"Wenn sich rauschend Blätter regen..."
Eine Naturbühne mit ausgezeichneter Akustik
Von Gerhard Menzel
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Fotos: Luisenburg-Festspiele/Landesbühnen Sachsen
Die Bühne der Luisenburg-Festspiele (ohne Dekoration).
Zum Festspielprogramm der Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel gehörte dieses Jahr auch die romantische, deutsche Volksoper überhaupt, mit Probeschuss, Braut, Waldromantik, Wolfsschlucht, Freikugeln, Jägerchor und Eremiten: Carl Maria von Webers Der Freischütz. Die Besonderheit dieser Produktion war, dass es ein Gastspiel der Landesbühnen Sachsen war, die dieses Werk seit mehr als 50 Jahren - nun in der sechsten Inszenierung - zwischen den malerischen Felswänden von Rathen - für viele Europas schönster Naturbühne - zur Aufführung bringen, genau dort, wo sich der Komponist zu Wolfsschlucht und Jägerchor inspirieren ließ.
Die Inszenierung aus dem Sommer 2003 bedient zwar das traditionelle Bild, ergänzt es allerdings mit einigen, zum Teil außergewöhnlichen Zutaten.
So zieht sich die Gestalt des Samiel durch das ganze Stück. In immer neuen Verkleidungen - vom Jägerburschen bis hin zur fürstlichen Mätresse, die dem Probeschuss beiwohnt - lässt er bedeutsam seinen roten Fächer auf- und zuschnappen, bis er im Finalbild wieder ganz oben auf dem Felsen, über allen thronend, erscheint (Das Böse kann sich in allen Gestalten und Situationen verbergen). Seinen szenischen Höhepunkt erfährt die Visualisierung des Grauens in der Wolfsschlucht. Als Albtraum Agathes wird mittels Videoprojektion - in Verbindung mit Licht-, Dampf- und Feuereffekten - Samiels Gesicht immer wieder im hochzeitlichen Schleier von Agathe auf die Felsen projiziert. Die einleitende Szene, in der Satanisten eine Taufzeremonie zelebrieren, bleibt allerdings für das Stück ohne erkennbaren Zusammenhang.
Dietmar Fiedler (Kaspar)
Mit dem Orchester der Landesbühnen gelang dem neuen GMD Michele Carulli aus dem überdachten Musikpavillon heraus eine farbenreiche und schwungvolle musikalische Interpretation, die trotz der Freiluftverhältnisse erstaunlich natürlich und präsent klang. Abgesehen vom stark einsatzbereiten Chor der Landesbühnen hielt sich die sängerische Qualität der Aufführung dagegen eher in Grenzen. Aus den engagiert darstellerischen und meist (ganz) passablen stimmlichen Leistungen hob sich Gudrun Sidonie Otto als agiles Ännchen, mit quirlig leichtem, sehr schön klingenden und timbrierten Sopran, erfreulich heraus, was vom - trotz regnerischen Wetters zahlreich erschienenen - Publikum auch gebührend honoriert wurde. Erfreulich war auf jeden Fall die prinzipiell gute Textverständlichkeit, die auch von der guten Akustik der Freilichtbühne zeugt.
Da man in Deutschland selbst im Sommer nicht auf gutes (trockenes) Wetter bauen kann, ist die Überdachung der Zuschauertribünen ein wahrer Segen. Die Sängerinnen und Sänger müssen sich dagegen auch in solchen stimm- und gesundheitsgefährdenden Witterungen behaupten, wofür ihnen ein gutes Stück Hochachtung gezollt werden muss.
FAZIT
In durchaus hörenswerter Qualität war dieser Freischütz auf jeden Fall ein visuell-atmosphärisches Erlebnis.
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