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Musikfestspiele
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Osterfestspiele
der Berliner Philharmoniker
in Baden – Baden 2014

12. bis 21. April 2014

Festspielhaus Baden-Baden

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Festspielhaus Baden-Baden
(Homepage)

Sang und Klang in Baden - Baden 

Von Christoph Wurzel 

Der Erfolg wird sich mit Sicherheit wiederholen: Im vergangenen Jahr veranstalteten die Berliner Philharmoniker ihre Osterfestspiele zum ersten Mal in Baden-Baden, nicht mehr in Salzburg wie unzählige Jahre zuvor. Für die Kurstadt zu Füßen des Schwarzwalds war dies ein Riesenereignis und für die Philharmoniker ein ganz großer Erfolg. Nach eigenem Bekunden fühlten sie sich hier aufgenommen wie Freunde unter Freunden. Tatsächlich wimmelte das kleine, beschauliche Baden-Baden nur so voller Menschen, die offensichtlich irgendwie mit den Festspielen zu tun hatten: die sich entweder über Musik unterhielten oder Instrumente von einem zum anderen Ort verfrachteten. Das Städtchen war randvoll gefüllt mit Musik.

Im überschaubaren Umkreis der Innenstadt liegen auch in diesem Jahr wieder die unterschiedlichen Spielstätten, denn das Festspielgeschehen bleibt nicht auf das Festspielhaus beschränkt. Dort finden die großen Konzerte und die Opernaufführungen statt, aber an acht weiteren Orten, kleineren Sälen von Hotels, des Casinos, im Kurhaus, dem Burda-Museum und in der Stiftskirche, gibt es zweimal täglich Kammerkonzerte mit vielfältigem Programm, das von virtuoser Barockmusik bis hin zu Tangos mit Bratschen und Kontrabässen reicht, das meiste davon italienischer Provenienz, was dem an der Oos bereits aufs Schönste aufblühenden Frühling eine zusätzlich heitere Note verleihen wird.

Alle Konzerte werden von den Philharmonikern bestritten und Solistinnen und Solisten mit ganz großen Namen gesellen sich wieder hinzu. Sol Gabetta wird mit Elgars Cellokonzert erstmals mit diesem Orchester auftreten, während mit Anne-Sophie Mutter eine alte Bekannte zum Violinkonzert von Brahms antritt. Diese beiden Konzerte mit sonst gleichem Programm (Ligeti, Wagner, Strawinsky) werden von Simon Rattle geleitet. Das Eröffnungskonzert bestreiten die Philharmoniker mit Zubin Mehta, es gibt neben den kurzen Orchesterstücken op. 6 von Webern das ausladende Heldenleben von Strauss und Yefim Bronfman spielt Beethovens 5. Klavierkonzert. Am Gründonnerstag spannen die Philharmoniker beim Musikfest einen weiten musikalischen Fächer auf, der von Vivaldi (Vier Jahreszeiten) über Berio (Folksongs) bis hin zu Schönberg (Pierrot lunaire) reicht.

Im hübschen städtischen Theater wird sich hoffentlich nicht jener Skandal wiederholen, der anlässlich der Uraufführung der Mahagonny-Urfassung in Baden-Baden Musikgeschichte schrieb. Anlässlich der „Tage deutscher Kammermusik“ erregte diese Sozialburleske 1927 hier einen Sturm der Entrüstung, was Brecht und Weill geradezu ermunterte, daraus eine abendfüllende Oper zu machen. Das Mahagonny-Songspiel wird bei den diesjährigen Osterfestspielen zusammen mit Brechts Badener Lehrstück (mit der nahezu unbekannten Musik von Hindemith) wieder aufgeführt.

Und schließlich fehlt natürlich auch die große Oper nicht: Unter der Leitung von Simon Rattle wird Puccinis Manon Lescaut mit Eva-Maria Westbroek in der Titelrolle gegeben. Hierauf richtet sich auch das Interesse des Fernsehsenders arte, der die Aufführung am 16. April live übertragen wird. Wie auch im letzten Jahr soll es angelehnt an die große Oper eine Fassung für Kinder geben: Gesangsolisten der baden-württembergischen Musikhochschulen und Stipendiaten der „Akademie Musiktheater“, die von der Deutschen Bank gesponsert wird, wollen zusammen mit Mitgliedern der Philharmoniker Puccinis Liebesdrama für Kinder „neu, anders und kindgerecht“ erzählen. Darauf darf man besonders gespannt sein.

Ein weiteres Projekt für junge Mitwirkende steht am Ostersonntag auf dem Programm: Bundesjugendorchester und Bundesjugendballett werden u. a. eine neue Choreografie zu Haydns Alleluja-Sinfonie von John Neumeier präsentieren. Und vom Tanz geprägt wird auch das geistliche Werk zum Karfreitag sein, Bachs Johannespassion in einer von Peter Sellars betreuten szenischen Fassung, die kürzlich bereits in Berlin Premiere hatte.

Wieder zehn Tage also voller Musik, ein Programm der Vielfalt, der Gegensätze und der Querverbindungen. Baden-Baden wartet gespannt auf die Künstler. Es verspricht wieder sehr interessant zu werden.

Bilanz und Vorschau

Nach den Angaben der Festspielhausleitung lautet die Bilanz der Osterfestspiele 2014 so: 28.400 Besucher aus über 30 Ländern kamen an den 10 Festspieltagen zu  über 30 Vorstellungen an den unterschiedlichsten Orten in Baden-Baden, also ins Festspielhaus, das Stadttheater und in 8 kleinere Säle zur Kammermusik. Und wer die Festspieltage erlebt hat, kann bestätigen: Die Osterfestspiele sind hier angekommen. Baden-Baden hat sich offen für die Musik gezeigt und hat heitere Tage erlebt, in denen die Festspiele Tagesgespräch waren. Immer wieder hat man aus Philharmonikermund gehört, dass sich die Musikerinnen und Musiker hier wohlgefühlt haben. Zu verdanken ist dies sicher zum Einen der fast familiären Atmosphäre, wie sie  die Festspielhausleitung ihren künstlerischen Gästen bereitet, zum anderen wohl auch dem guten Zuspruch, den vor allem die Kammerkonzerte wohl auch wegen der moderaten Eintrittspreise unter den Stadtbewohnern erfahren haben. All dies sind wichtige Voraussetzungen für gute künstlerische Arbeit, wie sie nicht überall in Festspielorten gegeben sein mag.

Künstlerisch hatten die Philharmoniker Vieles zum Entdecken mitgebracht: Simon Rattle „seinen“ ersten Puccini, eine etwas andere Form, Bachs Johannespassion zu erleben, nämlich als „szenische Meditation“, drei Sinfoniekonzerte mit exzellenten Solisten, eine witzige Kinderoper, das versuchte Revival eines Skandals der Zwanziger Jahre (Brecht, Weill und Hindemith), der heute keiner mehr wurde und in Kammerkonzerten mit viel Musik meist italienischer Provenienz eine südliche Stimmung, welche das warme Osterwetter noch krönte. Doch nicht allein in der Vielfalt lag die Qualität aller Angebote, sondern vor allem in der musikalischen Realisierung, denn wenn die Philharmoniker sich mit Noten beschäftigen, werden daraus allemal die edelsten Töne. Im Einzelnen siehe unsere Rezensionen.

Die dritten Osterfestspiele finden 2015 vom 27. März bis zum 6. April statt. Dann dürfte das Highlight der Rosenkavalier werden, inszeniert von Brigitte Fassbaender und mit Anja Harteros (Feldmarschallin), Magdalena Kožená (Oktavian), Anna Prohaska (Sophie) und Peter Rose (Ochs). Als zweites großes Werk wird es Berlioz’  La Damnation de Faust konzertant geben mit Joyce DiDonato, Charles Castronuovo und Ludovic Tézier. Die Sinfoniekonzerte mit den Solistinnen Martha Argerich und Isabelle Faust soll außer dem Chef Simon Rattle auch Bernhard Haitink dirigieren. Ansonsten die bewährte Dramaturgie: Kinderoper, Kammeroper und Kammermusik.
Der Vorverkauf hat schon begonnen.


Mehr Infomationen unter: www.osterfestspiele.de




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Unsere Rezensionen:

Giacomo Puccini
Manon Lescaut

Die kleine Manon
Kinderoper nach Puccini

Johann Sebastian Bach
Johannespassion

Yefim Bronfman und Zubin Mehta
Werke von Webern, Beethoven
und Strauss

Musikfest der Berliner Philharmoniker
Werke von Rossini, Ponchielli, Vivaldi,
Schönberg und Berio

Anne Sophie Mutter,
Sol Gabetta und Simon Rattle
Werke von Ligeti, Wagner, Strawinsky,
Brahms und Elgar

Skandal in Baden – Baden
Werke von Brecht mit Musik von Hindemith
und Weill

Kammermusikkonzerte

 

Die Osterfestspiele in den Medien:

14. April 2014 SWR2
Forum: „Ist Puccini Edelkitsch?“

15. April 2014 SWR2
„Das musikalische Quartett:
Brahms’ Violinkonzert“

16. April 2014 auf arte
Manon Lescaut

18. April 2014 SWR2 und SWR-Fernsehen
Bach: Johannespassion

20. April 2014 auf arte
Sol Gabetta und die Berliner Philharmoniker
unter Simon Rattle



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Festspielhaus Baden-Baden
(Homepage)




Da capo al Fine

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