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Rossini in Wildbad
Belcanto Opera Festival
07.07.2017 - 23.07.2017


Rossini & Co. III Opernszenen

Konzert der Teilnehmer der Masterclass von Lorenzo Regazzo

In italienischer und französischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 1 h 30' (eine Pause)

Aufführung im Königlichen Kurtheater am 9. Juli 2016

 

 

 

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Ernstes und Heiteres

Von Thomas Molke / Fotos:  Andreas Kühn

Unter den Konzerten der Teilnehmer der beiden Meisterklassen von Raúl Giménez und Lorenzo Regazzo, die sich seit einigen Jahren bei den Festivalbesuchern so großer Beliebtheit erfreuen, dass sie seit dem letzten Jahr sogar auf drei Konzerte erhöht worden sind, nimmt das letzte Konzert immer einen besonderen Stellenwert ein, da man hier nicht nur die potentiellen Stars von morgen erleben kann, sondern auch der Internationale Belcanto Preis verliehen wird, der zum einen mit einem Rollenangebot bei einem künftigen Festival verbunden ist und zum anderen mit einem Geldpreis gesponsert wird, wobei Festspiel-Intendant Jochen Schönleber in diesem Jahr weder die Höhe des Preisgeldes noch den Namen des Sponsors aus der Schweiz nennt. Zusätzlich wird jedes Jahr auch noch ein nicht dotierter Publikumspreis verliehen, der laut Schönleber am Applaus für die einzelnen Beiträge gemessen werde. In diesem Jahr sei die Entscheidung laut Schönleber sehr leicht gefallen, da mit einer Minute und acht Sekunden der längste Applaus für eine Präsentation in einem Meisterkonzert in Bad Wildbad gemessen worden sei. Es dürfte allen Anwesenden sofort klar gewesen sein, dass damit nur der großartige Bariton Roberto Maietta gemeint sein konnte.

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Roberto Maietta mit (von links) Margherita Tani, Lika Bi und Alicia Martinez bei der Zugabe

Doch auch wenn Maietta diesen Publikumspreis mehr als verdient hat, hätte man ihm mit Blick auf seine Leistungen bei dem diesjährigen Festival noch mehr gewünscht. Als cleverer Diener Martino bewegte er sich stimmlich und darstellerisch in Rossinis Farsa L'occasione fa il ladro mit seinem "Meister" Lorenzo Regazzo auf Augenhöhe, und auch bei den drei Konzerten setzte er seine Darbietungen stets mit überbordendem komischen Talent um. In diesem Konzert gibt er zunächst davon eine Kostprobe mit der nicht weniger spielfreudigen Silvia Aurea De Stefano bei dem Duett Dorabella und Guglielmo aus Mozarts Così fan tutte, in dem Guglielmo versucht, die Braut seines Freundes Ferrando zu verführen und dabei am Ende auch Erfolg zu haben scheint. Neben seinen großartigen Verführungskünsten begeistert Maietta auch stimmlich erneut mit markantem Bariton. Aurea De Stefano begeistert an seiner Seite mit sattem Mezzo. Einen weiteren Höhepunkt stellt die von Maietta vorgestellte Arie der Germano aus Rossinis La scala di seta dar, in der Maietta mit einer Flasche Whiskey den flexiblen Koloraturen eine ganz neue Bedeutung gibt. Wie er mit wenigen Möglichkeiten eine solche Szene mit Leben versieht, ist wirklich großartig. Von daher fragt man sich wirklich, ob da nicht eigentlich zusätzlich zum Publikumspreis der Belcanto-Preis verdient gewesen wäre.

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Die beiden Preisträger Patrick Kabongo Mubenga und Vera Talerko mit Jochen Schönleber (rechts) (im Hintergrund von links: Ana Victória Pitts, Lika Bi, Silvia Aurea De Stefano, Margherita Tani, Alicia Martinez, Stefano Eligi und Lorenzo Regazzo)

Aber das soll die Leistungen der anderen Teilnehmer keinesfalls schmälern. Denn auch sie haben sich beim diesjährigen Festival durch bemerkenswerten Einsatz hervorgetan. Patrick Kabongo Mubenga, einer der beiden Preisträger, hat in diesem Jahr beispielsweise nicht nur beide Meisterklassen besucht, sondern stand auch mit Ausnahme von Eduardo e Cristina und Aureliano in Palmira in jeder Produktion auf der Bühne. In Garcías Le cinesi begeisterte er als Silango, der die drei gelangweilten Chinesinnen aufmischt, in L'occasione fa il ladro überzeugte er als Don Eusebio, der Onkel der begehrten Berenice, und in Maometto II übernahm er sogar direkt zwei Rollen. Für das letzte Konzert hat er sich eine sehr anspruchsvolle Arie ausgewählt, "Sì, ritrovarla io giuro", das große Bekenntnis Don Ramiros im zweiten Akt, aus La Cenerentola, wenn der Prinz fest entschlossen ist, die schöne Unbekannte vom Ball wiederzufinden. Hier spart Kabongo Mubenga nicht mit stupenden Spitzentönen, obwohl er am Nachmittag auch noch einen Auftritt in Maometto II hat, und lässt vermuten, dass er mit diesem strahlenden Tenor noch eine große Karriere vor sich haben dürfte.

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Applaus für eine Meisterklasse: von links: Fabio Maggio, Roberto Maietta, Xiang Xu, Gabriel Alexander Wernick, Patrick Kabongo Mubenga, Ana Victória Pitts, Muriel Fankhauser, Lika Bi, Silvia Aurea De Stefano, Vera Talerko, Margherita Tani, Alicia Martinez, Stefano Eligi, Lorenzo Regazzo und Jochen Schönleber

Die zweite Preisträgerin ist Vera Talerko, die wenn man Schönleber richtig verstanden hat, zwar nicht an den beiden Meisterklassen teilgenommen hat - zumindest ist sie in den ersten beiden Konzerten nicht aufgetreten -, als Berenice in L'occasione fa il ladro aber ein beeindruckendes Debüt in Bad Wildbad hingelegt hat. Für dieses Konzert hat sie die berühmte Schlussarie der Amina aus Bellinis La sonnambula vorbereitet, ein Stück, das im letzten Konzert bereits von Alicia Martinez interpretiert wurde. Talerko begeistert mit sauberen Spitzentönen und wunderbar ausgesungenen Bögen, so dass auch sie vom Publikum mit frenetischem Jubel belohnt wird. Aus dem Häuschen ist das Publikum auch bei Xiang Xus Interpretation der anspruchsvollen Arie des Arnold aus Guillaume Tell. Wie schon im letzten Konzert beim Tonio aus Donizettis La fille du régiment begeistert Xu mit strahlenden Spitzentönen und unglaublicher Intensität im Vortrag. Von daher erhält er nicht zu Unrecht einen zweiten Preis bei diesem Festival. Eigentlich hätte auch Ana Victória Pitts ausgezeichnet werden müsse, die zum wiederholten Mal in Bad Wildbad auf sich aufmerksam macht. Wie bereits vor zwei Jahren interpretierte sie mit kräftigem Mezzosopran die Tangìa in Le cinesi und überzeugte auch als Publia in Aureliano in Palmira mit sattem Mezzo. Das Rezitativ der Adalgisa aus Bellinis Norma präsentiert sie in diesem Konzert mit großer Intensität.

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Gabriel Alexander Wernick als Belcore mit (von links) Margherita Tani, Lika Bi, Alicia Martinez und Muriel Fankhauser

Aber auch die übrigen sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Meisterklasse sind ein Garant für die hohe Qualität des Konzertes. Besonders hervorzuheben ist Margherita Tani, die die Verzweiflungsarie der Aggripina aus Händels gleichnamiger Oper mit großer Dramatik präsentiert. Dabei überzeugt sie nicht nur stimmlich, mit großartigen Höhen und einer dunkel eingefärbten Mittellage, sondern lässt auch darstellerisch die Ängste der Kaiserin spürbar werden. Zur Gestaltung der emotionalen Achterbahnfahrt reicht ihr ein einfacher roter Sessel. Silvia Aurea De Stefano lässt als Carmen mit der Seguidilla auf einem roten Sofa ihren koketten Charme spielen und überzeugt mit warmem Mezzosopran. Lika Bi flirtet als Rossinis Anzoleta statt mit ihrem Geliebten Momolo, dem sie den Sieg bei der Regatta wünscht, lieber mit dem Pianisten Stefano Eligi, der darauf nur allzu gerne eingeht. Alicia Martinez punktet bei der Kavatine der Semiramide aus Rossinis gleichnamiger Oper mit sauber angesetzten Spitzentönen, und auch Muriel Fankhauser überzeugt in Elettras großer Verzweiflungsarie aus Mozarts Idomeneo mit dramatischen Höhen. Gabriel Alexander Wernick glänzt als Belcore in Donizettis L'elisir d'amore mit großartiger Komik und profundem Bassbariton, dass es nicht verwundert, dass ihm Martinez, Bi, Tani und Fankhauser als Groupies zu Füßen liegen.

Als Zugabe gibt es wie beim letzten Konzert Rossinis Canone scherzoso a quattro soprani democratici, das auch als "Katzen-Quartett" bezeichnet werden kann. Dieses Mal übernimmt Martinez mit überbordender Bühnenpräsenz den ersten Teil, bevor sie auf der Bühne mit Bi und Tani einen regelrechten Zickenkrieg beginnt, der neben den von den Frauen gesungenen Katzentönen noch durch Maiettas Imitation eines Hahns auf die Spitze getrieben wird. Das Publikum überhäuft die jungen Solistinnen und Solisten zu Recht mit großem Applaus.

FAZIT

Wieder ist es Lorenzo Regazzo mit seiner Meisterklasse gelungen, ein abwechslungsreiches Programm von Ernstem bis Heiterem zusammenzustellen, in dem die stimmlichen und darstellerischen Qualitäten der vielversprechenden Nachwuchstalente bestens zur Geltung kommen.

Weitere Rezensionen zu Rossini in Wildbad 2017

Programm des Konzertes

Gioachino Rossini: Semiramide (1823): Kavatine der Semiramide "Bel raggio lusinghier (Alicia Martinez, Begleitung: Stefano Eligi)

Gioachino Rossini: Guillaume Tell (1829): Rezitativ und Arie (Adantino) des Arnold "Ne m'abandonne point - Asile héréditaire" (Xiang Xu, Begleitung. Fabio Maggio)

Wolfgang Amadeus Mozart: Idomeneo (1781): Arie der Elettra "D'Oreste, D'Aiace" (Muriel Fankhauser, Begleitung: Fabio Maggio)

Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte (1790): Duett Dorabella - Guglielmo "Il core vi dono" (Silvia Aurea De Stefano, Roberto Maietta, Begleitung: Stefano Eligi)

Gioachino Rossini: Nr. 10 aus dem Album italiana der "Alterssünden: Anzoleta dopo la regata ("Ciapa un baso") (Lika Bi, Begleitung: Stefano Eligi)

Vincenzo Bellini: Norma (1831): Rezitativ der Adalgisa "Sgombra è la sacra selva" (Ana Victória Pitts, Begleitung: Fabio Maggio)

Vincenzo Bellini: La sonnambula (1831): Szene und Schlussarie der Amina "Ah, non credea mirarti" (Vera Talerko, Begleitung: Stefano Eligi)

Wolfgang Amadeus Mozart: La clemenza di Tito (1791): Duett Servilia - Annio "Ah perdona al primo affetto" (Lika Bi, Margherita Tani, Begleitung: Fabio Maggio)

Georges Bizet: Carmen (1875): Seguidilla der Carmen "Près des remparts de Séville" (Silvia Aurea De Stefano, Begleitung: Fabio Maggio)

Georg Friedrich Händel: Aggripina (1709): Arie der Aggripina "Pensieri, voi mi tormentate" (Margherita Tani, Begleitung: Fabio Maggio)

Gioachino Rossini: La scala di seta (1812): Rezitativ und Arie des Germano "Amore dolcemente" (Roberto Maietta mit Gabriel Alexander Wernick (Blansac), Begleitung: Stefano Eligi)

Gaetano Donizetti: L'elisir d'amore (1832): Kavatine des Belcore "Come Paride vezzoso" (Gabriel Alexander Wernick mit Lika Bi, Alicia Martinez, Muriel Fankhauser und Margherita Tani, Begleitung: Stefano Eligi)

Gioachino Rossini: Il barbiere di Siviglia (1816): Rezitativ und Arie des Don Ramiro "E allor... se non ti spiaccio - Sì, ritrovarla io giuro" (Patrick Kabongo Mubenga, Begleitung: Fabio Maggio)



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Ausführende

Klavier
Stefano Eligi
Fabio Maggio

Teilnehmer der Masterclass
Silvia Aurea De Stefano, Mezzosopran
Lika Bi, Sopran
Muriel Fankhauser, Sopran
Patrick Kabongo Mubenga, Tenor
Roberto Maietta, Bariton
Alicia Martinez, Sopran
Ana Victória Pitts, Mezzosopran
Vera Talerko, Sopran
Margherita Tani, Mezzosopran
Gabriel Alexander Wernick, Bassbariton
Xiang Xu, Tenor

 


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