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Zeitinsel Antonio Caldara
Concerto di arie

Ausgewählte Arien von Antonio Caldara

Aufführungsdauer: 2h 5' (eine Pause)

Donnerstag, 16. Januar 2014, 20.00 Uhr
Kleiner Saal im Konzerthaus Dortmund

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Konzerthaus Dortmund (Homepage)
Vergessene Arien eines vergessenen Komponisten

Von Thomas Molke / Fotos von Pascal Amos Rest

Unter dem Titel "Zeitinsel" widmet sich das Konzerthaus Dortmund mehrmals in einer Spielzeit einem bestimmten Thema, Komponisten oder auch Interpreten und strebt damit eine intensivere Auseinandersetzung an, als es mit einem einzigen Konzertabend möglich wäre. In dieser Spielzeit ist die Wahl der ersten "Zeitinsel" auf einen venezianischen Barockkomponisten gefallen, der mit über 90 Opern und Oratorien, zahlreichen Kantaten und Sinfonien dem Wiener Hof zu einer ungeheuren kulturellen Blüte verhalf und auf musikalischem Gebiet für nahezu zwanzig Jahre tonangebend war, selbst als er dort noch als Vize-Kapellmeister neben Johann Joseph Fux fungierte. Die Rede ist von Antonio Caldara, der nach einigen Erfolgen in Italien ab 1716 das Wiener Musikleben bestimmte. An drei Tagen widmet sich Andrea Marcon mit dem La Cetra Barockorchester Basel nun im Konzerthaus diesem größtenteils zu Unrecht vernachlässigten Komponisten. Für den ersten Abend hat Marcon aus der Vielzahl von Caldaras Opern und Oratorien einen Arienabend zusammengestellt, den er selbst dem Publikum im Kleinen Saal gegenüber als "den musikalisch schönsten Teil" dieser drei Abende anpreist, die man im Rahmen dieser "Zeitinsel" hören werde.

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Carlos Mena (vorne rechts) mit Andrea Marcon (Mitte) und La Cetra Barockorchester Basel (im Hintergrund: La Cetra Vokalensemble Basel)

Dabei konzentriert er sich größtenteils auf die Wiener Schaffensperiode mit einer einzigen Ausnahme. Il nome più glorioso wurde bereits 1709 in Barcelona zur Ehrung des Namenstags des spanischen Königs Karl III. uraufgeführt. Aufgrund der Erkrankung der ursprünglich für das Konzert vorgesehenen Sopranistin Anna Prohaska musste die Arie des Amore "Se vedrai avvampar le luciolette", die als eine der wenigen Arien des Abends bereits auf CD eingespielt worden ist (Aufnahme von Simone Kermes), entfallen, so dass nur der Teil vor der Pause mit der einleitenden Sinfonia und der Arie des Proteo "Se mai rimbomba" aus diesem Werk eingerahmt wurde. Einen besonderen Part übernehmen in diesen Auszügen die Trompeten, die bei der Sinfonia noch ein bisschen unsauber klingen, im Zusammenspiel mit Luca Tittoto bei der Arie des Proteo allerdings zu einer betörenden Harmonie finden. In Tittotos beweglichen und sanft anschwellenden Koloraturen wird regelrecht spürbar, wie sich der Meeresgott Proteo aus dem ruhigen Meer erheben und zu einer großen Gefahr für die Seefahrer werden kann.

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Julia Lezhneva mit Andrea Marcon und La Cetra Barockorchester Basel

Einen Großteil des Abends nehmen Auszüge aus dem Oratorium Joaz ein, das ebenfalls über ein breites musikalisches Spektrum verfügt. Während bei den Arien der Josabet und der Athalia  jeweils ein Solo-Instrument hervorsticht - bei der ersten ist es eine kleine Holzflöte, bei der zweiten eine Violine -, sind es bei der Arie des Mathan die kompletten Streicher, die mit dramatischem Verve den drohenden Zorn des Baal heraufbeschwören, der gemäß seinem Priester alle vernichten werde, die nicht bereit seien, ihm zu dienen und dem jüdischen Gott abzuschwören. Gelingen diese drei Arien durch die akzentuierte musikalische Umsetzung des Orchesters unter der Leitung von Andrea Marcon und einer großartigen Interpretation der drei Solisten schon sehr eindrucksvoll, erreicht der Abend seinen Höhepunkt bei der Arie des Geremia aus dem Oratorium Sedecia über den letzten König des Reiches Juda, Zedekia. Der Countertenor Carlos Mena wird bei seiner Arie "Ahi! Come quella un tempo", wenn er als Prophet Jeremia das zerstörte Jerusalem beschreibt, von einem Hackbrett als Solo-Instrument begleitet, das den Gang durch die zerstörte Stadt mit regelrecht sphärischen Klängen untermalt.

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Schlussapplaus: von links: Mitglieder von La Cetra Barockorchester Basel, Carlos Mena, Andrea Marcon, Julia Lezhneva und Luca Tittoto (im Hintergrund: La Cetra Vokalensemble Basel)

Neben dem versiert aufspielenden La Cetra Barockorchester Basel und dem La Cetra Vokalensemble Basel, das an diesem Abend sein Können nur durch das Hohelied auf den alttestamentarischen Gott "Re che in terra" aus dem Oratorium Joaz am Ende des Abends unter Beweis stellen darf, haben sich für diesen Arienabend auch drei hervorragende Solisten zusammengefunden, die ihren Teil dazu beitragen, der Schönheit dieser verborgenen Barockschätze zu neuem Glanz zu verhelfen. Carlos Mena verfügt über einen warmen Countertenor, der eine große Spannbreite besitzt und mit beweglichen Koloraturen sowohl in den Höhen als auch in der Mittellage überzeugen kann. Großartig gelingt seine Auftrittsarie "Sotto un faggio o lungo rio" aus der Oper Euristeo, in der er mit beinahe baritonaler Tiefe begleitet von drei Holzblasinstrumenten den pastoralen Klang einer Schäfer-Idylle einfängt. Luca Tittoto begeistert ebenfalls durch einen variablen Bass, der die zahlreichen Verzierungen und Koloraturen spielerisch meistert. Erwähnenswert ist seine Arie "Buon pescatore non è" aus der Oper Dafne, eine Fischer-Metapher, in der er sich zwischen den Holzbläsern positioniert und dadurch seine Stimme mit den Holzbläsern eine Einheit bildet.

Für die erkrankte Anna Prohaska ist relativ kurzfristig die junge Sopranistin Julia Lezhneva eingesprungen, die einen Tag vorher noch mit Philippe Jaroussky in der Philharmonie Essen in Pergolesis Stabat mater zu erleben war. Mit leuchtendem Sopran und großartigen Koloraturen präsentiert sie die bereits oben erwähnte Arie der Josabet "Dio, che mentir non puoi" aus Joaz und die Arie des Asaf "Tanto, e con sì gran piena" aus der fünfaktigen Oper Gianguir, die auch außerhalb des Wiener Hofes große Erfolge feiern konnte. Damit sie nicht nur für zwei Arien "extra angereist" sei, überließ man ihr auch die beiden Zugaben des Abends. Dabei griff man aber nicht auf Caldara, sondern auf Händel zurück. Zuerst brillierte Lezhneva in der mit Koloraturen gespickten Arie "Brilla nell' alma" aus Händels Alessandro, bevor sie dann den Abend mit dem "Klassiker" "Lascia la spina" der Piacere aus dem Oratorium Il trionfo del tempo e del disinganno beendete, das später als "Lascia ch'io pianga" in Rinaldo zu einer der beliebtesten Arien avancieren sollte.

FAZIT

Nach diesen Arienhappen möchte man gerne mehr von diesem vergessenen Barock-Komponisten hören.


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Ausführende

Julia Lezhneva, Sopran

Carlos Mena, Countertenor

Luca Tittoto, Bass

Le Cetra Vokalensemble Basel

La Cetra Barockorchester Basel

Andrea Marcon, Dirigent

 

Werke

Antonio Caldara
Sinfonia aus Il nome più glorioso

"Sotto un faggio o lungo rio"
Arie der Erginda aus Euristeo

"Da la faccia de la terra"
Arie des Mathan aus Joaz

("A te basti, o degno amante"
Arie der Velia aus I due dittatori)

"Tutto fa nocchiero esperto"
Arie des Teucro aus Ifigenia in Aulide

"Dio, che mentir non puoi"
Arie der Josabet aus Joaz

"Se mai rimbomba"
Arie des Proteo aus Il nome più glorioso

"Tanto, e con sì gran piena"
Arie des Asaf aus Gianguir

"Men si tema il velen d'angue premuto"
Arie der Athalia aus Joaz

"Buon pescatore non è"
Arie des Peneo aus Dafne

"Ahi! Come quella un tempo"
Arie des Geremia aus Sedecia

("Se vedrai avvampar le lucciolette"
Arie des Amore aus Il nome più glorioso)

"Re che in terra"
Chor aus Joaz



Weitere Informationen
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Konzerthaus Dortmund
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