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Musikfestspiele
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Klangvokal
Musikfestival Dortmund
30.05.2013 - 30.06.2013

Ernani

Dramma lirico in vier Akten
Libretto von Francesco Maria Piave
Musik von Giuseppe Verdi

in italienischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2 h 45' (eine Pause)

Konzertante Aufführung im Konzerthaus Dortmund  am 8. Juni 2013

 

 

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Abstruse Handlung mit wunderschöner Musik

Von Thomas Molke / Fotos: Bülent Kirschbaum

Zweimal hat Giuseppe Verdi für seine Opern eine literarische Vorlage von Victor Hugo ausgewählt. Während aus Hugos Le Roi s'amuse das erste Stück der so genannten "Trilogia populare", Rigoletto, wurde, konnte sich Verdis frühe Oper Ernani nach Hugos Hernani ou L'Honneur castillan keinen vergleichbaren Platz im Opernrepertoire sichern und dürfte einem Großteil der Opernbesucher nur in Auszügen aus diversen Gala-Konzerten bekannt sein, da sich Regisseure heutzutage mit dem relativ konventionellen musikdramaturgischen Muster und den extrem schwer nachvollziehbaren Figuren eher schwer tun, wenn sie das Stück nicht der Lächerlichkeit preisgeben wollen. Dennoch bietet das Werk viele musikalische Höhepunkte, was eine konzertante Präsentation gerade anlässlich des 200-jährigen Verdi-Jubiläums empfehlenswert macht. Das Klangvokal Festival, das sich in den vergangenen vier Jahren bereits zweimal in Kooperation mit dem WDR Köln frühen Verdi-Opern gewidmet hat, liefert dafür eine hervorragende Plattform.

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Ensemble von links: Bálint Szabó, Roberto Aronica, Katia Pellegrino, Carlo Montanaro, Sebastian Catana, Maria Zedelius und Dirk Schmitz, im Hintergrund: WDR Rundfunkchor und Rundfunkorchester Köln

Bemerkenswert bei dieser Oper ist, dass hier gleich drei Männer eine Frau, Elvira, begehren. Da ist zunächst ihr Onkel Don Ruy Gómez de Silva, ein spanischer Grande, der aufgrund seines Alters und Titels einen Anspruch auf die Nichte erhebt. Doch auch Don Carlo, der König von Spanien und spätere Kaiser Karl V., möchte die junge Dame heiraten. Elvira hingegen liebt nur Ernani, der als Bandit in den Bergen von Aragón eine Gruppe von Banditen anführt, in Wirklichkeit allerdings ein Adliger ist, dessen Vater, der Herzog von Aragón, vom König entmachtet und getötet worden ist. Die Pläne der drei Rivalen, sich gegenseitig zu duellieren, werden mehrere Male durchkreuzt, bis schließlich Carlo Elvira als Geisel nimmt. Nun verbünden sich Ernani und Silva gegen den König, wobei Ernani Silva ein Jagdhorn mit dem Schwur übergibt, dass er, Ernani, sich selbst sofort töten werde, wenn Silva das Horn blase. Inzwischen wird Carlo in Aachen zum Kaiser gekrönt. Als er die Verschwörer unter der Leitung von Silva und Ernani stellen kann, will er Ernani, der sich als entmachteter Adliger zu erkennen gibt, töten lassen. Doch Elvira fleht um Gnade und Carlo lässt diesen nicht nur frei, sondern stimmt auch als erste Amtshandlung eines gnädigen Kaisers einer Heirat zwischen Ernani und Elvira zu. So kann die Hochzeit im Palast des rehabilitierten Herzogs von Aragón vorbereitet werden. Doch nun fordert Silva Rache und bläst das Horn. Ernani erinnert sich an seinen Schwur und ersticht sich, während Elvira ohnmächtig an seiner Leiche zusammenbricht.

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Katia Pellegrino und Sebastian Catana (rechts) mit Carlo Montanaro (Mitte) und dem WDR Rundfunkorchester und Rundfunkchor Köln

Carlo Montanaro zeichnet sich einmal mehr am Pult des WDR Rundfunkorchesters Köln als Spezialist für den frühen Verdi aus und schafft es, mit seinem expressiven Dirigat die beinahe schon schwülstigen Emotionen der Partitur differenziert herauszuarbeiten. So hört man gerade in den ersten beiden Akten einen Klang, der noch vollkommen vom jungen Verdi beseelt ist und in seiner Leichtigkeit die Ernsthaftigkeit der Figuren bisweilen in Frage stellt. Für die konzertante Aufführung ist ein exzellentes Solisten-Ensemble zusammengestellt worden, das den Anforderung an die Partien in jeder Hinsicht gewachsen ist. Roberto Aronica, der relativ kurzfristig für den angekündigten Thiego Arancam, in der Titelpartie eingesprungen ist, überzeugt mit einem großen Tenor und enormer Durchschlagskraft, die für das Konzerthaus beinahe schon eine Spur zu laut ist. In seiner Auftrittskavatine "Come rugiada al cespite", in der er den Räubern seinen Plan kundtut, die geliebte Elvira entführen und sie so aus den Klauen des alten Onkels entreißen zu wollen, präsentiert er mit sauberen Spitzentönen, dass man sich mit diesem Helden besser nicht anlegen sollte. Auch Katia Pellegrino macht als Elvira die berühmte Kavatine "Ernani! involami", in der sich wünscht, von Ernani befreit zu werden, zu einem Höhepunkt des Abends. Beeindruckend gelingt Pellegrino dabei vor allem der Registerwechsel von einer voluminösen Mittellage zu strahlenden Koloraturen.

Nach der Pause gewinnt die Musik im dritten Akt an Tiefe. Einen großen Anteil daran hat Sebastian Catana als Don Carlo mit seiner großen Kavatine "Oh de! Verd'anni miei", in der der König kurz vor seiner Krönung zum Kaiser nahezu wehmütig an seine Jugend zurückdenkt und plant, als neuer Kaiser mit einer gerechten Herrschaft in die Geschichtsbücher einzugehen. Auch wenn Catana sich als erkältet entschuldigen lässt und eine ganze Batterie von Wasserflaschen neben ihm steht, meistert er mit markantem Bariton die Partie, die dramaturgisch am wenigsten nachvollziehbar ist. So bleibt im Libretto die Erklärung dafür, wieso Carlo nach der Krönung zum Kaiser plötzlich nicht nur bereit ist, auf Elvira zu verzichten, sondern sie gleichzeitig auch noch mit seinem Rivalen Ernani vermählt und diesem sogar die enteigneten Landgüter zurückgibt, mehr als fragwürdig. Aber das Schlussterzett des dritten Aktes zwischen Catana, Pellegrino und Aronica lässt über solche inhaltlichen Schwächen in seiner musikalischen Schönheit leicht hinwegsehen. Bálint Szabó rundet als boshafter Onkel Silva den Abend mit einem herrlich schwarzen Bass hervorragend ab. Großartig gelingt sein letzter Auftritt, wenn er der verzweifelten Nichte voller Hass mit "Morrà" verkündet, dass Ernani sterben muss und das Horn erklingen lässt. So finden Pellegrino und Aronica erneut zu einem großartigen Abschlussfinale zusammen, bevor Ernani sich tötet und Elvira ohnmächtig zusammenbricht.

Der WDR Rundfunkchor Köln unter der Leitung von David Marlow überzeugt als Räuberbande in den Bergen, Dienerinnen Elviras und Silvas und Carlos Gefolge mit gewaltigem, homogenem Klang. Auch solistisch wissen die Chormitglieder Maria Zedelius als Giovanna, Dirk Schmitz als Riccardo und Thilo Dahlmann als Jago zu überzeugen, so dass es nicht nur am Ende frenetischen Applaus für alle Beteiligten gibt.

FAZIT

Auch wenn die Handlung mehr als fragwürdig bleibt, bietet Verdis Musik einen solchen Hörgenuss, dem man sich in dieser konzertanten Präsentation kaum entziehen kann.

Weitere Rezensionen zum Klangvokal Festival Dortmund 2013.

 

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Carlo Montanaro

Chorleitung
David Marlow

 

WDR Rundfunkchor Köln

WDR Rundfunkorchester Köln

 

Solisten

Ernani, ein Bandit
Roberto Aronica

Don Carlo, König von Spanien und späterer Kaiser Karl V.
Sebastian Catana

Don Ruy Gómez de Silva, spanischer Grande
Bálint Szabó

Elvira, seine Nichte und Verlobte
Katia Pellegrino

Giovanna, ihre Vertraute
Maria Zedelius

Don Riccardo, der Schildknappe des Königs
Dirk Schmitz

Jago, der Schildknappe Silvas
Thilo Dahlmann

 

Weitere
Informationen

erhalten Sie unter
Klangvokal Dortmund
(Homepage)



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