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Neujahrskonzert des RIAS Kammerchors

Die Jahreszeiten

Oratorium in vier Teilen von Joseph Haydn, Hob. XXI: 3
Text nach J. Thomsons gleichnamiger Dichtung von Gottfried van Swieten


1. Januar 2014 in der Philharmonie Berlin



Rias Kammerchor
 (Homepage)
Musikalisches Biosiegel

Von Christoph Wurzel

Ach, wäre die Natur doch (noch) so intakt und rein, wie sie in diesem Oratorium geschildert wird, wo die Lämmer munter springen, die Vögel fröhlich flattern, die Bienen fleißig summen und die Frösche lustig quaken! Joseph Haydn hat auf den Text des Hobbydichters Gottfried van Swieten wahrlich eine Musik schönster Naturimpressionen geschrieben, ein musikalisches Biosiegel gleichsam für das Leben auf dem Lande im Verlauf der vier Jahreszeiten. Man kann bezweifeln, ob der Mensch um 1800 die Welt so erlebte, wie sie in den Jahreszeiten als natürliche Wirklichkeit geschildert wird. Dies mag auch damals schon mehr Wunsch als Wirklichkeit gewesen sein (mit Sicherheit jedenfalls, was die sozialen Schilderungen betrifft) – so mag der heutige Konzertbesucher den Text mit einer Mischung aus distanziertem Schmunzeln und hoffender Sehnsucht hören, uneingeschränkt Freude aber wird er am Reichtum der  Klangmalerei Joseph Haydns haben, die mitunter so einfach erscheint und doch so ungemein kunstvoll gemacht ist, aber immer ungekünstelt.

In diesem Neujahrskonzert rückte Hans-Christoph Rademann Haydns Musik stilistisch genau an die richtige Stelle: herkommend von der barocken Tradition mit ihren musikalischen Topoi der Naturlaute zwischen Sonnenaufgang und Abenddämmerung, vom Ausdruck der Freude einfacher Menschen bis zum trompetenglänzenden Lobe Gottes – aber auch vorausweisend auf große Tableaus romantischer Tonkunst wie in den Szenen der herbstlichen Jagd oder der Schilderung einer starren Winterlandschaft, fast schon von der Bildgewalt eines Caspar David Friedrich. Rademann ebnete diese stilistischen Schichten nicht ein, sondern setzte sie in diesem Konzert geschickt zu einem Ganzen zusammen, fand zu jedem der Bilder exakt die passende musikalische Farbe, für welche die Akademie für Alte Musik mit ihrem historischen Instrumentarium eindrucksvoll sorgte. Weiche Streicherlegati riefen den „holden Lenz“ herbei, sanft malten Oboen und Flöten die pastoralen Szenen des Sommers, kräftige Hörnerstöße begleiteten die Jagden nach Fasan und Hirsch und vor dem inneren Auge erstand die Starre der winterlichen Landschaft in rauen Dissonanzen und fahlem Klang der Saiten. Deutlich akzentuiert  trat das Hammerklavier hervor und das Tambourin verlieh dem Tanz auf dem Dorfanger eine ganz eigene Note. In der dazu gehörenden Schlussfuge (und nicht nur dort) zeigte der RIAS Kammerchor virtuos all sein Können, jede Note saß genau und präziser hätte kein Chor den wilden Reigen dieser besoffenen Bauern klanglich gestalten können.

Auch das Solistenterzett reihte sich in die bukolische Szenerie glänzend ein. Solide und handfest erschien der Bauer Simon in der Gestaltung durch den Bariton Daniel Schmutzhard. Daniel Behle gab mit lyrischem Tenor der Figur des jungen Lucas innig Ausdruck, anfangs mit Vorsicht, da er als indisponiert gemeldet war, sang er sich zunehmend frei und seine Stimme entfaltete einen schönen Glanz. Zwischen keck, schwärmerisch und ergriffen ließ Robin Johannsen mit hell leuchtendem Sopran das Bauernmädchen Hanne in all seinen Facetten lebendig werden.

FAZIT

Ein beglückendes Konzerterlebnis zum Anfang des Jahres, bei dem in gleicher Intensität Solisten, Orchester und der hauptveranstaltende Chor kongenial Haydns Meisterwerk in faszinierende Klšnge verwandelte


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Ausführende

Robin Johannsen (Hanne)

Daniel Behle (Lucas)

Daniel Schmutzhard (Simon)

RIAS Kammerchor (Einstudierung: Michael Gläser)

Akademie für Alte Musik Berlin

Leitung: Hans-Christoph Rademann


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Rias Kammerchor
(Homepage)



Da capo al Fine

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