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Alte Musik bei Kerzenschein:
Philippe Jarrousky & I barocchisti



Mittwoch, 15. Januar 2014, 20 Uhr
Philharmonie Essen
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Eine wahre Fülle des Wohllauts

Von Thomas Tillmann

Die Reihe "Alte Musik bei Kerzenschein" war von Anfang an ein echter Publikumsmagnet, und auch an diesem trüben Januarabend entfaltete das sanfte Licht im Verbund mit der sehr gedämpften Saalbeleuchtung in der Essener Philharmonie eine wohltuend beruhigende, konzentrationsfördernde Stimmung und schuf so einen perfekten Rahmen für ein hochkarätiges Konzertereignis.

Große innere Spannung, ein perfektes Miteinandermusizieren, eine über jeden Zweifel erhabene technische Meisterschaft, gepaart mit größtem musikalischem Geschmack, ein fein austarierter, ebenmäßiger Klang, das waren meine Eindrücke bereits nach den beiden Vivaldi-Werken, mit denen I Barocchisti unter der kundigen und großes Gespür für Timing erkennen lassenden Leitung von Diego Fasolis den Abend begannen und auf die Psalmenvertonung "Nisi Dominus" vorbereiteten, mit der Philippe Jarrousky sich vorstellte, den, so erinnert uns der Pressetext, die Süddeutsche Zeitung als "Strahlengott unter den Countertenören" bezeichnet hat, und in der Tat steht einem immer wieder der Mund offen angesichts der stupenden Stilsicherheit des Franzosen, der Schönheit des Timbres, der Ebenmäßigkeit des Klangs, der Mühelosigkeit seiner Koloraturen, der Fülle an Nuancen und Schattierungen, der Flexibilität der Stimme, der Tragfähigkeit selbst des zartesten Pianissimo, der wunderbar ausgesponnenen Schwelltöne, der vollendeten Atemkontrolle in den endlosen Bögen etwa des "Beatus vir", der nie forciert klingenden Attacke im "Sicut sagittae" und nicht zuletzt der bemerkenswerten Textausdeutung und Expressivität seines Singens.

Philippe Jaroussky und Julia Lezhneva haben Giovanni Battista Pergolesis Stabat mater gemeinsam mit dem Ensemble I Barocchisti für eine im November erschienene CD eingespielt; es ist die Szene der Gottesmutter vor dem Gekreuzigten, die schon im Mittelalter in die Liturgie einging, mit Pergolesis Vertonung jedoch ihre vielleicht eindringlichste Interpretation erfuhr, die das immer leiser und konzentrierter zuhörende Publikum angesichts der miteinander geradezu verschmelzenden Stimmen von Counter und Sopran tief berührte, wobei Julia Lezhnevas schlanker, jugendlicher, auch bei entschlosseneren Akzenten etwa im "Cuius animam gementem" und im Höhenaufschwung nie scharf werdender Sopran zwar wunderschön weich und warm timbriert erstrahlte, der Kollege aber in Sachen Gestaltung doch ein wenig die Nase vorn hatte. Höhepunkt war natürlich das "Quando corpus morietur", das beide - man kommt um klischeehaft wirkende Formulierungen einfach nicht herum - mit nicht von dieser Welt zu kommen scheinenden Tönen präsentierten.

Zurecht merkte der musikalische Leiter des Abends an, dass es schwer sei, nach diesem Stabat mater (demonstrativ hielt er beim einsetzenden Applaus die Partitur in die Höhe) eine angemessene Zugabe zu finden. Mit einem Ausschnitt aus Scarlattis berückendem "Salve regina" ist ihm und seinen Mitstreitern dies erwartungsgemäß hervorragend gelungen.




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Ausführende

Julia Lezhneva, Sopran
Philippe Jaroussky, Countertenor

I Barocchisti
Diego Fasolis, Dirigent


Werke


Antonio Vivaldi
Sinfonia h-Moll, RV 169
"Al santo sepolcro"

Antonio Vivaldi
Concerto grosso d-Moll für zwei Violinen,
Violoncello, Streicher und
Basso continuo, RV 565 (op. 3 Nr. 11)

Antonio Vivaldi
Psalmvertonung "Nisi dominus" g-Moll
für Alt, Viola d’amore,
Streicher und Basso continuo, RV 608

Giovanni Battista Pergolesi
"Stabat Mater" für Sopran, Alt,
Streicher und Basso continuo





Weitere Informationen
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