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Musikfestspiele
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Innsbrucker Festwochen der Alten Musik
16.07.2019 - 27.08.2019


10. Internationaler Gesangswettbewerb
für Barockoper Pietro Antonio Cesti

Musik von Georg Friedrich Händel, Alessandro Melani, Antonio Vivaldi und Johann Adolph Hasse

In italienischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 4 h (zwei Pausen)

Großer Saal im Haus der Musik in Innsbruck
8. August 2019, 19.00 Uhr




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Großes Finale mit Händel und Melani

Von Thomas Molke / Fotos:  Innsbrucker Festwochen

Zum mittlerweile 10. Mal findet in diesem Jahr bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik der Internationale Gesangswettbewerb für Barockoper Pietro Antonio Cesti statt und feiert somit im 350. Todesjahr seines Namenspatrons ein erstes kleines Jubiläum. Seitdem hat sich der Wettbewerb zu einer wichtigen Plattform für junge Künstlerinnen und Künstler entwickelt. Auch in diesem Jahr haben sich über 200 Sängerinnen und Sänger aus der ganzen Welt angemeldet, von denen dann insgesamt 99 in den Vorrunden angetreten sind. Eine Jury aus acht Fachleuten hatte an drei Tagen die anspruchsvolle Aufgabe, aus diesen Bewerbern insgesamt 10 Finalistinnen und Finalisten auszuwählen, die dann in einem großen Konzert mit jeweils zwei Arien um den Sieg antreten. Vergeben werden neben den drei mit 4000 Euro, 3000 Euro und 2000 Euro dotierten regulären Preisen ein Nachwuchspreis in Höhe von 1500 Euro, der von Sorek Artists Management finanziert wird, und ein Publikumspreis in Höhe von 1000 Euro. Für letzteren haben die Zuschauer einen Wahlzettel in ihrem Programm, auf dem sie nach dem zweiten Durchgang ihren Favoriten markieren können.

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Die zehn Finalistinnen und Finalisten: von links: Maayan Licht, Grace Durham, Dioklea Hoxha, Nataliia Kukhar, Andrew Munn, Orsolya Nyakas, Yannick Debus, Inna Husieva, Miriam Kutrowatz und Theodora Raftis (© Celina Friedrichs)

Bei den beiden Arien, mit denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer präsentieren, stammt jeweils eine aus der 1669 uraufgeführten Oper L'empio punito von Alessandro Melani, die eine erste Vertonung des Don Giovanni-Themas darstellt, ohne dabei allerdings die aus Mozarts Oper bekannten Personen zu verwenden. Damit wird schon einmal Ausschau nach den Mitwirkenden für die Produktion Barockoper:Jung gehalten, da L'empio punito in diesem Rahmen bei den Innsbrucker Festwochen 2020 auf dem Spielplan steht. Wieso jedoch ein Künstler, der deutsche Bariton Yannick Debus, kein Stück aus Melanis Oper präsentiert, sondern sich mit zwei Händel-Arien vorstellt, bleibt unklar. Sollte die Oper keine Partie für einen Bariton enthalten? Überhaupt dominieren im Teilnehmerfeld mit fünf Sopranistinnen, zwei Mezzosopranistinnen und einem männlichen Sopran die hohen Stimmen.

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Gewinnerin des Publikums- und Nachwuchspreises: Miriam Kutrowatz mit Alessandro De Marchi (links) und Michael Fichtenholz (rechts)(© DieFotografen)

Dass es bei den unterschiedlichen Preiskategorien zu Dopplungen kommen kann, ist natürlich wie bei den Oscars in den USA nicht ausgeschlossen. Die 22-jährige Sopranistin Miriam Kutrowatz aus Österreich erhält in diesem Jahr sogar direkt drei Auszeichnungen. Zum einen gewinnt sie den Publikumspreis, da sie mit ihren sauber angesetzten halsbrecherischen Koloraturen in der Arie der Laodice aus Händels Oper Siroe, "Torrente cresciuto", die Zuschauer regelrecht mitreißt und auch als Atamira aus Melanis L'empio punito mit einer sehr warmen Stimmführung überzeugt. Zum anderen bekommt sie als eine der jüngsten Teilnehmerinnen des Wettbewerbs für diese Leistung auch noch den Nachwuchspreis. Jury-Mitglied Elisabeth Reischl, die für die Künstlerische Planung des Wiener Konzerthauses verantwortlich ist, vermittelt ihr als Sonderpreis auch noch einen Auftritt in einem Konzert im Rahmen der Resonanzen Wien.

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Die drei Preisträgerinnen: Theodora Raftis (rechts), Dioklea Hoxha (links) und Grace Durham (Mitte) (©, DieFotografen)

Die drei Jury-Preise werden vom Vorsitzenden der Jury, Michael Fichtenholz, der neben seiner Tätigkeit als Operndirektor am Opernhaus Zürich auch noch die Künstlerische Leitung der Händel-Festspiele am Staatstheater Karlsruhe innehat, bekannt gegeben. Den dritten Preis erhält die Sopranistin Theodora Raftis aus Zypern. Auch sie überzeugt mit beweglichen Koloraturen und großartigen Läufen in der Arie der Laodice aus Händels Siroe. Im zweiten Teil legt sie ein sehr kurzes Stück aus Melanis L'empio punito mit derart großem Spielwitz an, dass sie sich damit als Ipomene für die Aufführung der Oper im nächsten Jahr durchaus empfehlen dürfte. Der zweite Preis geht an die 22-jährige Sopranistin Dioklea Hoxha aus dem Kosovo. Auch sie begeistert mit einem strahlend leuchtenden Sopran, einmal als Asteria aus Händels Oper Tamerlano, dann mit einer Arie der Atamira aus der Oper L'empio punito, die an diesem Abend zweimal zu hören ist, was einen direkten Vergleich mit der Sopranistin Inna Husieva aus der Ukraine ermöglicht, die ebenfalls über einen kräftigen Sopran verfügt, die Arie aber wesentlich härter anlegt.

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Siegerin Grace Durham präsentiert noch einmal die Arie der Cleofide aus Johann Adolph Hasses gleichnamiger Oper. (© DieFotografen)

Jury-Siegerin wird die Mezzosopranistin Grace Durham aus Großbritannien, die auch das letzte Stück vor der zweiten Pause und der anschließenden Preisverleihung vorträgt. Die Wahl ist bei ihr nicht auf Händel sondern auf Johann Adolph Hasses Cleofide gefallen. Aus dieser Oper präsentiert sie die Arie der Titelfigur, "Son qual misera colomba", der sie zunächst ein recht langes Rezitativ vorausgehen lässt, bevor sie die große Flexibilität ihres warm strömenden Mezzosoprans in halsbrecherischen Läufen unter Beweis stellt. Dabei baut sie Verzierungen und Variationen ein, die vermuten lassen, dass dieser Sängerin noch eine große Karriere bevorstehen dürfte. Als Siegerin darf sie ihre Arie nach der Preisverleihung noch einmal vortragen, verzichtet dabei allerdings auf das einleitende Rezitativ. Großes Lob verdient auch das Cesti-Orchester unter der Leitung von Mariangiola Martello für den differenziert barocken Klang in der Begleitung. Hervorzuheben ist auch das großartige Oboen-Solo von Roberto De Franceschi, das in der Arie der Melissa aus Händels Amadigi di Gaula, "Ah, spietato!" direkt zweimal zu hören ist. So vergehen die vier Stunden wie im Flug, und das Publikum bedankt sich mit großem Beifall.

FAZIT

Bei den hochkarätigen Finalistinnen und Finalisten kann man hoffen, dass die jungen Künstlerinnen und Künstler allesamt ihren Weg machen werden.

Weitere Rezensionen zu den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2019

Programm des Konzertes

Georg Friedrich Händel: Rodrigo: Passacaille aus der Ouvertüre

Georg Friedrich Händel: Giulio Cesare in Egitto: Achilla "Tu sei il cor" (Yannick Debus)

Georg Friedrich Händel: Amadigi di Gaula: Melissa "Ah, spietato!" (Inna Husieva)

Alessandro Melani: L'empio punito: Ipomene "Troppo tardi" (Orsolya Nyakas)

Georg Friedrich Händel: Agrippina: Claudio "Pur ritorno a rimirarvi" (Andrew Munn)

Alessandro Melani: L'empio punito. Cloridoro "Uccidetemi sospiri" (Nataliia Kukhar)

Georg Friedrich Händel: Tamerlano: Asteria "Se non mi vuol amar" (Dioklea Hoxha)

Alessandro Melani: L'empio punito: Atamira "Piangete occhi" (Miriam Kutrowatz)

Georg Friedrich Händel: Siroe: Laodice "Torrente cresciuto" (Theodora Raftis)

Alessandro Melani: L'empio punito: Acrimante "Se d'amor la cruda sfinge" (Grace Durham)

Antonio Vivaldi: Ottone in villa: Caio "Gelosia, tu già rendi l'alma mia" (Maayan Licht)

Alessandro Melani: L'empio punito: Atrace "Fu troppo acuto dardo" (Andrew Munn)

Georg Friedrich Händel: Amadigi di Gaula: Melissa "Ah, spietato!" (Orsolya Nyakas)

Alessandro Melani: L'empio punito: Atamira "Vaghe frondi, amiche piante" (Inna Husieva)

Georg Friedrich Händel: Siroe: Cosroe "Gelido in ogni vena" (Yannick Debus)

Alessandro Melani: L'empio punito: Atamira "Vaghe frondi, amiche piante" (Dioklea Hoxha)

Georg Friedrich Händel: Admeto: Alceste "Gelosia, spietata aletto" (Nataliia Kukhar)

Alessandro Melani: L'empio punito: Ipomene "A tale affetto attendo" (Theodora Raftis)

Georg Friedrich Händel: Siroe: Laodice "Torrente cresciuto" (Miriam Kutrowatz)

Alessandro Melani: L'empio punito: Atamira "Piangete occhi" (Maayan Licht)

Johann Adolph Hasse: Cleofide: Cleofide "Son qual misera colomba" (Grace Durham)





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Ausführende

Mariangiola Martello, Musikalische Leitung
und Cembalo

Cesti-Orchester

Eva-Maria Sens, Moderation


Finalistinnen und Finalisten

Yannick Debus, Bariton
Grace Durham, Mezzosopran
Dioklea Hoxha, Sopran
Inna Husieva, Sopran
Nataliia Kukhar, Mezzosopran
Miriam Kutrowatz, Sopran
Maayan Licht, Sopran
Andrew Munn, Bass
Orsolya Nyakas, Sopran
Theodora Raftis, Sopran

 


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