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42. Festival della Valle d' Itria

Martina Franca
14.07.2016 - 05.08.2016

 

La grotta di Trofonio

Commedia per musica in zwei Akten
Libretto von Giuseppe Palomba basierend auf dem gleichnamigen Libretto von Giovanni Battista Casti für Antonio Salieri
Musik von Giovanni Paisiello

In italienischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 3 h (eine Pause)

Koproduktion mit der Fondazione del Teatro di San Carlo in Neapel

Premiere im Palazzo Ducale am 14. Juli 2016
(rezensierte Aufführung: 31.07.2016)

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Die Magie der Grotte

Von Thomas Molke / Fotos: Studio Ricordi (Festival della Valle d' Itria)

Giovanni Paisiello gehört zu den Komponisten des ausgehenden 18. Jahrhunderts, deren Opernschaffen heutzutage nur noch ein Schattendasein führt. Am bekanntesten dürfte vielleicht noch sein 1782 in St. Petersburg uraufgeführter Barbiere di Siviglia sein, der sich auch 1816 in Rom noch so großer Beliebtheit erfreute, dass es für Rossini als Risiko angesehen wurde, den gleichen Stoff zu vertonen. Doch Rossini hat wie so viele anderen Werke auch Paisiello von den Spielplänen verdrängt. Da man sich beim Festival della Valle d' Itria in Martina Franca wie beim Wexford Festival Opera in Irland gern mit Werken jenseits des gängigen Repertoires auseinandersetzt und vielleicht auch weil sich in diesem Jahr Paisiellos Todestag zum 200. Mal jährt, hat man eine Opera buffa auf den Spielplan gestellt, die 1785 nach seiner Rückkehr aus Russland in Neapel einen großen Erfolg verbuchen konnte und Folgeaufführungen in zahlreichen europäischen Metropolen nach sich zog: La grotta di Trofonio. Salieri hatte diese Geschichte einen Monat zuvor am Burgtheater in Wien zur Uraufführung gebracht, wobei Paisiellos Librettist Giuseppe Palomba noch zwei weitere Charaktere einführte, die die Verwicklungen noch buffonesker gestalteten.

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Artemidoro (Matteo Mezzaro, links) und Don Gasparone (Domenico Colaianni, rechts) werden mit ihren verflossenen Geliebten Rubinetta (Caterina Di Tonno, links) und Madama Bartolina (Daniela Mazzucato, rechts) konfrontiert.

Die Handlung geht auf einen griechischen Kult zurück, wonach Besucher des Orakels des Trophonios (in der Oper Trofonio) nach mehreren Reinigungsritualen in einer Höhle zwei Sorten von Wasser zu trinken bekamen. Der eine Trank ließ sie alle Sorgen vergessen, während der andere Trank Erinnerungen an alle Ereignisse in der Höhle weckte. In der Oper wird aus dieser Höhle eine Grotte, die beim Betreten die Persönlichkeit eines Menschen in sein Gegenteil verwandelt. Diese Erfahrung müssen die beiden jungen Männer Artemidoro und Don Gasparone machen, die mit den Töchtern des griechischen Philosophen Don Piastrone verheiratet werden sollen. Der stets zu Späßen aufgelegte Don Gasparone soll die fröhliche Dori heiraten, doch auch der eher strenge Artemidoro ist Dori zugetan, während er von der ernsthaften Eufelia verehrt wird. Kompliziert wird es, als die Ballerina Madama Bartolina und Rubinetta auftauchen, denen Don Gasparone und Artemidoro vor einiger Zeit die Ehe versprochen haben. Da sehen die beiden Männer keine andere Möglichkeit, als in die Grotte zu flüchten. Als dann Don Gasparone als strenger Philosoph und Artemidoro als fröhlicher Tänzer die Grotte wieder verlassen, verstehen die Frauen die Welt nicht mehr. Doch auch Dori und Eufelia begeben sich in die Grotte, und kommen vollkommen verändert zurück. Mittlerweile entdeckt Rubinetta, dass Don Piastrone eigentlich auch keine schlechte Partie ist, und die Ballerina kann sich mit dem magischen Philosophen Trofonio als künftigem Gatten anfreunden, so dass Don Piastrones Töchter erneut in die Grotte geführt werden und in ihrer ursprünglichen Gestalt wieder zurückkommen. Nachdem auch Don Gasparone und Artemidoro nach einem weiteren Besuch in der Grotte mit ihrem ursprünglichen Charakter wieder zurückkehren, steht der Hochzeit zwischen Don Gasparone und Dori nichts mehr im Wege, und auch Artemidoro bekennt sich zu seiner ernsten Natur und ist bereit, Eufelia heiraten. So gibt es am Ende vier glückliche Paare. Die Höhle verschwindet, und Trofonio verwandelt sich in einen eleganten griechischen Adeligen.

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Ein Besuch der Grotte des Trofonio (Roberto Scandiuzzi, Mitte hinten) bringt das Liebesleben kräftig durcheinander: vorne von links: Dori (Benedetta Mazzucato), Don Gasparone (Domenico Colaianni), Don Piastrone (Giorgio Caoduro), Artemidoro (Matteo Mezzaro) und Eufelia (Angela Nisi).

Das Regie-Team um Alfonso Antoniozzi findet für diese abstruse Geschichte einen wunderbaren Zugang und wird dem Werk gerecht, ohne es durch unnötige Regiemätzchen zu verfremden. Passend zur Bedeutung der philosophischen Literatur für zahlreiche Charaktere hat Dario Gessati ein Bühnenbild geschaffen, dass aus riesigen aufgeklappten Büchern besteht, die auf den sichtbaren Seiten zum einen Ruinen von antiken Städten zeigen und zum anderen mit pittoresken Bäumen den Wald andeuten, in dem sich die Grotte des Trofonio befindet. Die Solisten treten durch diese Bilder gewissermaßen wie aus den Büchern auf. Da das Stück mit Don Piastrone den klassischen Philosophen karikiert, hat er zahlreiche antik gewandete griechische Sklaven, die mit ihren Aktionen für gute Unterhaltung im Publikum sorgen. Szenenwechsel werden mit dem Umklappen einzelner Seiten angedeutet. So erscheint beispielsweise auf der linken Seite ein großes Schiff, das die Ankunft Don Gasparones ankündigt, der als weit gereister Kaufmann auftritt. In der Mitte ersetzt dann eine mystisch anmutende Grotte die vorherige Ruine, wenn die einzelnen Personen in die Grotte verschwinden. Wenn sich am Ende die vier glücklichen Paare gefunden haben, deuten drei knallbunte, surreal anmutende Bilder an, dass hier ein seltsamer Zauber am Werk war, der mit Logik oder Rationalität nicht zu erklären ist.

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Glückliches Ende mit vier Paaren: von links: Dori (Benedetta Mazzucato), Don Gasparone (Domenico Colaianni), Trofonio (Roberto Scandiuzzi), Madama Bartolina (Daniela Mazzucato), Artemidoro (Matteo Mezzaro), Eufelia (Angela Nisi), Don Piastrone (Giorgio Caoduro) und Rubinetta (Caterina Di Tonno)

Die Kostüme von Gianluca Falaschi erinnern in ihrem klassischen Ansatz an die Commedia dell' arte. Madama Bartolina wirkt in ihrem langen weißen Gewand mit den rosafarbenen Pompons wesentlich exaltierter als Rubinetta in ihrem ländlich anmutenden Kleid. Besonders liebevoll ist auch die Figur des Trofonio gestaltet, der mit langem Rauschebart und bäuerlicher Kleidung einen witzigen alten Kauz abgibt. In diesem Ambiente lässt Antoniozzis Personenregie die Solisten die Komik dieser Opera buffa hervorragend ausspielen. Giorgio Caoduro gibt den Vater Don Piastrone mit flexiblem Bass als Pseudo-Philosophen, der sich nur scheinbar mit einer weisen Aura umgibt, sich dabei aber gern von seinen Sklaven bedienen und von seinen Töchtern und später Rubinetta die Pantoffeln bringen lässt. Roberto Scandiuzzi stattet den Magier Trofonio mit fulminantem Bass aus, der besonders große Komik entwickelt, wenn er sich als Don Piastrone verkleidet und mit den anderen Charakteren spielt. Große Spielfreude entwickelt dabei auch Caterina Di Tonno als Rubinetta, die in ihrer großen Arie im zweiten Akt den vermeintlichen Don Piastrone beherzt an ihre üppige Brust drückt. Daniela Mazzucato gestaltet die Ballerina Madama Bartolina mit überdrehter Komik und sauberen Spitzentönen.

Als Publikumsliebling kann Domenico Colaianni als Don Gasperone bezeichnet werden, der der Figur mit speziellem neapolitanischen Akzent eine komische Note gibt, die in den Rezitativen große Begeisterung hervorruft. In den Arien hingegen ist seine Stimme ein wenig dünn. Matteo Mezzaro punktet als Artemidoro mit höhensicherem Tenor und spielt die Leiden des jungen Mannes, der sich eigentlich zu Dori hingezogen fühlt und mit seinem ernsthaften Verhalten nur ihren Vater beeindrucken will, genauso überzeugend aus wie den charakterlichen Wechsel zum tanzenden Lebemann, nachdem er Trofonios Grotte zum ersten Mal betreten hat. Auch Angela Nisi und Benedetta Mazzucato setzen als unterschiedliche Schwestern Eufelia und Dori szenisch komische Akzente. Nisi gestaltet die intellektuelle Eufelia mit hellem Sopran als kurzsichtige Brillenschlange, die sich ebenfalls durch den Besuch der Grotte einer wundersamen Wandlung vollzieht, während Mazzucato die Dori absolut kokett mit weichem Mezzosopran anlegt. Musikalisch erinnern die beiden Partien ein bisschen an Fiordiligi und Dorabella in Mozarts Così fan tutte, wobei überhaupt zahlreiche Passagen vor allem in den Ensembles stark an Mozart erinnern. Giuseppe Grazioli sorgt mit dem Orchestra Internazionale d'Italia für einen frischen Klang, der die Leichtfüßigkeit der Musik zum Ausdruck bringt, so dass es am Ende großen Applaus für alle Beteiligten gibt.

FAZIT

Die Aufführung unterstreicht Paisiellos Anspruch, im Opernrepertoire wieder einen festen Platz zu bekommen. Es bleibt zu hoffen, dass auch andere Theater seinen Werken mehr Aufmerksamkeit schenken.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Giuseppe Grazioli

Regie
Alfonso Antoniozzi

Bühne
Dario Gessati

Kostüme
Gianluca Falaschi

Licht
Camilla Piccioni

 

Orchestra Internazionale d'Italia


Solisten

Dori
Benedetta Mazzucato

Rubinetta
Caterina Di Tonno

Artemidoro
Matteo Mezzaro

Don Gasperone
Domenico Colaianni

Eufelia
Angela Nisi

Madama Bartolina
Daniela Mazzucato

Trofonio
Roberto Scandiuzzi

Don Piastrone
Giorgio Caoduro


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