Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Konzerte
Zur Homepage Zur Konzert-Startseite E-mail Impressum




Zeitinsel Katia und Marielle Labèque
Roots


Katia Labèque, Klavier
Marielle Labèque, Klavier
Kalakan

Aufführungsdauer: ca. 1h 30' (eine Pause)

Mittwoch, 25. November 2015, 20.00 Uhr
Großer Saal im Konzerthaus Dortmund

 

Homepage

Konzerthaus Dortmund (Homepage)

Klavier trifft auf Perkussion 

Von Eckhard Süssmann

Im Rahmen des Konzertzyklus Zeitinsel im Konzerthaus Dortmund fanden französische Impressionisten, also Musik des beginnenden 20. Jahrhunderts, und baskische Folklore zueinander. Die beiden Schwestern Katia und Marielle Labèque, deren künstlerische Bedeutung als Klavierduo weltweit geschätzt wird und ganz außer Zweifel steht, gestalteten den ersten Abend der Zeitinsel zusammen mit dem aus dem nördlichen Baskenland stammenden Trio Kalakan, das mit der Interpretation von traditioneller baskischer Musik internationale Berühmtheit erlangt hat. Im Mittelpunkt des Konzertabends standen Werke von Maurice Ravel, einem der bedeutendsten Vertreter des Impressionismus in Frankreich.

Eingestimmt wurden die Zuhörer, die das Konzerthaus leider nicht zur Gänze füllten, von den Schwestern Labèque mit einer überaus geheimnisvollen Interpretation von Ma mère l'oye, einem Zyklus von Klavierstücken für Kinder, geschrieben für Klavier zu vier Händen. Zwar weist das Programmheft des Konzertabends auf die Schlichtheit dieser Stücke hin, was jedoch in Zweifel zu ziehen wäre, denn die Anforderungen an die Interpreten sind so hoch, dass die pianistischen Fähigkeiten von Kindern nur in Ausnahmefällen ausreichen dürften. Der Begriff "für Kinder" basiert wohl eher darauf, dass den Stücken Märchenerzählungen zugrunde liegen. Die Musik schwelgte in vielfältigen Klangfarben, imitierte Vogelstimmen, wobei die reiche Dynamik und der raffinierte Pedaleinsatz ein stimmungsvolles Tongemälde formten. Besonders bestachen der weiche Anschlag und das jeu perlé der Schwestern Labèque. Es war Musik von höchster Kultur. Besonders beeindruckte das vollkommene Zusammenspiel, so dass es schien, dass das Klavier nicht von zwei Personen, sondern nur von einer Person gespielt wurde, was Zeugnis davon ablegt, wie beide Interpretinnen miteinander fühlen und aufeinander hören, was nur wenigen Klavierduos gelingt.

Als zweites Stück hatten die Schwestern Labèque die Rhapsodie Espagnole ausgewählt, eine hochvirtuose Komposition für zwei Klaviere, die zwiespältig ohne ein klar hervortretendes Thema begann. Ein von Katia Labèque vorgestelltes Ostinato-Motiv wurde von Marielle Labèque zauberhaft umspielt und gab die Basis für eine klangfarbenreiche Interpretation. Im zweiten Stück dominierte virtuoses Spiel eine temperamentvoll Variationenfolge, die auch im dritten Stück, von markanten Bassfiguren begleitet, zu erkennen war. Das vierte Stück, von dämonischem Charakter, forderte beiden Pianistinnen höchste Fingerfertigkeit ab, während im letzten Stück der Rhapsodie deutliche Anklänge an Rhythmus und Melodik spanischer Musik aufschienen, dargeboten mit überschäumender Virtuosität und wiederum gekennzeichnet durch ein fabelhaft präzises Zusammenspiel beider Künstlerinnen.

Den zweiten Teil des Konzertabends leitete das Trio Kalakan ein mit melancholischen baskischen Liedern, deren Melodik und Klangfarben die Vermutung erahnen ließen, dass sie bei täglich harter Arbeit und wenig erträglichen Bedingungen ohne die Perspektive auf eine Erlösung entstanden waren. Nur an wenigen Stellen brach sich dennoch ein wenig Lebensfreude Bahn, wenn im Refrain alle drei Sänger mit fröhlichen Tönen einen bescheidenen Gegensatz  zum getragenen Gesang des Solisten bilden durften. Charakteristisch für das Trio Kalakan ist das minimalistische Arrangement (Stimmen und Schlaginstrumente) der traditionellen baskischen Volksmusik, das nur hier und da mit einfachen flötenähnlichen Blasinstrumenten ergänzt wurde.

Ein wahres Feuerwerk an Temperament und Begeisterung für die Musik entfesselte im Folgenden das gemeinsame Auftreten der Labèque-Schwestern und des Trios Kalakan. Sie interpretierten den berühmten Bolero von Maurice Ravel in einer ganz ungewohnten Form und Besetzung, wobei die Bearbeitung des Bolero für zwei Klaviere und Perkussion wohl auf eine Initiative der Schwestern Labèque zurückzugehen scheint. Mit diesem Arrangement feierten sie nämlich in Europa schon große Erfolge. Die Komposition des Bolero, den Ravel selbst als "Meisterwerk, das leider keine Musik enthält" bezeichnet, lebt im Wesentlichen von dem ununterbrochen von einer Trommel markierten Rhythmus, den das Trio Kalakan durch ein Instrumentarium aus kleinen und großen Trommeln und aufeinander abgestimmten Klanghölzern ergänzte, wobei die kleine Trommel, vorne auf dem Podium positioniert, den drängenden Rhythmus als Ostinatofigur beisteuerte und die größte Trommel zunächst nur mit der flachen Hand gerieben wurde, was interessante Klangeffekte bewirkte. Später dann kam der Trommelschlegel zum Einsatz. Das vorantreibende Crescendo des Bolero wurde unterstützt durch den an Heftigkeit zunehmenden Einsatz der Trommel und der Klanghölzer, deren Bearbeitung den beiden Interpreten höchste Konzentration und vollen Körpereinsatz abforderte.

Von den beiden Klavieren wurde die karge Melodik des Bolero in seinen achtzehn Variationen eingefangen und wirkungsvoll dargeboten, wobei sich beide Pianistinnen Bass- und Diskantfiguren im Wechselspiel einander zuwarfen und den Klavieren ganz besondere Klangeffekte entlockten, die beispielsweise an Glocken zu erinnern schienen. Der auf diese so ungewohnte Art und Weise dargebotene Bolero veranlasste das Publikum zu begeistertem Beifall, der in seiner Intensität nichts zu wünschen übrig ließ, und zeigte, dass das Programm der Zeitinsel an diesem Abend den Geschmack der Zuhörer voll und ganz getroffen hatte.

Als Zugabe spielten die Schwestern Labèque ein Stück von Philip Glass, dem Meister der "Minimal Music", das sich als hochvirtuoses und sehr melodisches Klavierwerk herausstellte und klangfarbenreich und harmonisch dargeboten wurde. Das Trio Kalakan schloss sich mit einem Gesangsstück und einem wiederum sehr anspruchsvollem Stück für ein Blasinstrument als Melodiegeber und Percussion an, wobei das Blasinstrument so gespielt wurde, dass sein Klang an den eines Dudelsacks erinnerte - eine besondere Anblastechnik ermöglichte dies.

FAZIT

Katia und Marielle Labèque und das Trio Kalakan bieten mit der Auswahl des Programms und der hohen Qualität ihrer künstlerischen Fähigkeiten einen Abend, den man nicht so schnell vergessen wird.


Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)

Ausführende

Katia Labèque, Klavier

Marielle Labèque, Klavier

Kalakan
Thierry Biscary, Gesang, Perkussion
Xan Errotabehere, Gesang, Perkussion
Jean Michel Bereau, Gesang, Perkussion



Werke

Maurice Ravel
Ma mère l'oye für Klavier zu vier Händen

Rhapsodie Espagnole

Diverse Komponisten
Traditionelle baskische Musik

Maurice Ravel
Bolero



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Konzerthaus Dortmund
(Homepage)



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Zur Konzert-Startseite E-Mail Impressum
© 2015 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: konzerte@omm.de

- Fine -