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Christian Erny
Les Perfums, les Couleurs et les sons se répondent
Klaviermusik von Franz Liszt und Claude Debussy



Der gemeinsame Nenner von Liszt und Debussy

Von Stefan Pieper

Les Parfums, les Couleurs et les sons re répondent, das heißt zu deutsch etwa: Gerüche, Farben - und welchen Widerhall dies in der Musik findet. Christian Erny, ein junger, aus Winterthur stammender Pianist hat fast zwei Jahre lang unter diesem Aspekt Kompositionen von Franz Listz und Claude Debussy hinterfragt. Die Resultate sind ein beeindruckendes Plädoyer für die eigene künstlerische Stimme.

Wo kommt etwas her? Wo führt etwas hin? Das ist doch die große Frage beim aufgeklärten Musikmachen, wie Christian Erny ausdrücklich betont (siehe dazu das Interview mit dem Künstler). Aber Christian Erny will mit keinen vorgefertigten Antworten bevormunden, und das ist bei dieser CD hörbar. Das bewusst uneitle Spiel des Schweizers fokussiert den Gegenstand. Das gibt der Fantasie des Hörers allen Raum.

Die späten Liszt-Stücke auf dieser CD sind alles andere als beifallheischende Virtuosenstücke. Harmonisch vieldeutig entführen sie in klingende Schwebezustände, die Überwindung überkommener Formprinzipien ist hier Programm. Und wenn Erny sich in die Welt Debussys hinein begibt und es (natürlich) um Verklärung geht, meint dies viel mehr, als nur einen äußeren Eindruck abzubilden.

Christian Ernys immer prägnant auf den Punkt kommende Anschlagstechnik macht unmittelbar und vielgestaltig die eigene Lesart des Notentextes erfahrbar. Entsprechend ist die Sarabande in den Danseuses de Delphes weit mehr als ein gemessener barocker Tanz, der sich einem sinnlich neuzeitlichen Exotismus öffnet. Wie funkelnde Ketten modelliert Ernys Spiel die arpeggierten Ganztonskalen in Voiles und Le vent dans la pleine, was erregende Impulse, aber auch clusterhafte Verwirbelungen frei setzt. Vor allem: In jedem Moment tief durchdacht wirkt Christian Ernys Gabe, Klänge und Obertonschwingungen so zu mischen, dass jede Geste ihr individuelles Timbre und damit die Musik in jedem Moment alles an imaginärer Kraft bekommt.

Mittendrin kommt dann wieder Franz Liszt ins Spiel – überraschend, ja bestürzend. Dessen spätes, im weitesten Sinne zwölftönig gesetztes Stück Unstern vollzieht die Emanzipation von jeder Formkonvention aus dem 19. Jahrhundert. Christian Erny bringt dieses Statement mit dezidierter Wucht zum Klingen. Danach runden weitere Debussy-Préludes den dramaturgischen Bogen fast schon symmetrisch ab. La cathédrale engloutie ist dabei wohl das programmatischste Stück. Aus einer mysteriös vorwärtsschreitenden Tonfolge erhebt sich ein strahlender Choral - so ähnlich wie die von Debussy “gemeinte“ versunkene Kathedrale unter Wasser. Aber es könnten auch ganz andere Bilder assoziiert werden. Dazu hat der Hörer alle Freiheit – so wie sich Christian Erny bei der eigenen intellektuellen wie emotionalen Auseinandersetzung alle Freiheit nahm.

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Lesen Sie auch das Interview mit Christian Erny.




Christian Erny
Les Perfums, les Couleurs et les sons se répondent

Klaviermusik von Franz Liszt und Claude Debussy

Franz Liszt:
1. Années de pèlerinage, 2e année - Italie, I. Sposalizio 8:03
2. Années de pèlerinage, 2e année - Italie, II. Il penseroso 4:07

Claude Debussy:
3. Préludes, premier livre: I. Danseuses de Delphes 3:21
4. Préludes, premier livre, II. Voiles 4:06
5.Préludes, premier livre, III. Le vent dans la pleine 2:14
6. Préludes, premier livre, IV. Les sons et les parfums tournent dans l'air du soir 4:01
7.Préludes, premier livre, V. Les collines d'Anacapri 3:31
8.Préludes, premier livre: VI. Des pas sur la neige 4:21
9.Préludes, premier livre, VII. Ce qu'a vu le vent d'Ouest 3:52

Franz Liszt:
10.Unstern! Sinistre, disastro, 4:54

Claude Debussy:
11. Préludes, premier livre,: VIII. La fille aux cheveux de lin 2:42
12. Préludes, premier livre, IX. La serenade interrompue 2:54
13.Préludes, premier livre, XI. La cathédrale engloutie 6:06
14.Préludes, premier livre : XI. La danse de Puck 3:11
15.Préludes, premier livre,: XII. Ministrels 2:49
16. En rêve, S. 207 (Nocturne) 2:51


Gesamtspieldauer: 63:03

Christian Erny, Klavier

2016 Solo Musica

Weitere Informationen
www.christianerny.com





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