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Yannick Nézet-Séguin & London Philharmonic Orchestra

Lars Vogt, Klavier

Aufführungsdauer: ca. 2h 15' (eine Pause)

Samstag, 22. November 2014, 20.00 Uhr
Alfried Krupp Saal in der Philharmonie Essen

 



Philharmonie Essen
(Homepage)

Einfach sensationell!

Von Ursula Decker-Bönniger / Fotos von Sven Lorenz

Der 1975 geborene Yannick Nézet-Séguin war in der letzten Spielzeit Künstler in Residence im Konzerthaus Dormund und wurde unlängst mit dem Echo-Klassik als Dirigent des Jahres 2014 ausgezeichnet. Am Wochenende leitete er im Konzerthaus Dortmund und in der Essener Philharmonie das sensationelle London Philharmonic Orchestra. Welch ein Klanggenuss, welch eine Spielkultur! Und mit Brahms, Schubert und Richard Strauß – welch ein Programm!

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Lars Vogt mit dem London Philharmonic Orchestra

Der Abend beginnt mit Brahms’ zweitem, 1881 uraufgeführten, monumentalen  Klavierkonzert. Ein ruhiges, inniges Hornsolo zu Beginn, ein romantisches Cello-Solo im dritten Satz, ein mal rhythmisch-geschärftes, mal anmutig gestaltetes, ganz aus der Stille geborenes Spiel der Streicher – von Beginn an macht Nézet-Séguin den poetisch-sinfonischen Charakter des Werkes hörbar. Hinzu kommt ein harmonisches, bis auf den letzten Akzent stimmiges Zusammenspiel des Solisten Lars Vogt mit dem Orchester. Nur hier und da tritt das Klavier in solistischen Passagen in den Vordergrund. Im Unterschied zu herkömmlichen Klavierkonzerten hat Brahms ihm eine eher untergeordnete Rolle zuerkannt. Gelegentlich wird das Konzert sogar als Sinfonie mit obligatem Klavier bezeichnet. Als Zugabe gab’s Chopins Nocturne cis-Moll mit Doppelläufen, als wären die Hämmerchen des Konzertflügels mit Samt bespannt.

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Yannick Nézet-Séguin mit dem London Philharmonic Orchestra

Nach der Pause folgt Schuberts Unvollendete. Zurückgenommen in der Lautstärke, unpathetisch und transparent erstrahlt das Werk. Melodische Phrasen, thematische Linien, Übergänge, Kontraste und Generalpausen – alles wird mit zurückhaltender Expressivität, Liebe zum Detail und unglaublicher Präzision vor Augen geführt, bevor als krönender Abschluss und mit beherztem Schwung die Tondichtung Don Juan von Richard Strauß einsetzt. In der temperamentvollen Interpretation des unvergleichlichen Duos Nézet-Séguin und London Philharmonic Orchestra wirkt es wie eine dramatisch-sinfonische Operninszenierung, in der die dynamische Skala vom Pianissimo bis zum mehrfachen Forte voll ausgekostet wird. Noch einmal schillern effektvoll die Farben des Orchesters, türmen sich dramatische Steigerungen und  thematische Überblendungen zu ungeahnten Klangwolken, bevor die dramatische Entwicklung auf dem Höhepunkt abbricht und in trockenen, schmucklosen Akkordschlägen ausklingt.

Das Publikum bedankte sich nach einem Moment der Stille mit Bravi und Applaus und verließ sodann beglückt und beseelt vom überschäumenden Klangrausch die Philharmonie.


FAZIT

Die Interpretationskunst Yannick Nézet-Séguins und eine sensationelle Spielkultur des London Philharmonic Orchestra ergänzen sich zu ungeahntem Klanggenuss.



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Ausführende

Lars Vogt, Klavier

London Philharmonic Orchestra

Yannick Nézet-Séguin, Dirigent


Werke

Johannes Brahms
Konzert Nr. 2 B-Dur
für Klavier und Orchester, op. 83

Franz Schubert
Sinfonie Nr. 7 h-Moll, D 759 “Unvollendete”

Richard Strauss
Don JuanTondichtung für großes Orchester
nach Nikolaus Lenau, op. 20


Weitere Informationen
erhalten Sie von der

Philharmonie Essen
(Homepage)



Da capo al Fine

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