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Musikfestspiele
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Klangvokal
Musikfestival Dortmund
22.05.2014 - 22.06.2014

Phoenix

Mittendrin - Ein Tanzfonds Partner Projekt in der Choreographie von Justo Moret

Mass of the Children - Ein Tanz-Chor-Musik-Projekt in der Choreographie von Manuela Klüttermann
Musik von John Rutter

Aufführungsdauer: ca. 2 h 15' (eine Pause)

Premiere im Opernhaus Dortmund  am 27. Mai 2014

 

 

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Kombination von Tanz, Chor und Musik

Von Thomas Molke

Phönix ist nicht nur ein mythologischer Vogel, der sich immer wieder ins Feuer stürzen muss, um daraus strahlend neu zu entstehen und spätestens seit dem letzten Eurovision Song Contest mit dem Sieg von Conchita Wurst in aller Munde ist, sondern auch der Leitstern eines generations- und kulturübergreifenden Projektes, das sich unter der Gesamtleitung des Dortmunder Ballettdirektors Xin Peng Wang in Kooperation mit den Dortmunder Philharmonikern, der Kreiskantorei Dortmund und zahlreichen Schülerinnen und Schülern aus unterschiedlichen Schulformen in und um Dortmund entwickelt hat und nun im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals im Opernhaus als zweiteiliger Abend zu erleben ist. Dabei wird ein Tanzfonds Partner Projekt unter dem Titel Mittendrin  John Rutters Mass of the Children gegenübergestellt.

Der erste Teil des Abends gehört Schülerinnen und Schülern der Anne-Frank-Gesamtschule, die gemeinsam mit einigen Jugendlichen, die schon früher an Jugendprojekten des Ballett Dortmund teilgenommen haben, unter der Leitung des Choreographen und Tanzpädagogen Justo Moret in zwölf Szenen kleine Geschichten erzählen, die sie seit April 2012 mit Moret und Giuseppe Ragona, einem Tänzer des Ballett Dortmund, eigenständig entwickelt haben und ihre Träume und Ängste in Bewegung widerspiegeln. Die einzelnen Szenen tragen Titel, die wohl den zahlreichen Muttersprachen der an diesem Projekt beteiligten Schülerinnen und Schülern entstammen dürften. Bei der Musikauswahl wird größtenteils auf elektronische Klänge zurückgegriffen, die im Stil an Minimal Music und Philip Glass erinnern. Ein relativ abstrakt gehaltener Tanz als erste und letzte Szene lässt den gesamten Ablauf des ersten Teils wie eine Art Kreislauf erscheinen. In gekonnt auf die Musik abgestimmten Bewegungen eilen die Schülerinnen dabei in Gruppen über die Bühne, lassen sich fallen und stehen wieder auf, suchen Nähe zu einem anderen Menschen und weisen diesen dann wieder von sich. Die Kostüme sind dabei in Schwarz gehalten und bieten einen deutlichen Kontrast zum weißen Hintergrund, der durch die Lichteinstellungen bisweilen in ein surreales Grün getaucht wird.

Aus dem Schnürboden fallen in der zweiten Szene schwarze und weiße Luftballons herab, die wahrscheinlich für die einzelnen Träume und Wünsche der Schülerinnen stehen, die über Band eingesprochen werden und die unterschiedlichen Lebenswelten und Kulturkreise der Jugendlichen deutlich werden lassen. Einige dieser Wünsche werden sich vielleicht nicht erfüllen, so wie auch einige der Ballons von einer Windmaschine von der Bühne geweht werden. Aber andere Ballons werden von den Schülerinnen festgehalten und geben somit die Hoffnung wieder, dass nicht alle Träume aufgegeben werden müssen. Besonders beeindruckend gelingt eine Szene zwischen einer Schülerin und Giuseppe Ragona. Die Schülerin balanciert barfuß über die Bühne und lässt sich dabei immer wieder von dem hinter ihr stehenden Ragona auffangen. Während sie sich in diesem Moment also vollkommen auf ihn verlässt, weist sie ihn später recht barsch von sich, wenn Ragona die Nähe zu ihr sucht. Die Ausdrucksstärke des jungen Mädchens lässt dabei nahezu vergessen, dass es sich hierbei noch nicht um eine ausgebildete Tänzerin handelt. Für Begeisterung sorgt auch die vorletzte Szene unter dem Titel "Zicken", in der die Mädchen mit imaginären Handys telefonieren und in herrlich übertriebener Gestik und Mimik die eigene Generation karikieren. Nur in dieser Szene tragen die Mädchen übrigens bunte Röcke über den schwarzen Kostümen und bringen so neben der Komik auch jede Menge Farbe ins Spiel.

Am Ende setzen sich die Schülerinnen und Schüler auf den Bühnenboden und verfolgen auf dem Bühnenhintergrund eine Videoprojektion, die mit der Eröffnungsnummer des Abends beginnt und dann in ein zusammengeschnittenes Video aus der Probenzeit übergeht, das die Schülerinnen und Schülern in unterschiedlichen Stadien der Vorbereitung zeigt. Die Begeisterung des Publikums im ausverkauften Opernhaus nach diesem ersten Teil ist groß.

Für den zweiten Teil des Abends haben sich die Kreiskantorei Dortmund und die Dortmunder Philharmoniker mit dem Mittelstufenchor des Bert-Brecht-Gymnasiums und Schülerinnen und Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Dortmund, des Anne-Frank-Gymnasiums Halver und der Adolf-Reichwen-Gesamtschule Lüdenscheid zusammengetan, um John Rutters Mass of the Children als übergreifendes Projekt von Tanz, Chor und Musik zu erarbeiten. Dabei treffen der 1991 von Wolfgang Meier-Barth gegründete evangelische Kirchenchor mit rund 60 Sängerinnen und Sängern in einer breiten Altersspanne auf über 70 jugendliche Sängerinnen und Sänger. Rutters im Februar 2003 in der New Yorker Carnegie Hall uraufgeführte Messe erinnert musikalisch an Filmmusik oder ein modernes Musical und erweitert im lateinischen Text die Missa brevis um einige Passagen, unter anderem um ein Morgen- und Abendloblied, das der Bischof Thomas Kens für die Scholaren des Winchester College verfasst hat, so dass die Messe damit den Rahmen eines Tages vom Erwachen bis zum Einschlafen erhält. Ergänzt werden die zwei Chöre von zwei Solisten, Meike Albers (Sopran) und Christian Henneberg (Bariton), und ungefähr weiteren 50 Schülerinnen und Schüler, die die Musik unter der Choreographie der Tanzpädagogin Manuela Klüttermann in Bewegung umsetzen.

Zunächst stellt sich das Problem, wie man über 150 Personen auf die Opernbühne bringt, auch wenn das Opernhaus Dortmund eine durchaus große Bühne besitzt. Die Sängerinnen und Sänger der Kreiskantorei platzieren sich teilweise hinter dem Orchester im Orchestergraben und auf der rechten und linken Seite der Bühne. Der Mittelstufenchor des Bert-Brecht-Gymnasiums füllt zum Gesang die Bühne aus und weicht für die Tänzerinnen und Tänzer in den entsprechenden Passagen nach rechts bzw. links in den Bühnenhintergrund aus. Das klappt logistisch relativ gut, führt allerdings zu kurzen unfreiwilligen Unterbrechungen im Ablauf der Messe, die vom Publikum mit an den einzelnen Stellen nicht immer ganz angebrachten Beifallsbekundungen goutiert werden. Zu Beginn der Messe wirken die Tanzeinlagen noch etwas zusammenhanglos. Spätestens beim "Agnus dei" allerdings, wenn die Schülerinnen und Schüler mit kleinen Kerzen kreisförmig über die Bühne schreiten, entstehen beeindruckende Bilder, die mit der Musik eine Einheit eingehen. Schön ist auch das Schlussbild zum "Dona nobis pacem", wenn die Schülerinnen und Schüler sich zunächst in unterschiedlich farbigen Tüchern einrollen und diese anschließend wellenförmig über die Bühne tragen. Der Mittelstufenchor und die Kreiskantorei überzeugen gesanglich dabei mit großer Textverständlichkeit und Präzision. Wolfgang Meier-Barth lässt mit den Dortmunder Philharmonikern John Rutters Musik regelrecht aufblühen, so dass es am Ende frenetischen Beifall für alle Beteiligten gibt.

FAZIT

Projekte wie dieses sind wichtig, um im Theater ein Forum für interkulturelle Begegnungen zu schaffen und vor allem Jugendliche auf die Theaterkultur neugierig zu machen.

Weitere Rezensionen zum Klangvokal Festival Dortmund 2014.

 

Produktionsteam

Gesamtleitung
Xin Peng Wang

 

Mittendrin

Choreographie
Justo Moret

Ausstattung
Dorothee Schumacher

Choreographie
Heike Buderus

Mitwirkende

Giuseppe Ragona (Ballett Dortmund)

Schülerinnen und Schüler der
Anne-Frank-Gesamtschule, Dortmund

 

Mass of the Children

Musikalische Leitung
Wolfgang Meier-Barth

Choreographie
Manuela Klüttermann

Projektkoordination
Gerhard Stranz

Mitwirkende

Kreiskantorei Dortmund

Mittelstufenchor des Bert-Brecht-Gymnasiums

Schülerinnen und Schüler
des Geschwister-Scholl-Gymnasiums
des Anne-Frank-Gymnasiums Halver und
der Adolf-Reichwen-Gesamtschule Lüdenscheid
 

Dortmunder Philharmoniker

Solisten

Sopran
Meike Albers

Bariton
Christian Henneberg

 

Weitere
Informationen

erhalten Sie unter
Klangvokal Dortmund
(Homepage)



Da capo al Fine

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