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Zeitinsel Antonio Caldara
Concerto da camera

Sinfonien und Konzerte von Antonio Caldara und Antonio Vivaldi

Aufführungsdauer: 2h (eine Pause)

Freitag, 17. Januar 2014, 20.00 Uhr
Großer Saal im Konzerthaus Dortmund

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Konzerthaus Dortmund (Homepage)
Klassiker trifft auf Wiederentdeckung

Von Thomas Molke / Fotos folgen

Das Leben und die Karriere der beiden Barockkomponisten Antonio Caldara und Antonio Vivaldi weisen mehr Parallelen auf, als man auf den ersten Blick mit Bezug auf den Bekanntheitsgrad vermutet. Beide wurden in Venedig geboren, starben in Wien und hinterließen ein umfangreiches musikalisches Œuvre, das allein über 90 Opern und Oratorien umfasst. Bei beiden führte der Weg aufgrund gleicher Auftraggeber von Venedig über Mantua nach Wien, doch während Caldara am Wiener Hof nahezu 20 Jahre lang als Vize-Kapellmeister - später auch Kapellmeister - auf musikalischem Gebiet tonangebend war und er nach seinem Tod mit großem Pomp zu Grabe getragen wurde, starb Vivaldi in absoluter Armut und wurde nur in einem Massengrab beigesetzt. Als er nämlich versuchte, nach Caldaras Tod in Wien Fuß zu fassen, starb Kaiser Karl VI., und die Nachfolgerin Maria Theresia protegierte die Oper nicht so sehr wie ihr Vater.

Dennoch war es Vivaldi, der 1711 mit seinen unter dem Titel L'Estro armonico ("Die harmonische Eingebung") zusammengefassten 12 Konzerten nicht nur Caldara, sondern die ganze europäische Musikgeschichte prägen sollte. Hier räumte er dem Concerto solo, bei dem jeweils ein Soloinstrument - in der Regel eine Violine - brilliert, erstmals neben dem Concerto grosso, bei dem mehrere Instrumente solistisch eingesetzt werden, eine größere Bedeutung ein. Auch Caldara folgte diesem Schema, wobei er sich allerdings als Cellist eher dem Violoncello als Soloinstrument widmete. Folglich hat Marcon aus Caldaras Schaffen unter anderem ein Cellokonzert und eine Cellosonate ausgewählt, die dem von Vivaldi geprägten Schema folgen und in Caldaras Zeit am Wiener Hof entstanden. Demgegenüber stellt Marcon aber keineswegs vergleichbare Werke von Vivaldi, die eine parallele Struktur aufweisen, sondern mit den vier Jahreszeiten die wohl vier berühmtesten Konzerte. Ob diese als "Zugpferd" für die doch eher unbekannten Vertonungen Caldaras fungieren sollen, kann nur gemutmaßt werden.

Der Teil vor der Pause ist Antonio Caldara gewidmet. Da Caldara eigentlich kein Instrumentalmusiker war, sondern sich eher mit der Oper und dem Oratorium beschäftigte, beginnt Marcon mit zwei Sinfonien, die als Ouvertüren zu Caldaras dramatischen Werken fungierten. Das 1718 in Salzburg für die Fastenzeit uraufgeführte Oratorium Il martirio di San Terenziano beschreibt das Wirken des Heiligen Terentius von Faenza, der sich als Einsiedler in einen Wald zurückgezogen und von dort aus den Menschen große Wohltaten erwiesen haben soll. Bemerkenswert akzentuiert Marcon mit dem La Cetra Barockorchester Basel hier den Staccato-Beginn, der über ein kurzes, leicht hektisches Allegro in ein sanftes ruhig dahinfließendes Adagio übergeht. Der leicht heitere Schluss mag andeuten, dass Terentius von Faenza nach kurzem inneren Kampf seinen Frieden gefunden hat. Wesentlich trauriger beginnt die zweite Sinfonia aus Caldaras Spätwerk La morte d'Abel figura di quella del nostro redentore, bei der man im langsamen Klagen der Violinen zu Beginn schon die Trauer über Abels Tod herauszuhören scheint. Ansonsten folgt die zweite Sinfonia in ihrem dreiteiligen Aufbau dem vorangegangenen Stück.

Die beiden folgenden Werke sind dem Violoncello als Soloinstrument gewidmet. Caldara hatte von dem fränkischen Grafen Rudolf Franz Erwein von Schönborn, der selbst ebenfalls begeisterter Cello-Spieler war, den Auftrag erhalten, gleich 18 Stücke für Cello zu komponieren. Caldara lieferte ihm 17 Sonaten und ein Konzert. Marcon hat für den Abend die Sonate Nr. 14 a-moll und das Konzert ausgewählt, die von dem renommierten Cellisten Nicolas Altstaedt interpretiert werden. Den Anfang macht die Sonate in vier Sätzen. Bemerkenswert ist, wie sich hierbei das Solo-Violoncello gegen den Basso continuo, der von Johannes Pešek ebenfalls am Violoncello begleitet wird, emanzipiert. In dem folgenden Concerto da camera, das mit der venezianischen Concerto-Tradition, dem römischen Hochbarock und dem höfischen Stil unterschiedliche Einflüsse vereint, tritt das Violoncello zudem auch noch in einen Dialog mit zwei Violinen. Auffallend sind bei diesem Werk die fließend ineinander übergehenden Sätze. Den Abschluss vor der Pause macht dann eine Sinfonia concertata, bei der Katharina Heutjer und Éva Borhi erneut als Solo-Violinistinnen glänzen können.

Nach der Pause folgt dann mit Vivaldis vier Konzerten Le quattro stagioni ein "Klassiker" der Konzertliteratur. Für die Solo-Violine konnte Giuliano Carmignola gewonnen worden, der sich nicht nur als virtuoser Künstler auf seinem Instrument präsentiert, sondern auch eine überbordende Bühnenpräsenz besitz. So wird für den Betrachter manchmal nicht ganz klar, wer denn jetzt eigentlich die musikalische Leitung übernommen hat, Carmignola oder Marcon. Häufig dreht sich Carmignola zu seinen Musikerkollegen um und gibt mit seiner Violine die Einsätze. Marcon wirkt dabei am Cembalo eher zurückhaltend. Hervorragend gelingt es Carmignola, gemeinsam mit dem Orchester musikalisch Bilder zu illustrieren, die die Natur der Jahreszeiten auszeichnen, seien es nun das Zwitschern der Vögel im Frühling, der sich langsam aufbauende Sommersturm oder die eisige Stimmung des Winters. So gibt es auch als zweite Zugabe noch einmal das "Presto" aus L'estate, bevor die Musiker unter großem Applaus schließlich die Bühne verlassen.

FAZIT

Ob man dem Bestreben, Caldaras Instrumentalwerk mehr ins Bewusstsein zu rücken, gerecht wird, wenn man ihm die absolut eingängigen vier Jahreszeiten von Vivaldi gegenüberstellt, ist fraglich. Hier stiehlt der "Klassiker" dem eigentlichen Komponisten der "Zeitinsel" ein wenig die Schau.


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Ausführende

La Cetra Barockorchester Basel

Andrea Marcon, Dirigent

Katharina Heutjer, Violine (Caldara)

Éva Borhi, Violine (Caldara)

Giuliano Carmignola, Violine (Vivaldi)

Nicolas Altstaedt, Violoncello

Johannes Pešek, Violoncello (Basso continuo)

 

Werke

Antonio Caldara
Sinfonia aus Il martirio di San Terenziano

Sinfonia aus
La morte d'Abel figura di quella del nostro redentore

Sonate
für Violoncello und Basso continuo Nr. 14 a-moll

Concerto da camera
für Violoncello, zwei Violinen und Basso continuo d-moll

Sinfonia concertata
für zwei Violinen, Streicher und Basso continuo C-Dur

Antonio Vivaldi
Le quattro stagioni (Die vier Jahreszeiten)
Vier Konzerte für Violine, Streicher und Basso continuo
op. 8 Nr. 1 - 4

La primavera
L'estate
L'autunno
L'inverno


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