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Kaisersaalkonzerte 2015

Johann Sebastian Bach: Johannes-Passion, BWV 245

Kaisersaal im Römer, Frankfurt am Main, 15. März 2015

 


(Homepage)

Bachs Passion in jugendlicher Frische

Von Ingo Negwer

„Barock Vokal – Kolleg für Alte Musik an der Hochschule für Musik Mainz“ gehört auch in diesem Jahr zu den festen Größen der Kaisersaalkonzerte im Frankfurter Römer. Zum Auftakt präsentierten am vierten Fastensonntag junge Sängerinnen und Sänger des bemerkenswerten Fortbildungsprogramms Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion. Begleitet wurden sie von der Capella Academica, dem Barockorchester der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt am Main. Die Gesamtleitung lag in den Händen von Stephan Schreckenberger.

Mit der Johannes-Passion, 1724 uraufgeführt, setzte Bach als neu ernannter Thomaskantor in Leipzig einen musikalischen Meilenstein seines Schaffens. Die beinahe opernhafte Dramatik, mit der er das Leiden und Sterben Jesu schilderte, ließ aufhorchen, blieb aber auch nicht unwidersprochen: Man begann zu ahnen, welche Geistesgröße man in seinen Mauern aufgenommen hatte! Mindestens drei weitere Male hat Bach die Johannes-Passion in Leipzig aufgeführt, zuletzt am Karfreitag 1749, ein gutes Jahr vor seinem Tod. – Doch zurück in den Frankfurter Kaisersaal: Nachdem Dr. Daniel Detambel, der Vorsitzende des Forums Alte Musik, ebenso informativ wie unterhaltsam und kurzweilig in das Hauptwerk des Abends eingeführt hat, gaben sich die Ausführenden vom ersten Takt an ganz dem leidenschaftlichen Gestus der Bachschen Musik hin. In den Chören warteten Sänger und Instrumentalisten gleichermaßen mit frischen Tempi und feiner dynamischer Abstufung auf. Die Solistinnen und Solisten zeigten ein schon beachtlich ausgebautes Potential – allen voran Katsuhiko Nakashima, der die Worte des Evangelisten mit tadelloser Deklamation und lebendiger Gestaltung vortrug. Christian Wagner füllte mit angenehmem Bass die Rolle Jesu ebenso mit-leidend wie würdevoll aus. Stellvertretend für weitere solistische Höhepunkte sei der Pilatus von Sebastian Kunz genannt, der Jesus in der Verhörszene einen musikalisch ebenbürtigen Widerpart bot. Dass alle Solistinnen und Solisten mit Ausnahme von Christian Wagner (Jesu) auch in chorischer Funktion agierten, versteht sich in historisch informierter Aufführungspraxis quasi von selbst.

Sicherlich kann man als Resultat dieser hörenswerten Projektarbeit noch keine makellose Darbietung erwarten. Vor allem gegen Ende der fast zweieinhalbstündigen Aufführung schlichen sich einige wenige Konzentrationsschwächen und Abstimmungsprobleme ein. Auch ging durch die wenig glückliche Aufstellung des Chores Bachs kunstvolle Polyphonie in einem teils undifferenzierten Mischklang verloren. Die Interpretation der Johannes-Passion überzeugte aber vor allem durch ihre jugendliche Frische, die bar jeglicher Alltagsroutine war. So ließ Schreckenberger den Choral „Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn“ als innig ergreifenden Ruhepunkt a capella singen. Nicht zuletzt gaben einige Sängerinnen und Sänger, deren Namen derzeit nur wenigen bekannt sind, im Kaisersaal ihre Visitenkarte ab, die man in Zukunft hoffentlich noch andernorts öfters wird lesen können.



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Ausführende

Barock Vokal –
Kolleg für Alte Musik
an der Hochschule für Musik Mainz

Evangelist
Katsuhiko Nakashima

Jesus
Christian Wagner

Sopran
Laura Heinz
Natasha Hogarth
Eun-Ju Lee
Kiyoko Nakashima,

Alt/Altus
Alin Deleanu
Ruth Katharina Peeck
Christian Rohrbach
Rebekka Stolz

Tenor
Jonas Boy
Fabian Kelly

Bass
Stefan Keylwerth
Sebastian Kunz
Florian Küppers 

Chor-Einstudierung
Christian Rohrbach

 

Capella Academica Frankfurt 

Leitung
Stephan Schreckenberger

 


Weitere Informationen
erhalten Sie von dem

Forum Alte Musik
(Homepage)



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