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Edita Gruberova
Arienabend


Aufführungsdauer: 2h 45' (eine Pause)

Freitag, 5. Dezember 2014, 20.00 Uhr
Großer Saal im Konzerthaus Dortmund

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Konzerthaus Dortmund
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Ovationen für die Königin des Belcanto

Von Thomas Molke / Foto von Pascal Amos Rest

Seit 1998 verleiht die 1992 gegründete Kulturstiftung Dortmund alle zwei Jahre alternierend für die Bereiche Musik und Bildende Kunst einen Preis, mit dem international herausragende Künstlerpersönlichkeiten geehrt werden. Nach der Sopranistin Julia Varady (1998), dem Komponisten Aribert Reimann (2002), dem Pianisten Pierre-Laurant Aimard (2006) und der Violinistin Anne-Sophie Mutter (2010) wird in diesem Jahr Edita Gruberova für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Seit mittlerweile 46 Jahren begeistert sie mit phänomenalem Koloraturgesang ihre Fans auf der ganzen Welt und ist als österreichische und bayerische Kammersängerin immer noch ständiger Gast der Opernfestspiele in Salzburg und München. Mit einer unvergleichlichen Technik hat sie Opernschätze des Belcanto, die viele Jahre wegen der hohen Anforderungen an die Titelpartie nahezu als unaufführbar galten, wieder im Repertoire der internationalen Bühnen etabliert. Ein besonderes Augenmerk hat sie dabei auf drei lyrische Tragödien von Gaetano Donizetti gelegt, die den großen Königinnen der Tudor-Dynastie gewidmet sind: Anna Bolena, Maria Stuarda und Roberto Devereux, in der Elisabeth I. die führende Stellung einnimmt. Von daher verwundert es nicht, dass die "Königin des Belcanto" zur Preisverleihung Auszüge aus diesen drei Werken gewählt hat.

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Edita Gruberova als Maria Stuarda mit Karl-Heinz Lehner als Talbot

Den Anfang markiert die am 30. Dezember 1835 in Mailand uraufgeführte Oper Maria Stuarda. Nach der Ouvertüre, die die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Peter Valentovic mit dramatischem Verve präsentieren, und der Laudatio, in der der Gründungsintendant des Konzerthauses Dortmund und das Vorstandsmitglied der Kulturstiftung Dortmund, Ulrich Andreas Vogt, Gruberovas Werdegang würdigt und sogar einen Vergleich mit Maria Callas anstrebt, beginnt die Preisträgerin mit dem Rezitativ "La perfida" aus dem dritten Akt, in dem sich Maria noch mit ungebrochenem Stolz über ihre Rivalin Elisabetta erhebt, die ihr durch Sir William Cecil das Todesurteil überbringen lässt. Obwohl Cecil für einen Bass komponiert ist, präsentiert der Tenor Lucian Krasznec die kurze Szene mit Gruberova, damit der Bass Karl-Heinz Lehner den Talbot im anschließenden Duett mit Maria übernehmen kann, dass in ihrer großen Arie "Quando di luce" mündet. Während Lehner und Krasznec ihre Partien vom Blatt absingen, geht Gruberova in dieser Szene ganz in der Rolle der Maria auf, die sie in ihrer langjährigen Karriere schon so oft auf der Bühne interpretiert hat. Dabei fasziniert immer noch, wie sie sich mit feinem Piano-Gesang in die Höhen vortastet und dabei einen leuchtende Klarheit entwickelt, die zwar vielleicht nicht mehr ganz die Frische und Jugendlichkeit aufweist, die ihr vor ein paar Jahren noch zu eigen war, die aber trotzdem auf jedwede Schärfe verzichtet. In der Mittellage besitzt ihre Stimme eine Wärme und Ausdruckskraft, die die Gefühle der Maria nachvollziehbar präsentieren. Mit Lehner findet sie im Duett zu einer Innigkeit, die das Publikum vor Begeisterung toben lässt.

Nach einem kurzen instrumentalen Zwischenspiel geht es dann mit den beiden Schlussszenen des dritten Aktes weiter. Nun übernimmt Lehner die Partie des Cecil, der Maria die Nachricht überbringt, dass Elisabetta ihren letzten Wünschen Gehör schenken werde. Bewegend vollzieht Gruberova als Maria nun den Wandel von der rachsüchtigen zur verzeihenden Frau, die in ihrer Abschiedsstunde sogar in der Lage ist, ihren inneren Frieden mit ihrer Rivalin Elisabetta zu finden. Krasznec begeistert in seinen kurzen Passagen als von beiden Frauen begehrter Graf Leicester mit tenoralem Glanz, bevor Gruberova in der großen Arie der Maria, "Ah! Se un giorno da queste ritorte", Abschied von Leicester, Talbot und ihrer Dienerin Anna nimmt. Welche Reserven Gruberova stimmlich in diesem Finale mobilisiert, ist bewundernswert, auch wenn sich an einigen Stellen nicht leugnen lässt, dass sie mit dieser Partie langsam an ihre Grenzen stößt.

Nach der Pause geht es dann mit der letzten Szene der am 26. Dezember 1830 in Mailand uraufgeführten Anna Bolena weiter, einem Werk, mit dem sich Donizetti als einer der größten Opernkomponisten Italiens etablieren konnte. In geistiger Verwirrung glaubt Anna, ihren Hochzeitstag zu feiern und versteht die Tränen ihrer Begleiter nicht. Lehner übernimmt hierbei die Partie ihres Bruders Lord Rochefort, Krasznec schlüpft in die Rolle ihres früheren Geliebten Lord Richard Percy, und die Mezzosopranistin Katharina Peetz verkörpert den Pagen Smeton, der ebenfalls für Anna schwärmt und nun gemeinsam mit ihr, Rochefort und Percy hingerichtet werden soll. In ihrer großen Arie "A dolce guidami" verliert sich Gruberova als Anna in glücklichen Erinnerungen einer längst vergangenen Zeit. Auch hier sind es wieder die zarten Piano-Töne, die die Zerbrechlichkeit von Annas Seele zum Ausdruck bringen. Gruberova verziert die Koloraturen mit einer enormen Beweglichkeit, auch wenn ihr die Leichtigkeit in den Läufen bisweilen leichte Schwierigkeiten bereitet.

Den Abschluss bildet dann die Finalszene der am 29. Oktober 1837 in Neapel uraufgeführten Tragedia lirica Roberto Devereux, die nicht im Tod der weiblichen Hauptfigur gipfelt, sondern mit Elisabettas Rücktritt vom Thron, nachdem sie den von ihr Geliebten Robert Dudley (Roberto Devereux) hat hinrichten lassen. In dieser Partie wird Gruberova ab April 2015 auch wieder an der Bayerischen Staatsoper in München zu erleben sein. Elisabetta ist in dieser Szene bereit, ihren Geliebten Roberto zu begnadigen und mit seiner neuen Geliebten ziehen zu lassen, und wartet auf die Überbringung eines Rings. Doch dann muss sie erfahren, dass Robertos Geliebte Sara (Peetz) ist, die Frau des Herzogs von Nottingham (Lehner), der natürlich daraufhin Robertos Rettung vereitelt. In großer Verzweiflung beschließt sie mit "Non regno, non vivo...", den Thron ihrem Neffen James, dem König von Schottland zu überlassen. Mit bewegender Gestik und Mimik bringt Gruberova die Verzweiflung dieser Frau, die des Kämpfens müde ist, zum Ausdruck und begeistert mit dramatischen Höhen, die das Publikum im Saal zum Toben bringen. Frenetisch feiern die Zuschauer anschließend ihre "Königin", warten allerdings vergeblich auf eine Zugabe. Nach diesen drei hochdramatischen Momenten des Musiktheaters wäre eine Steigerung nicht mehr möglich gewesen, zumal auch anzunehmen ist, dass Gruberova nach diesen drei fordernden Partien zu erschöpft gewesen sein dürfte, um ihren Ansprüchen mit einer weiteren Darbietung gerecht zu werden.

FAZIT

Das Publikum des Konzerthauses verneigt sich mit stehenden Ovationen vor einer Ausnahme-Sängerin, die es auch nach 46 Jahren Bühnenerfahrung stimmlich mit großen Partien des Belcanto-Fachs aufnimmt. Dass sie dabei vielleicht nicht mehr so jugendlich frisch wie vor einigen Jahren klingt, sieht ihr die große Fangemeinde gerne nach.


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Ausführende

Edita Gruberova, Sopran

Katharina Peetz, Mezzosopran

Lucian Krasznec, Tenor

Karl-Heinz Lehner, Bass

Dortmunder Philharmoniker

Peter Valentovic, Dirigent

 

Werke

Gaetano Donizetti

Maria Stuarda
Ouvertüre
"La perfida", Rezitativ der Maria
"Che vuoi", Szene Maria und Cecil
"Oh mio buon Talbot",
Szene und Duett Maria und Talbot

"Vedeste?", Szene instrumental
"Oh colpo", Szene Maria und Cecil
"Giunge il Conte", Szene tutti

Anna Bolena
Ouvertüre
"Piangete voi?", Szene und Arie der Anna
"Qual mesto suon?", Szene Anna und Hervey
"Anna! - Fratello!", Szene tutti

Roberto Devereux
Ouvertüre
"E Sara in questi orribili momenti",
Szene und Arie Elisabetta und Hofdame
"Che m'apporti?", Szene Elisabetta und Cecil
"Questa gemma d'onde avesti?",
Szene Elisabetta und Sara
"Egli è spento", Szene tutti



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