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Musikfestspiele
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Händel-Festspiele 2018 in Halle (Saale)

25.05.2018 - 10.06.2018

Parnasso in festa

Serenata in drei Teilen (HWV 73)
Libretto von einem unbekannten Verfasser
Musik von Georg Friedrich Händel

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2 h 35' (eine Pause)

Koproduktion der Händel-Festspiele mit der lautten compagney Berlin, dem Goethe-Theater Bad Lauchstädt und dem Schlosstheater Fulda

Premiere im Goethe-Theater Bad Lauchstädt am 26. Mai 2018

 

 

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Hochzeitsfeier in barocker Optik

Von Thomas Molke / Fotos von Marcus Lieberenz ( lautten compagney Berlin)

50 Jahre ist es nun her, dass das Goethe-Theater Bad Lauchstädt zum ersten Mal als historische Spielstätte für die Händel-Festspiele in Halle genutzt wurde. Zum Jubiläum hätte man sich optisch vielleicht ein netteres Ambiente gewünscht, denn das pittoreske Theater wird derzeit außen komplett saniert und ist eine Baustelle. Aber wichtig ist ja, was im Inneren stattfindet, und da ist die Wahl auf eine Serenata von Händel gefallen, mit der am 13. Mai 1734 ebenfalls ein besonderes Ereignis im King's Theatre am Haymarket gefeiert wurde: die Hochzeit der ältesten Tochter des britischen Königs Georg II., Prinzessin Anne, mit Prinz Wilhelm IV. von Oranien. Einen Tag vor der Trauung gab es die festliche Serenata Parnasso in festa per gli sponsali di Teti e Peleo mit einem eigens für diesen königlichen Anlass angefertigten mythologischen Text, der vermutlich von Giacomo Rossi verfasst wurde. Die Musik stammt größtenteils aus Händels ein Jahr zuvor in Oxford uraufgeführtem Oratorium Athalia, was damals in London noch unbekannt war. Händel übernahm jedoch nicht einfach den Ablaufplan von Athalia, sondern änderte die Reihenfolge der Stücke und setzte sie so in einen neuen musikalischen Zusammenhang. Parnasso in festa kam als Gelegenheitskomposition beim Publikum so gut an, dass es allein im März 1734 noch vier weitere Aufführungen gab. Auch in den Folgejahren setzte Händel dieses Werk auf den Spielplan, passte es jedoch mit zahlreichen Umarbeitungen den jeweiligen Sängerbesetzungen an. Die letzte Aufführung zu Händels Lebzeiten gab es dann anlässlich des 7. Hochzeitstags von Prinzessin Anne am 14. Mai 1741, wobei auf die originale Kulisse und die originalen Kostüme zurückgegriffen wurde.

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Apollo (Riccardo Angelo Strano, Mitte) hat auf den Berg Parnass eingeladen (links: Calliope (Julia Böhme) und Euterpe (Aurélie Franck), rechts: Marte (Elías Benito Arranz) und Clori (Georg A. Bochow)).

Eine Handlung im eigentlichen Sinn hat das Stück nicht. Stattdessen ist es als Huldigung auf das königliche Brautpaar zu verstehen. Beschrieben werden die Hochzeitsfeierlichkeiten eines mythologischen Paares, zu denen der Gott Apollo die Musen, Halbgötter, Nymphen, Faune und Hirten auf dem Berg Parnass, seiner Heimstätte, einlädt. Ob das mythologische Paar mit Thetis und Peleus wirklich passend gewählt ist, ist Ansichtssache. Bekanntermaßen wurde die Hochzeit der beiden von der nicht eingeladenen Göttin der Zwietracht, Eris, gestört, die einen goldenen Apfel für die "schönste Göttin" in den Saal warf, was den verhängnisvollen Göttinnenstreit zwischen Juno, Minerva und Venus auslöste und über das Urteil des Paris schließlich zum fatalen Trojanischen Krieg führte, dem auch der Sohn von Thetis und Peleus, Achilles, zum Opfer fiel. Auch die beiden Geschichten, die in den ersten beiden Akten der Serenata von den anwesenden Gästen auf dem Fest erzählt werden, sprechen nicht gerade von glücklichen Liebesbeziehungen. Zunächst erinnert sich Apollo an seine unerhörte Liebe zu der Nymphe Daphne, die sich auf der Flucht vor ihm in ihrer Verzweiflung in einen Lorbeerbaum verwandelte. Dann erzählt Orpheus vom Verlust seiner Gattin, die er nach dem Gang in die Unterwelt auf dem Rückweg erneut verlor, weil er sich aus Sorge und Sehnsucht nach ihr umdrehte. Doch die Musen raten, nicht den Ausgang der Geschichten zu betrachten, sondern stattdessen die Beständigkeit der Liebe, die Apollo und Orpheus bewiesen haben, auf das Brautpaar zu übertragen. So folgen im dritten Akt Lobpreisungen auf die edle Abstammung des Paares, ihre Tugenden und den Neubeginn einer glorreichen Zukunft.

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Calliope (Julia Böhme) tröstet ihren Sohn Orfeo (Margriet Buchberger) über den Verlust seiner Gattin Eurydike.

Die Regisseurin Sigrid T'Hooft gilt seit ihrer Inszenierung von Händels Radamisto bei den Händel-Festspielen in Karlsruhe 2009 als gefeierte Expertin im Bereich der barocken Bühnenkunst, die mit barocker Gestik die historische Aufführungspraxis wiederbelebt und damit einen Gegenpol zu modernem Regietheater geschaffen hat. Unterstützt werden die Bewegungen von einer Tänzerin und einem Tänzer des von T'Hooft 2005 gegründeten Corpo Barocco, die im Verlauf des Stückes mehrere Rollen übernehmen. In opulenten Barockkostümen und in einem zauberhaften Bühnenbild, das mit zahlreichen weißen Wolken auf der Bühne an den Olymp erinnert, lässt T'Hooft mit ihrem Ausstatter Niels Badenhop eine Welt entstehen, die dem Zuschauer gewissermaßen eine Zeitreise ins 18. Jahrhundert ermöglicht. Hervorzuheben sind die kleinen Details, die die einzelnen Figuren charakterisieren. So ist Apollos Kostüm in glänzendem Gold gehalten, das ihn wie einen Sonnengott erstrahlen lässt. Die drei Musen führen jeweils einen charakteristischen Gegenstand mit sich, Clio eine Papierrolle, Calliope eine Schreibtafel und Euterpe eine Doppelflöte. Der begnadete Sänger Orpheus (Orfeo) wird mit der Lyra ausgestattet, mit der er seinen göttlichen Gesang stets begleitet hat. Der Gott Mars (Marte) ist als Kriegsgott wie ein königlicher General gekleidet. Man fragt sich nur, wieso die Jägerin Clori mit einem Countertenor in Frauenkleidern besetzt ist. Bei der Uraufführung wurde diese Partie nämlich von einer Frau interpretiert. Für die Wiederaufnahme drei Jahre später wandelte Händel die Rolle jedoch in den Jäger Silvio um, der von einem Knabenalt gesungen wurde.

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Apollo (Riccardo Angelo Strano) erzählt von seiner unerwiderten Liebe zu der Nymphe Daphne (Nicolle Klinkeberg) (im Hintergrund: Martin Prescha ebenfalls als Tänzer Apollo).

Der Chor und die Tänzer übernehmen unterschiedliche Rollen und werden dabei ebenfalls sehr opulent ausgestattet. Im Gedächtnis bleibt Nicolle Klinkebergs Auftritt als Daphne in Apollos Erzählung im ersten Akt. Martin Prescha tritt dabei als Apollo mit einer Sonnenmaske auf, während in Klinkebergs Kostüm mit zahlreichen Blumenranken die bevorstehende Verwandlung in den Lorbeerbaum bereits angedeutet wird. Verzweifelt versucht sie, den Annäherungen des Gottes zu entfliehen. Schließlich erstarrt sie zum Baum und reicht Apollo den Lorbeerkranz, mit dem er sich anschließend in Gedenken an seine unerhörte Liebe schmückt. Wenn Neptun herbeigerufen wird, treten Klinkeberg und Prescha als Tritonen mit zahlreichen Perlen und Korallen auf, die sie den Göttern und Musen als Gaben für das Hochzeitspaar überreichen. Am Ende werden sie mit diesen Geschenken geschmückt und stellen wohl das Brautpaar Thetis und Peleus dar, das nun endlich angekommen zu sein scheint.

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Feierliches Schlussbild: von links: Clori (Georg A. Bochow), Schäferin (Georgia Tryfona), Calliope (Julia Böhme), Hirte (Max Jakob Rößeler), Orfeo (Margriet Buchberger), Marte (Elías Benito-Arranz), Euterpe (Aurélie Franck), Hirte (Amin Kachabia), Clio (Hanna Herfurtner) und Hirte (Hans-Dieter Gillessen).

Musikalisch bewegt sich die Aufführung auf gutem Niveau. Riccardo Angelo Strano verfügt als Gott Apollo über einen in den Höhen leuchtenden Countertenor, der nur in der Mittellage noch etwas geschmeidiger werden könnte. In den Koloraturen glänzt er durch große Flexibilität. Auch die barocke Gestik setzt er überzeugend um. Margriet Buchberger stattet die Partie des Orfeo mit warmem Sopran aus. Mit bewegender Intensität schildert sie die Gefühle des Sängers über den Verlust seiner geliebten Gattin Eurydike und punktet dabei mit großer Strahlkraft in den Höhen. Hanna Herfurtner leitet als Muse Clio die Aufführung ein und übernimmt im weiteren Verlauf immer wieder die Funktion einer Art Spielleiterin. Dabei gestaltet sie die Partie mit weichem Sopran und großer Beweglichkeit in den Läufen. Julia Böhme stattet die Partie der Calliope mit samtweichem Alt aus und gewinnt vor allem im Zusammenspiel mit Buchberger an Profil, wenn Calliope ihren Sohn über den Verlust Eurydikes trösten will. Aurélie Franck, Georg A. Bochow und Elías Benito-Arranz runden als Muse Euterpe, Jägerin Clori und Kriegsgott Marte das Ensemble überzeugend ab. Die lautten compagney Berlin begeistert unter der Leitung von Wolfgang Katschner mit einem differenzierten Klang, so dass es am Ende großen Beifall für alle Beteiligten gibt. Vor allem T'Hoofts Regieansatz findet beim Publikum großen Anklang.

FAZIT

Sigrid T'Hooft führt mit ihrer historischen Aufführungspraxis das Publikum in eine längst vergangene Welt, die zu erkunden große Freude bereitet und eine willkommene Abwechslung zum modernen Regietheater bietet.

Weitere Rezensionen zu den Händel-Festspielen 2018 in Halle

 

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Wolfgang Katschner

Regie
Sigrid T'Hooft

Ausstattung
Niels Badenhop

 

lautten compagney Berlin

 

Solisten

Apollo
Riccardo Angelo Strano

Orfeo
Margriet Buchberger

Clio
Hanna Herfurtner

Calliope
Julia Böhme

Clori
Georg A. Bochow

Euterpe
Aurélie Franck

Marte
Elías Benito-Arranz

Chor
Sopran
Georgie Tryfona

Tenor
Amin Kachabia
Hans-Dieter Gillessen

Bass
Max Jakob Rößeler

Barocktanz
Nicolle Klinkeberg
Martin Prescha

 

Weitere
Informationen

erhalten Sie unter
Händel-Festspiele in Halle
(Homepage)



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