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Operngala Olga Peretyaktko


Sonntag, 26. Januar 2014, 17 Uhr
Philharmonie Essen
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Eine anmutige Schwalbe mit Potential

Von Thomas Tillmann

In der Reihe "Große Stimmen" präsentierte die Essener Philharmonie nun Newcomerin Olga Peretyatko, wobei man bereits nach den ersten Tönen der Russin ahnte, dass man hier keine große Stimme im engeren Sinne zu hören bekam, sondern eine eher kleine, ebenmäßige, angenehm timbrierte, aber eben auch nicht zu besonders raffinierten Nuancen und Schattierungen und vertiefter Charakterisierung der unterschiedlichen (!) Figuren fähige. Immerhin, man freute sich in den hübsch gesungenen Rossini-Arien über mühelose, luftige Spitzentöne und allerhand Koloraturgefunkel, hatte aber den Eindruck, dass die Künstlerin über die gesungenen Inhalte nicht allzuviel sagen konnte und wollte. Viel schmerzlicher empfand man diesen Umstand natürlich bei Donna Annas großer Arie, die Traumatisierung der betrogenen Frau auch nur ansatzweise zu illustrieren, gelang der jungen Koloratursopranistin auf Grund fehlender Ausdrucksmittel nicht, das ist expressive Musik, die mehr braucht als hübschen Schöngesang, als untadelige Koloraturen und saubere Staccati, Musik auch, der ein Text unterlegt ist, der ausgedeutet sein will (mancher wird sich erinnern, dass diese Partie früher von dramatischen Sopranen gesungen wurde, ich habe die Aufnahmen von Frida Leider und Birgit Nilsson im Ohr). Gleiches gilt auch für den Wahnsinn von Bellinis Elvira, auch diese Partie ist im Moment noch eine Nummer zu groß für die Künstlerin, die man gern als Olympia oder Adele bewundern würde, die im Moment eher die Besitzerin einer vielversprechenden Stimme ist, aber eben noch keine berührende Interpretin. Mir will auch scheinen, dass ein paar Italienisch- und vor allem Französischstunden der Russin nicht schaden könnten.

Und so erstaunt es nicht, dass der eigentliche Höhepunkt des Nachmittags die Arie der sich in bessere Welten träumenden Marfa war - hier blühte die Stimme auf, gewann an Farbe und tonlichem Reichtum, hier leuchtete die Höhe plötzlich, hier fühlte die Künstlerin sich eben auch sprachlich wohl, ihr Singen wirkte plötzlich tief empfunden und nicht mehr pauschal und dauerlieblich wie in Gounods virtuoser Walzer-Ariette "O légère hirondelle" (der Titel beschreibt ziemlich genau, wie Olga Peretyatko vokal auf mich wirkte) oder Bizets kastagnettenbegleiteten Bolero. Es ist klug von ihr, in der Rimski-Korsakow-Partie im kommenden Frühjahr an der Mailänder Scala und an der Metropolitan Opera in New York aufzutreten.

Immerhin, das Publikum war begeistert, die sympathische Künstlerin ihrerseits großzügig mit den Zugaben: Da gab es neben Eva Dell'Acquas hübscher "Villanelle" die wild ausgezierte zweite Arie der Puritani-Elvira, ein gewagtes, mädchenhaftes, zum Alter der Interpretin passendes und daher sehr gelungenes "O mio babbino caro" (was für eine schlechte Angewohnheit, dass das Publikum nun auch im Konzertsaal in Arien hineinklatscht, sobald es sie erkannt hat!) sowie als Abschluss eine Wiederholung des "Bacio", mit dem sie bereits charmant den offiziellen Teil beendet hatte - vor der Kadenz unterbrach sie selbstironisch-charmant ihren Vortrag mit dem Satz "Olga kann ohne Kadenz nicht leben".

Schon die "unwiderstehlich gute Laune", die Rossinis Ouvertüre zur Gazza ladra nach Aussage von Oliver Binder gemeinhin versprüht, wollte sich beim Rezensenten nicht so recht einstellen, zu schwerfällig-behäbig, wuchtig-polternd drang das Werk an sein Ohr (ist das mit dem "extrovertierten Musizierstil" gemeint, der diesen Klangkörper laut Programmheftbiografie auszeichnet?), da fehlte es dem Spiel der Münchner Symphoniker, die sonst eher das klassisch-romantische Orchesterrepertoire und Cross-over-Produktionen im Repertoire haben, doch arg an Esprit, an federnder Raffinesse, an Brillanz, und dann werden diese Ouvertüren arg lang und klingen etwas gewöhnlich, auch wenn Ola Rudner, Chefdirigent der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, das Kollektiv engagiert zu motivieren suchte, mit hörbarem Erfolg meines Erachtens aber nur im fulminanten Auftakt zu Glinkas Märchenoper Ruslan und Ludmila, mit dem es den zweiten Teil des Konzerts eröffnete, und ansatzweise in der Oberto-Ouvertüre, die allerdings nicht so recht zum sonstigen Programm passen wollte.




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Ausführende

Olga Peretyatko, Sopran

Münchner Symphoniker
Ola Rudner, Dirigent


Werke


Gioacchino Rossini
Ouvertüre zu "La gazza ladra"
Gioacchino Rossini
"Bel raggio lusinghier”"
Kavatine der Semiramide
aus "Semiramide"
Gioacchino Rossini
Ouvertüre zu "Tancredi"
Gioacchino Rossini
"E d’Imene intorno all’ara"
Cabaletta der Cerere
aus "Le nozze di Teti e di Peleo"
Wolfgang Amadeus Mozart
"Crudele ... Non mi dir"
Arie der Donna Anna
aus "Don Giovanni"
Gaetano Donizetti
Ouvertüre zu "Don Pasquale"
Vincenzo Bellini
"Qui la voce ... Vien diletto"
Arie der Elvira
aus "I Puritani"
Michail Glinka
Ouvertüre zu
"Ruslan und Ludmilla"
Nikolai Rimski-Korsakow
"Ivan Sergeich"
Arie der Marfa
aus "Die Zarenbraut"
Jules Massenet
Méditation aus "Thaïs"
Charles Gounod
"O légère hirondelle"
Arie der Mireille
aus "Mireille"
Georges Bizet
"Ouvre ton coeur"
aus "Vasco da Gama"
Giuseppe Verdi
Ouvertüre zu "Oberto"
Luigi Arditi
"Il bacio" (Der Kuss)
- Koloraturwalzer



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