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10. Philharmonisches Konzert
helden_gesänge


Werke von Richard Wagner

Aufführungsdauer: ca. 2h 20' (keine Pause)

Aufführungen im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals Dortmund am 2. und 3. Juni 2015, 20.00 Uhr
Großer Saal im Konzerthaus Dortmund
(rezensierte Aufführung: 03.06.2015)

 

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Heldenhaft

Von Thomas Molke / Foto von Christoph Müller-Girod

Seit Gabriel Feltz Generalmusikdirektor der Dortmunder Philharmoniker ist, stellt er jede Spielzeit für die Philharmonischen Konzerte unter ein bestimmtes Motto. In einer Saison, die die Überschrift "held_innen_leben" trägt, darf natürlich auf einen absoluten "Superhelden" der Opernliteratur nicht verzichtet werden: Siegfried. Aus diesem Grund hat Feltz für das letzte Philharmonische Konzert der Saison unter dem Titel helden_gesänge vier hochkarätige Sängerinnen und Sänger eingeladen, die in einer konzertanten Fassung den dritten Akt aus Wagners Siegfried präsentieren. Da zurzeit auch das Klangvokal Musikfestival in Dortmund stattfindet, ist diese Produktion auch gleichzeitig in das Programm dieses Festivals aufgenommen worden.

Den Anfang macht das Siegfried-Idyll, das im Winter 1870 in Tribschen am Vierwaldstätter See als Geburtstagsständchen für Wagners Gattin Cosima entstand. Inspiriert haben soll Wagner ein Naturerlebnis kurz nach der Geburt seines Sohnes Siegfried. Sowohl die atemberaubenden Farben, in die die Sonne am Tag nach der Geburt das Bergmassiv am Vierwaldstätter See getaucht haben soll, und ein kleiner Vogel, dessen Gezwitscher Wagner an diesem Tag vernommen haben soll, finden sich, so Cosima Wagner in ihren Tagebüchern, in dieser Komposition. Dabei wird die Melodie aus dem dritten Akt der Oper, "Ewig war ich, ewig bin ich", die zur Liebeserklärung der erweckten Brünnhilde an Siegfried wird, bereits vorweggenommen. In etwas kleinerer Besetzung entlockt Feltz den Dortmunder Philharmonikern in diesem gut 20-minütigen Stück sehr leise Töne, die lautmalerisch einen betörenden Einklang der Natur beschreiben. Doch diese Harmonie gerät immer wieder ins Stocken, was von Feltz und den Philharmonikern sehr differenziert herausgearbeitet wird.

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Schlussapplaus: von links: Olafur Sigurdarson (Wotan / Wanderer), Ewa Wolak (Erda). Petra Lang (Brünnhilde) und Andreas Schager (Siegfried), dahinter: Dortmunder Philharmoniker

Nach der Pause treten dann die Philharmoniker in voller Besetzung auf und verwandeln mit den aufpeitschenden Klängen des Vorspiels des 3. Aktes aus Wagners Siegfried den Konzertsaal in einen regelrechten Hexenkessel. Feltz lässt die Philharmoniker mit gewaltiger Macht aufspielen, so dass man sich zu diesem Zeitpunkt die Frage stellt, wie die Solisten überhaupt über ein solch fulminant aufspielendes Orchester hinwegkommen sollen. Doch Olafur Sigurdarson macht mit stählernem Bass-Bariton als Wotan / Wanderer direkt in der ersten Szene deutlich, dass er keine Probleme hat, Erda aus ihrem langen Schlaf zu erwecken. Dabei begeistert Sigurdarson auch durch eine absolut saubere Diktion. Ewa Wolak hält als Erda mit einem absolut dunklen Alt dagegen und verleiht der Urwala einen wunderbar samtigen Klang. So wird direkt die erste Szene dieses dritten Aktes zu einem musikalischen Höhepunkt.

In der zweiten Szene folgt dann Siegfrieds großer Auftritt. Selten hat man einen Jung-Siegfried so frisch gehört wie an diesem Abend von Andreas Schager. Zur Verteidigung anderer großer Tenöre muss aber hinzugefügt werden, dass Schager sich anders als seine Kollegen nicht schon durch zwei absolut Kräfte zehrende Akte kämpfen musste, sondern gewissermaßen noch genauso "ausgeschlafen" ist wie Brünnhilde, die er in der dritten Szene erweckt. Schager und Sigurdarson liefern sich in der zweiten Szene einen beeindruckenden Schlagabtausch, können sich gegen das laut aufspielende Orchester jederzeit durchsetzen und bleiben in jedem Moment textverständlich.

Die dritte Szene gehört dann Siegfried und Brünnhilde. Petra Lang betritt die Bühne und stellt sich zunächst schlafend, wobei sie allerdings bei Siegfrieds Erkenntnis "Das ist kein Mann" ein Schmunzeln nicht unterdrücken kann. Lang hat vor ein paar Jahren vom Mezzosopran ins dramatische Sopranfach gewechselt, was bei ihrer Anlage der Partie durchaus noch erkennbar ist. So legt sie die Rolle sehr tief an, verfügt über eine voluminöse Mittellage, klingt in den von starkem Vibrato durchsetzten Höhen allerdings ein wenig schrill. Folglich fällt die dritte Szene im Vergleich zu den ersten beiden Szenen musikalisch ein bisschen ab. Schager hingegen wirkt mit seinem heldenhaften Tenor bis zum letzten Ton unglaublich frisch und behält in "Leuchtende Liebe, lachender Tod" stimmlich die Oberhand. Großen Applaus gibt es für alle Beteiligten für einen fulminanten Saisonabschluss, und auch die persönliche Komponente kommt nicht zu kurz, wenn Feltz sich mit Blumen von einem langjährigen Orchestermitglied verabschiedet, den Abonnenten für ihre Treue dankt und allen einen schönen Sommer wünscht.

FAZIT

Mit einer hochkarätigen Sängerbesetzung gelingt den Dortmunder Philharmonikern ein fulminanter Saison-Abschluss.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Gabriel Feltz

Dortmunder Philharmoniker



Solisten

Siegfried
Andreas Schager

Brünnhilde
Petra Lang

Wotan / Wanderer
Olafur Sigurdarson

Erda
Ewa Wolak

 

Werke

Richard Wagner
Siegfried-Idyll

Siegfried - Akt 3


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Dortmund
(Homepage)



Da capo al Fine

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