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Zeitinsel
Dvořák
 

Rusalka
Requiem
Orchesterkonzerte


15. Mai bis 18. Mai im Konzerthaus Dortmund

 

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Konzerthaus Dortmund (Homepage)

Dvořák für die Insel

Von Christoph Wurzel / Fotos: Pascal Amos Rest

Auf eine  „Zeitinsel“ mit Musik einzuladen, ist gute Tradition im Dortmunder Konzerthaus. Musik soll nicht in einzelnen Konzerten nur vorüberziehen, sondern in mehreren Konzerten gleich hintereinander bei ihr verweilen lassen, vielleicht manches auch neu zu entdecken. Dann stehen ein  Komponist, ein Thema oder bestimmte Interpreten im Focus des Interesses. Jüngst waren in Dortmund vier Konzertabende der Musik Antonín Dvořáks gewidmet. Man denkt zuerst eigentlich nicht an Unbekanntes, wenn Dvořáks Musik angekündigt wird, mit Ausnahme vielleicht mancher Kammermusik, die in der Dortmunder Reihe aber leider fehlte, dennoch gab es auch auf dieser Zeitinsel ausgiebig Gelegenheit zu lustvollem Verweilen bei Musik, die plötzlich auch neu zu hören war. Dass Dvořáks Musik in allen vier Konzerten so begeisterte, war vor allem Iván Fischer und dem Budapest Festival Orchestra zu verdanken, die sich der Musik mit höchstem Engagement widmeten. Genaues Lesen der Partitur und Einfühlung in die Ausdruckstiefe der Musik waren ihr Erfolgsrezept. Hinzutraten seine geschliffene Klangkultur und eine technische Souveränität auf höchstem Niveau, die es dem Orchester erlaubten, auch noch die feinsten Nuancen in Dvořáks differenziertem Orchestersatz in farbenreiche Klänge umzusetzen.

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Iván Fischer

Das war in den Slawischen Tänzen zu erleben, deren musikalischer Ausdruck so schön getroffen wurde, sei es leise Melancholie oder ausgelassene Freude. Elektrisierend sprang der rhythmische Funke über und mit eleganter Phrasierung hob Iván Fischer die musikalische Größe dieser kleinen Formen wirkungsvoll hervor. Gleiches gilt von den zwei Legenden, die in den beiden Orchesterkonzerten den Slawischen Tänzen als eher lyrisch beschauliche Miniaturen gegenüber gestellt wurden.

Unter den neun Sinfonien Dvořáks genießen die beiden letzten zweifelsohne die höchste Bekanntheit, aber auch hier ließen sich neue Höreindrücke gewinnen. Vor allem gelang ein Höchstmaß an Transparenz, eine fast kammermusikalische Durchdringung vor allem in den zahlreichen Holzbläserpassagen. Sein klangschönes Spiel bewies das Orchester besonders auch in seinem zauberhaften Pianospiel. Dass es aber auch bei vollstem Fortissimo noch glänzt und klingt, konnte es in den Sinfonien besonders unter Beweis stellen. Hier taten die bestens disponierten Blechbläser das Ihrige. Der Klang der Streicher gewann reiche Nuancen, weil sie nicht nur ein Einheitsvibrato kannten, sondern auch Mut zu pointierter Schärfe zeigten.

Dass Dvořáks Solokonzerte weniger als Bravourstücke solistischer Virtuosität, sondern eher als musikalische Dialoge zwischen Soloinstrument und Orchester komponiert sind, machten beide Solisten eindrucksvoll deutlich. Stephen Hough spielte den Klavierpart mit elegantem Ton und sensibel im Wechselspiel mit dem Orchester. Im Cellokonzert prägte Daniel Müller-Schott mit einem durchgängig ernsten, wehmütigen Grundton den Charakter dieses h-Moll-Konzerts deutlich aus. Aus demselben Geist heraus antwortete das Orchester. Besonders anrührend war hier die musikalische Zwiesprache zwischen Cello und Flöte im 2. Satz. Und das war dann so ein Moment des Verweilens und Versenkens in die Musik, die diese Konzerteindrücke so nachhaltig machte. Dafür sorgte am Ende der Stücke jedes Mal auch Iván Fischers lange erhobene Hand, die der Stille nach der Musik eindrucksvoll Raum gab.

Weniger meditativ angelegt ist Dvořáks Vertonung des Requiem-Textes, kein liturgisches, sondern ausdrücklich ein sinfonisches geistliches Werk. Daher ist es nicht allein ausladend in den Dimensionen, sondern wartet auch mit einer großen Bandbreite expressiver Möglichkeiten bis hin zu eruptiver Klangballung auf. Stets kontrolliert und ausgewogen leitete Iván Fischer aber das Orchester und den machtvollen Philharmonischen Chor aus Brünn, bei dem leider nur die Textverständlichkeit nicht optimal war. Aus dem Solistenquartett ragt die Sopranstimme als vox humana besonders hervor und Juliane Banse sang die ausgedehnte Passage des Graduale mit großer Intensität und expressivem Ton. Harmonisch fügten sich die weiteren Gesangssolisten ein. Darunter auch Jolana Fogašová (Alt), die abends zuvor in der Rusalka-Aufführung schon so erfolgreich mitgewirkt hatte.

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Bei der Rusalka-Aufführung: Pavla Vykopalová (Rusalka) und Peter Mikuláš (Wassermann)

Bereits am ersten Abend wurde Rusalka zum reinen Hörerlebnis und ein erstaunlich intensives dazu. Es gelang Iván Fischer und allen Mitwirkenden nämlich, Geist und Sinn der Handlung allein mit musikalischen Mitteln bestens zu übermitteln, denn die Aufführung kam ohne jede szenische Andeutung aus. Eine äußerst glückliche Hand hatte die Sängerauswahl bewiesen, denn alle Rollen waren überzeugend rollenkonform besetzt. Zuerst Pavla Vykopalová als Rusalka mit natürlich reiner Stimmgebung. Ein Inbegriff lyrischer Schönheit war ihr Lied an den Mond, eindrucksvoll ihre Gestaltung bis hin zum Aufschwung der Sehnsucht am Schluss dieser Arie. Mephistohaft dann die Hexe, die Jolana Fogašová mit großer stimmlicher Präsenz sang. Wandlungsfähig zeigte sie sich dann in der Rolle der Fremden Fürstin, die den Prinzen als Rusalkas Konkurrentin erfolgreich umwirbt. Diesen sang Aleš Briscein mit schwärmerisch aufblühendem Tenor, leicht und mit strahlender Höhe. Als Wassermann war Peter Mikuláš mit sonorer Bassstimme ein abgründiger Warner. Die drei Nymphen waren mit Lucie Silkenová, Alžběta Poláčková und Michaela Kapustová außerordentlich stark besetzt, jede Rheingold-Aufführung hätte mit ihnen als Rheintöchtern enorm punkten können. Und auch Jiří Brückler hinterließ in der kleinen Rolle als Förster nachhaltig Eindruck. Bei der Aufführung der Oper setzten Dirigent und Orchester am ersten Abend bereits durch detailfreudige Artikulation und reiche Klangfarben eindrucksvoll die Maßstäbe für die ganze Konzertreihe.

FAZIT

Aufs Schönste wurde die Idee der Zeitinsel mit dieser Dvořák-Reihe bestätigt. Es war eine gelungene Einladung, in Dvořáks überreiche Klangwelt einzutauchen und darin zu verweilen.


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Die Programme

Budapest Festival Orchestra
Leitung: Iván Fischer


15.05.2014

Antonín Dvořák
Rusalka
Lyrisches Märchen in drei Akten
(konzertante Aufführung)

Aleš Briscein (Prinz)
Pavla Vykopalová (Rusalka)
Jolana Fogašová
 (Hexe Ježibaba / Fremde Fürstin)
Peter Mikuláš (Wassermann)
Lucie Silkenová (Waldgeist)
Alžběta Poláčková (Waldgeist)
Michaela Kapustová (Waldgeist /
Küchenjunge)
Jiří Brückler (Förster)
Tschechischer Philharmonischer Chor
Brünn
Einstudierung: Petr Fiala


16.Mai 2014
Antonín Dvořák
Requiem op. 89

Juliane Banse (Sopran)
Jolana Fogašová (Alt)
Peter Berger (Tenor)
Alejandro Marco-Burmester (Bass)
Tschechischer Philharmonischer Chor
Brünn
Einstudierung: Petr Fiala


17.Mai 2014

Antonín Dvořák
Slawische Tänze op. 72 Nr. 1 und 2
Konzert für Klavier und Orchester
g-Moll op. 33

Legendy op. 59 Nr. 6
Sinfonie Nr. 9 e-Moll
„Aus der Neuen Welt“

Stephen Hough, Klavier


18. Mai 2014

Antonín Dvořák
Slawischer Tanz op. 72 Nr. 6
Konzert für Violoncella und Orchester
h-Moll op. 104

Legendy op. 59 Nr. 10
Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88
Daniel Müller-Schott, Violoncello



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Konzerthaus Dortmund
(Homepage)



Da capo al Fine

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