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Klavierfestival Ruhr 2021

ARCADEON Haus der Wissenschaft und Weiterbildung, Hagen,
13. September 2021


Fabian Müller
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Klavierfestival Ruhr

Nachtschwarze Gewaltattacken

Von Stefan Schmöe / Fotos: Peter Wieler

Wolfgang Rihms Klavierstück Nr.5 (Tombeau) beginnt im vierfachen Fortissimo, ein brutaler Schlag auf dem Ton C in vier Oktaven, solange verklingend wie möglich. Extreme Lautstärkenunterschiede prägen das etwa 10minütige Werk aus dem Jahr 1975, immer wieder gibt es in der auf eine kurzen Einleitung senza tempo folgenden Ciacona scharfe Attacken. Erst der Schlussteil Quasi corale bringt Beruhigung - im Sinne von Trauer und Resignation. Wobei auch da am Ende sieben Unisono-C wie Peitschenhiebe in die Stille fallen. Fabian Müller, 31 Jahre jung und eine der Stützen des Education-Programms des Klavierfestivals, spielt das Werk zerklüftet und fragmentiert in einzelne Klangereignisse, sucht mehr das Zerstörende als das durch die Form Verbindende, isoliert die Lagenwechsel. Eine konsequent moderne Interpretation, die nichts beschönigt.

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Foto: Peter Wieler / Klavier-Festival Ruhr

Vom vierfachen ffff-C wechselt Müller ohne Pause in das c-Moll, mit dem Beethovens Appassionata beginnt. Und da geht er ähnlich radikal vor, hebt die plötzlichen ff-Ausbrüche hervor, nimmt die Pausen als Brüche und Leerstellen und spitzt die Musik zu, wo es nur geht. Die Parallelen zu Rihm sind natürlich unüberhörbar, Rihms Klavierstück wirkt in mancher Hinsicht wie eine extreme Verdichtung der Beethoven-Sonate. In der Presto-Coda des Finalsatzes wüten endgültig Wahnsinn und Zerstörung. Was an Konventionen nicht schon längst aufgegeben wurde, hier wird es endgültig zertrümmert. Der Beethoven, den Müller hier spielt, hat sich radikalisiert, hat mit Schönheit nichts mehr im Sinn. Dementsprechend ist die Interpretation ein Gewaltakt. Rihm und Beethoven spielen sich über 170 Jahre Distanz die Bälle - oder soll man besser sagen: die Maschinengewehrsalven - zu. Konsequent jedenfalls ist diese Interpretation.

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Foto: Peter Wieler / Klavier-Festival Ruhr

Franz Schubert komponierte seine Klavierstücke D946 rund 20 Jahre nach der Appassionata, und im Kontrast zu Beethoven klingen sie - bei allen Abgründen, die sich auch da auftun - mit ihrer melodienseligen Melancholie wie ein verzweifeltes Festhalten an dem Schönen, was da hinweggefegt wurde. Wobei Müller das erste Stück in es-Moll deutlich weniger fiebrig spielt als beim gleichen Festival einige Wochen zuvor Igor Levit. Insgesamt ist Müllers Schubert unaufgeregt, ein wenig brav, bleibt an der Oberfläche. Allerdings hat der Pianist hier, wo die Musik stärker ihre klanglichen Reize entwickeln darf, auch die größten Probleme mit der miserablen Akustik des Raumes. Das schicke Kongresshotel ARCADEON Haus der Wissenschaften und Weiterbildung am Rande Hagens hat 2017 eine Auszeichnung für den "coolsten Tagungsraum" erhalten. Aber einen ordentlichen Konzertsaal hat man nicht - im schmucklosen Ambiente klingt der Steinway dumpf und jeglicher Brillanz beraubt. Schubert verpufft. Bei Rihm und Beethoven bleibt immerhin viel Donner.




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Klavier-Festival Ruhr 2021

ARCADEON
Haus der Wissenschaft und Weiterbildung,
Hagen
13. September 2021


Ausführende

Fabian Müller, Klavier




Programm

Franz Schubert
Drei Klavierstücke D 946

Wolfgang Rihm
Klavierstück Nr. 5 "Tombeau"

Ludwig van Beethoven
Sonate Nr. 23 f-Moll op.57 "Appassionata"



Zugaben:

Johannes Brahms:
Wiegenlied op.49/4


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