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Die Entführung aus dem Serail

Deutsches Singspiel in drei Aufzügen
Libretto von Johann Gottlieb Stephanie dem Jüngeren nach Christoph Friedrich Bretzners Operette 
Belmont und Constanze oder Die Entführung aus dem Serail
(1781)
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Dauer: 3 ¼ Stunden – zwei Pausen

Konzertante Aufführung am 24.Juli 2014
(Weitere Aufführungen am 21. und 27. Juli 2014)

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Festspielhaus Baden-Baden
(Homepage)

"Entführung" erfolgreich

Von Christoph Wurzel / Foto: manolopress

Diana Damrau, Rolando Villazón, Anna Prohaska, Franz Josef Selig, Thomas Quasthoff – in Baden-Baden punktet man gern mit großen Namen. In der Tat,  um solch ein Ensemble auf einer Bühne versammelt zu erleben, müsste man wahrscheinlich weit reisen, in eine der Opernhauptstädte der Welt. Dass dazu nun auch zum Abschluss der Saison in der badischen Provinz Gelegenheit war, ist der Tatsache zu verdanken, dass die Deutsche Grammophon die Aufnahmen für ihre CD-Serie mit den späten Mozartopern ins akustisch exzellente  Festspielhaus nach Baden-Baden verlegt. Nach Don Giovanni und Cosi fan tutte in den vergangenen Jahren (beide sind bereits auf dem Markt) war in diesem Jahr Die Entführung aus dem Serail an der Reihe. Für den nächsten Sommer ist Le Nozze di Figaro geplant. Im Haus firmieren die konzertanten Aufnahmesitzungen als Galas, so werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Die Sängerauswahl war bisher geschickt. In den drei bisherigen Aufführungen wechselten die Solisten je nach den besonderen Anforderungen der Rollen und die Besetzungen waren größtenteils gelungen. Eine feste Größe ist stets der Dirigent, der quirlige Yannick Nézet-Séguin, und das Chamber Orchestra of Europe, das zuverlässig für historisch informierten Klang sorgt sowie das Rastatter Vokalensemble mit seinem homogen kernigen Sound.  Stets dabei war bisher auch Rolando Villazón in den großen Tenorpartien. Doch gerade diese Entscheidung hat sich auch jetzt wieder bei der Entführung nicht als die glücklichste erwiesen. Villazón hat sich in Baden-Baden schon oft vorgestellt, als sensibler Belcantosänger und auch als geistreicher Regisseur (L’Esir d’Amore), in der Rolle des Belmonte konnte er aber nur bedingt überzeugen. In seinen Arien (neben den drei üblichen ist ihm hier noch die meist gestrichene Arie „Ich baue ganz auf deine Stärke“ zu Beginn des 3. Aktes gegönnt) vermisste man den großen Bogen, das elegante Legato, das bei Mozart so leicht wirkt, aber eben doch schwer zu machen ist. Wenngleich er mit Farbwechseln nicht sparte, so klang Villazóns Stimme in der Höhe doch etwas angestrengt. Ungebrochen aber war seine sympathische Ausstrahlung in den Dialogen, wo er gezielt mit spanischem Zungenschlag spielte.

Bild zum Vergrößern

Franz-Josef Selig, Paul Schweinester, Anna Prohaska, Rolando Villazón, Diana Damrau und Thomas Quasthoff (v.l.) mit dem Chamber Orchestra of Europe, dem Rastatter Vokalensemble unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin

Mit Diana Damrau stand ihm eine Konstanze zur Seite, wie sie gegenwärtig nur schwer nochmals zu finden sein wird. Über ihre wie naturgegeben wirkende technische Souveränität hinaus gelang es ihr, die emotionalen Facetten dieser Rolle beeindruckend auszugestalten. In der Martenarie bot sie kraftvolle Dramatik, das Wechselbad der Gefühle in der ersten Arie „Ach ich liebte, war so glücklich“ stellte sie packend aus, im einleitenden Adagio die innere Unruhe durch leichte Rückungen des Tempos, dann in den Koloraturen durch ruhelose Dramatik, bis die Stimmfärbung auf dem Wort  „Kummer“ den Schmerz schier fühlbar werden ließ. Durch Damraus einfühlsame Gestaltung wurde aber das g-Moll-Lamento „Traurigkeit ward mir zum Lose“ im 2. Akt zum absoluten Höhepunkt der ganzen Aufführung - Ausdrucksgesang auf allerhöchstem Niveau.

Dass diese Geschichte einer Befreiungsaktion aus dem Morgenland nicht nur ernste Seiten hat, sondern auch handfest komische, dafür sind ja die drei übrigen Protagonisten zuständig. Hier war mit kernigem Bass Franz-Josef Selig als Osmin eine Glanzbesetzung. Weniger als polternder Unhold legte er seine Rolle an, sondern würzte sie mit einem Quäntchen (Selbst-)Ironie. Durchaus auf Augenhöhe parierte als Pedrillo Paul Schweinester im Bachus-Duett. Der junge Sänger fügte sich überhaupt mit agil geführter Stimme angenehm in das Ensemble ein. Eine selbstbewusste und couragierte Blonde, stellte dabei mit erfrischend komödiantischem Einschlag Anna Prohaska dar. Auch sie bot dem rückständigen Frauenbild des türkischen Haremswächters stimmlich kräftig Paroli. Und trotz des überwiegend etwas hölzernen Textes waren wenigstens die Dialoge, an denen sie beteiligt war, mit Humor gewürzt. Thomas Quasthoff war bereits von vornherein ein recht milder Bassa, dem man die anfänglichen Androhungen barbarischer Folter nicht so recht abnehmen wollte. Dass gerade auch diese Figur innerhalb des Dramas gewaltige innere Widerstände zu überwinden hat, bis sie in einer vollkommenen Kehrtwendung das glückliche Ende herbeiführen kann, ist möglicherweise nur als Sprechrolle und dazu in einer nichtszenischen Aufführung doppelt schwer zu vermitteln.

Die Friedens-Brücke zwischen Okzident und Orient, die hier in Mozarts Singspiel so eindrucksvoll geschlagen wird, kam in dieser Aufführung auch in besonderer Weise klingend zum Tragen. In all seiner Pracht wurde das orientalische Kolorit in Mozarts Musik vom Orchester mit exotischem Schlagwerk, Triangel, Trommel und Piccoloflöte besonders ausgekostet, ein sonst nicht gebräuchlicher Janitscharenmarsch im 1. Akt zusätzlich eingefügt. Nézet-Séguin dirigierte mit temperamentvoller Zeichengebung. Auch die feinsten Nuancen in Phrasierung und Dynamik modellierte er heraus und das Orchester setzte dies in eloquente Klangrede um. Das Klangbild war transparent und plastisch. Einen besonderen Effekt erzielte die Gruppe der obligaten Begleitinstrumente, die sich zur Marternarie um die Konzertmeisterin gesondert gruppiert hatte. Gerade auch die enorme instrumentale Farbigkeit war einer der großen Pluspunkte dieser Aufführung und trug zu ihrem großen Erfolg wesentlich bei.

Fazit

Verdienter Jubel für alle Beteiligten und ein Hoch auf das bisweilen etwas unterschätze Singspiel aus Mozarts Feder


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Yannick Nézet-Séguin

Vokalensemble Rastatt

Chorleitung
Holger Speck

Chamber Orchestra of Europe



Solisten

 

Konstanze, Geliebte Belmontes
Diana Damrau

Belmonte
Rolando Villazón

Bassa Selim (Sprechrolle)
Thomas Quasthoff

Blonde, Mädchen der Konstanze
Anna Prohaska

Pedrillo, Bedienter Belmontes
Paul Schweinester

Osmin, Aufseher über
das Landhaus des Bassa

Franz-Josef Selig

 

 

 

 

 


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Festspielhaus Baden-Baden
www.festspielhaus.de/



Da capo al Fine

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