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5. Sinfoniekonzert
Konzert im Rahmen des KlangZeit Festival Münster

28. Januar 2014

Großes Haus des Theater Münster

Logo: Sinfonieorchester Münster

Sinfonieorchester Münster
(Homepage)
Musik als tönernes Zeitdokument

Von Ursula Decker-Bönniger

Alle 2 Jahre veranstaltet die Gesellschaft für Neue Musik Münster e.V. das Festival KlangZeit. Von Januar bis Anfang Februar kann man dann, an den unterschiedlichsten Aufführungsorten der Stadt, experimentellen, avantgardistischen Klängen lauschen. In diesem Jahr sind die meisten Konzerte und Uraufführungen dem Thema „Krieg und Frieden“ gewidmet. Auch das Programm des 5. Sinfoniekonzerts greift mit der 1947 entstandenen Komposition Arnold Schönbergs ein Überlebender aus Warschau die Festivalthematik auf. Außerdem hat die Gesellschaft für Neue Musik Münster ein sinfonisches Werk an den bedeutenden Komponisten der Gegenwart Michael Jarrel in Auftrag gegeben. Schon im Dezember 2010 wurde ein sinfonisches Werk des Komponisten im Rahmen der Sinfoniekonzerte dargeboten. In diesem Jahr wird das Orchesterwerk Reflets pour piano et orchestre uraufgeführt – ein Werk, das sich thematisch auf die 2011 erstmalig anlässlich des internationalen Franz Liszt Klavierwettbewerbs erklingende Etude pour piano bezieht, zur Festivalthematik allerdings in keinem Zusammenhang steht. Auf private Nachfrage äußerte der Komponist, der anlässlich der Uraufführung in Münster weilte, ihm sei das Thema nicht mitgeteilt worden.

„Niemals darf gesungen werden, niemals darf eine wirkliche Tonhöhe erkennbar sein“ belegt eine briefliche Äußerung Schönbergs aus dem Jahre 1948 gegenüber R. Leibowitz. Anders als im Pierrot Lunaire, wo der Komponist mit fixierten Tonhöhen und Rhythmen eine Art Stimmbehandlung verlangt, wo Singen und Sprechen nah beieinander liegen, steht hier die Sprechstimme mit rhythmischer Deklamation und nur angedeuteten verschiedenen Lagen im Vordergrund. Ein Überlebender aus Warschau ist ein tönernes Zeitdokument. Anlass für die Entstehung des Werkes ist ein Überlebender aus dem Warschauer Ghetto, der dem 1933 über Paris in die USA emigrierten Komponisten von seinen erschreckenden Erlebnissen erzählte. In Münster übernimmt der seit 2012 dem Schauspielensemble angehörende Gerhard Mohr den Part des Erzählers. Mohr wechselt anschaulich zwischen erzählendem Rezitationston in englischer Sprache, dramatisch angehobener Sprechstimme und gebrüllten Befehlen in deutscher Sprache. Gemeinsam mit dem plastisch, geradezu szenisch veranschaulichenden Orchesterklängen  des Sinfonieorchesters und den Herren des Konzertchores, die eindrucksvoll homogen am Schluss das jüdische Gebet Schma Jisrael  anstimmen, gelingt ein überzeugendes wirklichkeitsnahes Melodram, das auch so viele Jahre nach der Uraufführung im Frühjahr 1948 in New Mexico seine berührende Wirkung nicht verloren hat.

In Jarrels anschließend uraufgeführtem Orchesterwerk Reflets pour piano et orchestre stehen ein häufig wiederholter, rhythmisierter Ton, bzw. Klang des Klaviers und seine orchestralen, farblichen Strukturen, Spiegelungen im Vordergrund. Mal trillernd, mal klopfend, mal vielfarbig changierende Linie, mal zu Akkorden, mal zu komplexen Klangballungen ausgeweitet, um anschließend zu dunklen, geheimnisvollen Liegeklängen, die von Akkordschlägen des Klaviers unterbrochen werden, zurückzukehren – immer schimmert eine Art Zentralton in unterschiedlichster Klangfarbe wie ein roter Faden durch das Werk. Mit spürbarer Konzentration und Präzision führen Pianist Nicolas Hodges und das Sinfonieorchester Münster ein fast  pointillistisch anmutendes Klanggemälde vor Augen, das in leisem, flirrendem Streicherflageolett und zarten Tontropfen ähnelnden Einzeltönen des Klaviers ausklingt.

Mit ebensolcher Präzision, homogen und ausdrucksstark in den Orchestergruppen erklingt nach der Pause Tschaikowskys 4. Sinfonie. 1877 komponiert, spiegelt sie die schwierigen Lebensumstände des Komponisten. 
Dynamisch extreme Ausdruckswelten brechen sich Bahn. Ventura spitzt die kontrastreiche Komposition zu: Leidvoll und drängend erklingt das abwärts geführte chromatische Thema der Streicher. Die Fortissimoorchesterschläge schmettern scharf und kurz, das Piano des Streicherpizzicatos im 3. Satz wird bis ins Geräuschhafte zurückgeführt. Eine wundervolle, ausdrucksstarke Interpretation, bei der der Spannungsbogen des Seelendramas nicht abreißt.

 

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Ausführende

Nicholas Hodges, Klavier

Rezitation: Gerhard Mohr

 

Sinfonieorchester Münster

Herren des Konzertchores Münster

Fabrizio Ventura, Dirigent

 

Programm

Arnold Schönberg (1874–1951)
Ein Überlebender aus Warschau
Für Sprecher, Männerchor und Orchester op. 46


Michael Jarrell (*1958)
Reflets pour piano et orchestre
(Uraufführung)

Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840–1893)
Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36


Weitere
Informationen

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Sinfonieorchester Münster
(Homepage)



Da capo al Fine

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