier förmlich singen lässt. Wie effektvoll Beethovens musikalische Rhetorik sein kann (nicht zufällig schwärmte er für Schiller), lässt sich dem subtilem Spiel  dieses Pianisten in jeder Phrase ablauschen. Die langsamen Sätze der drei Konzerte werden jeweils zu Inseln seliger Ruhe. Wie brillant Tongebung und Technik Inon Barnatans sind, erweist sich in den schnellen Sätzen, den locker perlenden Kaskaden und Arpeggien und vor allem in den liebevoll ausgestalteten Kadenzen, in denen Barnatan aus kontemplativer Versenkung blitzschnell zu mitreißender Virtuosität wechselt und so den ungeheuren Reichtum dieser auskomponierten Improvisationen Beethovens zeigt. Ideenreichtum beweist Barnatan aber auch im Ganzen, sein Spiel ist alles andere als einförmig, auch in wiederholten Passagen wechselt er die Farbe, wählt eine andere Variation des Anschlags oder der Betonung. Auch wer diese Konzerte gut kennt, wird durch das Spiel dieses Pianisten neue Facetten an ihnen erkennen.

Alan Gilbert beschränkt sich mit dem Orchester nicht aufs Begleiten. Kein Detail entgeht seiner Aufmerksamkeit, auch kleinste Nuancen der Instrumentation hebt er hervor. Wundervolle Clarinettenstimmen treten heraus, sanft wiegende Celli und Bässe ebenso wie die markant schlagende Pauke. Nahezu ohne Vibrato gelingt ein klarer Streicherklang, schlüssig  formt Alan Gilbert die Tempi, geschmeidig in der Phrasierung und prägnant in der Artikulation wird das Orchester zum kongenialen Gegenpart des Solisten.

Kurz alles in allem: das großartige Zusammenwirken einer tollen "Familie" (s. o.)

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Beethoven
Piano Concertos Part 1

Klavierkonzerte Nr. 1, 3, 4
Konzert für Violine, Violoncello und Klavier
"Tripelkonzert"

Inon Barnatan, Klavier
Stefan Jackiw, Violine
Alisa Weilerstein, Violoncello
Academy of St. Martin in the Fields
Leitung: Alan Gilbert


Pentatone
PTC 5186 818/19 (2 CD)









Da capo al Fine

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