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Anja Harteros: La bonne chanson


Sonntag, 1. Juni 2014, 17 Uhr
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Makellos war es, aber nicht berührend

Von Thomas Tillmann

Der Liederabend "La bonne chanson" hätte eigentlich der erste von vier Terminen sein sollen, die Anja Harteros als "Artist in Residence" in der Essener Philharmonie bestreiten sollte. Umso erfreulicher, dass sich dieser Ersatztermin für das abgesagte Konzert arrangieren ließ, denn die drei Programmpunkte hört man eher selten im Konzertsaal.

Den ersten Teil des Nachmittags bestritt das superbe Streichquintett allein, das sich aus Mitgliedern der Münchner Philharmonikern zusammensetzt, die sich aus der täglichen Zusammenarbeit und aus diversen Kammermusikensembles kennen, und so wunderte man sich nicht über das großartige Zusammenspiel, die ausgezeichnete Balance, sondern bewunderte sie ebenso wie die individuelle technische wie interpretatorische Meisterschaft von Sreten Krstic, Ana Lebedinsky, Wolfgang Berg, Stephan Haack und Michaela Pühn. Ernst von Dohnányis Klavierquintett Nr. 1 in c-moll ist ein sehr farbiges, leidenschaftlich-sehrendes Werk, das seine Nähe zu Brahms nicht verleugnet. Besonders das wunderbare Adagio bleibt dank seiner großen Expressivität und Süße, die die fünf Musikerinnen und Musiker freilich nie überbetonten, in bester Erinnerung, aber auch die überraschende Fuge im Schlusssatz.

Der Eindruck, den ich schon bei den "Vier letzten Liedern" eine Woche vorher von Anja Harteros und ihrer Kunst hatte, bestätigte und vertiefte sich, nämlich dass die Interpretation über eine gewisse Marke nicht hinausgeht, dass, wie ich über die Strauss-Wiedergabe geschrieben habe, die "letzte Durchdringung des gesungenen Wortes fehlt", "eine noch intensivere Auseinandersetzung mit dem Inhalt, manches bleibt mir zu skizzenhaft, zu vordergründig", trotz vieler durchaus erfüllter, womöglich auch tief empfundener Momente in La bonne chanson, einem Liederzyklus, für den Gabriel Fauré neun Gedichte aus dem gleichnamigen Zyklus des französischen Dichters Paul Verlaine vertont hat, in dem sich das Glück von dessen Liebe zu seiner jungen Verlobten spiegelt (zur Aufführung kam die spätere Fassung, in der der Komponist dem Begleitsatz für Klavier ein Streichquartett hinzugefügt hat, das der erotisch verträumten Atmosphäre zusätzliche Farben verleiht). Oder lag es (diesmal) doch daran, dass die Solistin, die die Noten vor sich hatte, die Lieder nicht bis ins Letzte verinnerlicht hatte, so sehr sie ihr am Herzen liegen mögen (für München, wo die Sopranistin in dieser Saison ebenfalls bei mehreren Konzerten "Im Fokus" steht, war dieses Programm ebenfalls geplant)? Die Fans mögen mich steinigen, aber ich hätte mir manche Phrase noch intimer gestaltet gewünscht, raffinierter, subtiler, erotischer auch. Makellos war natürlich erneut die rein vokale Leistung, betörend das Timbre der Ausnahmestimme, die farbige, reiche Mittellage, die unverkrampfte Tiefe, die herrlichen Schwelltöne, das Ausloten der gesamten dynamischen Palette (wobei ich mir noch ein paar Pianissimi mehr gewünscht hätte, noch zartere, schwebendere Töne), da gab es auch einige durchschlagskräftige, energische Fortetöne, die nachvollziehbar machten, warum es die Künstlerin selber mehr und mehr zu dramatischeren Partien hinzieht. Gerade diese Dramatik blieb mir aber auch in Chaussons "Chanson perpétuelle" ein wenig zu kalkuliert, zu angedeutet nur, das Lied ist nichts weniger als ein wehmütiges Psychogramm einer verlassenen, suizidalen Frau, die man der Harteros bei allem erkennbaren Gestaltungswillen nicht recht abnahm. Nichtsdestotrotz zeigte sich das Publikum, das angesichts des hochkarätigen Programms, der exklusiven Besetzung und des geringen Eintrittspreises ruhig ein wenig zahlreicher hätte erscheinen können, über die Maßen dankbar und erklatschte sich eine Wiederholung des "N'est-ce pas?" aus dem Fauré-Zyklus.




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Ausführende

Anja Harteros, Sopran

Sreten Krstic, Violine
Ana Lebedinsky, Violine
Wolfgang Berg, Viola
Stephan Haack, Violoncello
Michaela Pühn, Klavier



Werke


Ernst von Dohnányi
Klavierquintett Nr. 1 c-Moll, op. 1

Gabriel Fauré
"La bonne chanson"
für Singstimme, Klavier, Streichquartett
und Kontrabass, op. 61

Ernest Chausson
"Chanson perpétuelle"
für Sopran, Streichquartett
und Klavier, op. 37





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