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Kaisersaalkonzerte 2015


Kaisersaal im Römer, Frankfurt am Main, 12. Juli 2015
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forum alte musik Frankfurt
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Telemann getanzt

Barocke Orchesterklänge und moderner Tanz im Kaisersaal

Von Dr. Ingo Negwer

Mit einem außergewöhnlichen Programm schaute das Forum Alte Musik einmal über den Tellerrand der historischen Aufführungspraxis hinweg. Es lud Tänzerinnen und Tänzer der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst ein, eigene Choreografien zur Musik Georg Philipp Telemanns zu erarbeiten und im Kaisersaal des Römers der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Unter dem Motto eMotion baroque gestalteten die Studierenden drei Szenen zur Musik aus der Klingenden Geografie, die der Musikwissenschaftler Adolf Hoffmann 1961 aus Orchestersuiten Telemanns zusammengestellt hatte und nun vom Neumeyer Consort unter der Leitung von Felix Koch (Violoncello) gespielt wurde. Die Klingende Geografie führt auf einer musikalischen Reise durch Europa, Asien und Afrika, was für den heutigen Hörer jedoch kaum noch zu entschlüsseln ist. So griffen Narae Shin und Rouven Pabst in ihren Choreografien auch nicht auf die von Hoffmann erdachten Satztitel, wie Mittel-Italien, Asiatische Türkei oder Westfalen zurück, sondern ließen sich ganz von Telemanns Musik inspirieren.

Szenenfoto

Tanzensemble der HFMDK Frankfurt. Valeria Liptschanskaja, Laurin Thomas, Pauline Staneker, Rouven Pabst, Narae Shin (v.l.n.r.; Foto: Ingo Negwer)

Das fünfköpfige Ensemble schlüpfte auf der zentral im Raum positionierten Bühne in Kostüme und Rollen, übersetzte die Musik in Bewegung und ließ aus der Bewegung heraus Kommunikation entstehen. Der Tanz wird zum Spiel mit der Musik und verliert sich schließlich wieder im Raum. Im Folgenden mag der Frühling, in Gestalt einer weiblichen Figur mit übergroßem, Blumen geschmücktem Hut, Einzug gehalten haben und ein erotisches Spiel um Werben und Verführen setzte ein. Neben komödiantischen Episoden stellte barocke Gestik stets den Bezug zur Musik her. Und auch im dritten Teil, mit dem das Konzert zu Ende ging, schlugen Reminiszenzen in Kostüm und Bewegung an das 18. Jahrhundert eine Brücke von der getanzten Moderne zur klingenden Vergangenheit: Barockmusik übersetzt in bewegte Emotionen.

Telemanns reiche Orchestermusik, in unzähligen Suiten überliefert, eignet sich, wie kaum eine andere jener Zeit, für ein solches Tanzprojekt. Sie ist durch und durch rhythmisch angelegt, vom Tanz inspiriert und außerdem in einem hohen Maße bildhaft. Das Neumeyer Consort demonstrierte dies anhand der Don Quichotte-Suite. Jeweils zu Beginn der beiden Konzerthälften spielte das an diesem Abend vorzüglich aufgelegte Instrumentalensemble in Minimalbesetzung zunächst die Ouvertüre und nach der Pause die sieben weiteren Sätze der um 1720 in Frankfurt komponierten Suite. Felix Koch, der das Neumeyer Consort vom Violoncello aus leitete, ließ es sich nicht nehmen, die kurzweilige Programmmusik charmant und gestenreich anhand von kurzen Musikbeispielen zu erläutern und auch das Publikum, als es darum ging, gegen Windmühlen zu kämpfen, aktiv mit einzubeziehen. Mit einer Blockflöte, einfacher Streicherbesetzung, Perkussion, Cembalo und vor allem einer gehörigen Portion Spaß am eigenen Tun boten die acht Musikerinnen und Musiker ein vitales und durchweg überzeugendes Plädoyer für Telemann.




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Kaisersaalkonzert im Römer
Frankfurt am Main, 12. Juli 2015


Ausführende

Neumeyer Consort
Leitung: Felix Koch

Tanzensemble der Hochschule
für Musik und Darstellende Kunst
Frankfurt a. M.:
Valeria Liptschanskaja
Rouven Pabst
Narae Shin
Pauline Staneker
Laurin Thomas





Programm

Georg Philipp Telemann:

Suite Don Quichotte TWV 55:G10

Musik aus der Sammlung
Klingende Geografie (1961)
zusammengestellt aus Orchestersuiten
Georg Philipp Telemanns
von Adolf Hoffman





Weitere Informationen
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