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Die Walküren machen in Abu Dhabi Station

Die Bayreuther Festspiele gastierten mit einer konzertanten Walküre im Emirates Palast - Christa Mayer war die Fricka in der ersten in Abu Dhabi komplett zu erlebenden Oper überhaupt

"Wo in den Bergen du dich birgst, der Gattin Blick zu entgehn,.." So beginnt Christa Mayer, mit ihrem warm strömenden, aber zu energischer Eloquenz gebündelten Mezzosopran im zweiten Aufzug von Richard Wagners "Walküre" als Fricka den Dialog mit ihrem Göttergatten, an dessen Ende Wotan ziemlich alt aussiehtů Das ist immer so. Die seit 2001 zum Semperopernensemble gehörende Sängerin, die ihre Alt-und Mezzopartien allemal zum Ereignis macht, ist u.a. mit der Fricka bestens vertraut. Nicht nur für ihre Fans adelt sie noch jede Aufführung, in der sie in einer großen oder kleineren Partie mitwirkt. Diesmal hebt Fricka jedoch an einem besonderen Ort zu dem Ehestreit an. Mit den Musikern des Bayreuther Festspielrochesters, aber nicht im verdeckten Graben, sondern auf der offenen Bühne hinter den Sängern im Emirates Palast in Abu Dhabi. Dazu war mit Festspielchefin Katharina Wagner an der Spitze eine handverlesene Sänger-Crew angereist, die von der Weltklasse-Brünnhilde Catherine Foster und Stephen Gould (Siegmund) angeführt wurden, und zu der Albert Dohmen, Egils Silins und Daniela Köhler gehörten. Die zwei konzertanten Vorstellungen waren - kurz vor dem ersten Papst-Besuch im vom Herrscher deklarierten "Jahr der Toleranz" - die erste vollständige Oper in Abu Dhabi überhaupt!

Mit dem Chef des Linzer Bruckner Orchesters Markus Poschner am Pult und nur einem (allerdings recht langen Probentag) der Wagnervollprofis. Damit so ein kühnes Unternehmen zustande kommt, braucht es schon einen ausgewiesenen Wagnerianer (wie den zuständigen Regierungsminister Zaki Nusseibeh) mit entsprechendem Einfluss. Poschner und das Orchester kamen mit der Akustik des plüschigen Konzertsaals erstaunlich gut klar. Er setzte auf präzise Streicher, warme Bläser (bis hin zur "neuen" Oboe) und steigerte die Intensität bis zum Finale. Dabei wahrte er stets Transparenz und ermöglichte eine (zumindest für die deutschkundigen Gäste) erstaunliche Wortverständlichkeit.

Zwischen den beiden Aufführung war Zeit für ein Gespräch mit Christa Mayer.


Von Joachim Lange


OMM: Wie war das als sie für Abu Dhabi angefragt wurden?

Mayer: So eine Anfrage ist natürlich fantastisch! Wagner konzertant, mal "nur" singen und das an einem so interessanten Ort wie Abu Dhabi, das sind Sahnehäubchen im Sängerbusiness. Als die Anfrage vor einem Jahr kam, war schnell klar, dass in dieser Zeit in meinem Dresdner Spielplan keine Vorstellungen und Proben für mich geplant waren - es passte also perfekt. Markus Poschner und ich haben übrigens zusammen studiert und uns seither nicht gesehen. Umso schöner, nach so vielen Jahren, eine so außergewöhnliche Aufführung zusammen machen zu können.

OMM: Liegt Ihnen die Fricka?

Mayer: Ich fühle mich zumindest sehr wohl mit der Partie. Mein Debüt hatte ich 2016 im wunderbaren Ring von Willi Decker an der Semperoper. 2017 habe ich sie dann bei den Salzburger Osterfestspielen gesungen in der Regie von Vera Nemirova, wo das Bühnenbild der Karajan Inszenierung von 1967 rekonstruiert wurde. Beide Produktionen waren unter der Leitung von Christian Thielemann. Sein Dirigat, was Tempi und Balance zwischen Sänger und Orchester betrifft, mir sehr geholfen. Ich kann nun auch bei anderen Dirigenten auf vieles in der Interpretation zurückgreifen.
Die Fricka hat gerade in der Walküre eine grandios komponierte Szene und ist auch vom Text her ungeheuer interessant. Sonst bin ich in meinen Rollen eher Vertraute, Umsorgende. Da ist die Fricka ein aufregendes Kontrastprogramm. Und sie geht höher als beispielsweise die Erda. So habe ich bei der Fricka das Gefühl, noch mehr übers Orchester strahlen zu dürfen, das macht einfach Spaß.

OMM: Sie haben in ihrem Repertoire eine beachtliche Bandbreite - ist das Strategie?

Mayer: Durchaus. Bandbreite bedeutet für mich stimmliche Flexibilität und macht mich als Ensemblemitglied an einem großen Opernhaus auch wertvoll. Ich möchte die Spanne von Barock bis Moderne bewusst erhalten und noch lange singen. Ich merke natürlich auch, dass im sogenannten freien Markt Sänger eher spezifisch angefragt werden. Für mich bedeutet das viel im deutschen und spätromantischen Fach. Umso mehr genieße ich, dass ich in meinem Stammhaus auch noch andere Akzente setzten kann.

OMM: Wie fühlen Sie sich im Dresdner Ensemble ?

Mayer: Sehr wohl! Die Akustik ist ein Geschenk, die Kunst und Geschmeidigkeit der Staatskapelle natürlich auch: es macht so viel Freude, auf dieser Bühne zu stehen. Meine Karriere hab ich zu einem großen Teil dieser Bühne zu verdanken. Die Pflege von Wagner und Strauss, damit künstlerisch über Jahre "groß zu werden", von vielen großen Kollegen und Dirigenten zu lernen und auch an vielen Abenden mit Christian Thielemann am Pult, der so phänomenal darin ist, die Dinge durchsichtig zu machen und die Sänger strahlen zu lassen.

OMM: Wie sehen Sie die neue Leitung der Semperoper mit Peter Theiler als Intendant?

Mayer: Ich freue mich auf die gemeinsame Arbeit. Neben vielen anderen spannenden Produktionen aller Genres soll ja die französische Grand Opéra ein Schwerpunkt werden. Das kommt mir sehr entgegen. Peter Theilers Tür steht immer offen für uns. Das ist ganz wichtig. Als Solist im Ensemble gestaltet sich der Spielplan ja sehr individuell. Das ist etwas anders als bei Chor und Orchester, die viele gemeinsame Dienste und Einteilungen und auch ein eigenes Sprachrohr haben. Für jeden Solisten gilt ein eigener Vorstellungskalender. Wenn man dann auch noch externe Projekte unterbringen möchte, ist gute Kommunikation und gegenseitiges Entgegenkommen unverzichtbar. Und dazu spüre ich seitens der neuen Leitung Bereitschaft, wie es bisher übrigens mit jeder Leitung an der Semperoper der Fall war.

OMM: Was sind Ihre nächsten Projekte?

Mayer: Aufführungen in Florenz, Warschau, Genf und London bringen mich auf neue Konzertpodien. Ich freue mich auf Nabucco an der Semperoper im Mai sowie die Meistersinger in Salzburg, die im Januar 2020 dann auch nach Dresden kommen werden.


(Februar 2018)




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Christa Mayer als Brangäne in Katharina Wagners Inszenierung von Tristan und Isolde bei den Bayreuther Festspielen (Foto © Bayreuther Festspiele / Jörg Schulze)


Christa Mayer, geboren in Sulzbach-Rosenberg, ist seit 2001 Mitglied im Ensemble der Semperoper Dresden. Ihr Repertoire dort umfasst Partien von Monteverdi (Ottavia in L'incoronazione di Poppea) und Händel (die Titelrolle in Orlando oder Cornelia in Giulio Cesare) ebenso wie Richard Straus (Gaea in Daphne) oder Alban Berg (Gräfin Geschwitz in Lulu). 2008 debutierte sie bei den Bayreuther Festspielen, wo sie seitdem Erda, Waltraute (beide in Der Ring des Nibelungen), Mary (Der fliegende Holländer) gesungen hat und als und Brangäne (Tristan und Isolde) auch 2019 auf dem "Grünen Hügel" zu erleben sein wird.


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Die Walküre, konzertant mit Film: Hier singen Stephen Gould (Siegmund) und Daniela Köhler (Sieglinde)





Da capo al Fine

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