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Partenope

Oper in drei Akten
Text nach Silvio Stampiglia, HWV 27
Musik von Georg Friedrich Händel

Aufführungsdauer: ca. 3h 20' (eine Pause)

Konzertante Aufführung am Donnerstag, 21.01.2016, 19.00 Uhr
Alfried Krupp Saal in der Philharmonie Essen

 



Philharmonie Essen
(Homepage)

Liebeswirren mit großartiger Komik

Von Thomas Molke / Fotos folgen

Eigentlich hatte man sich in der beliebten Konzertreihe Alte Musik bei Kerzenschein auf ein Wiedersehen mit Philippe Jaroussky in der Philharmonie Essen gefreut, der dort im Rahmen seiner Tournee mit der kanadischen Sopranistin Karina Gauvin, mit der er bereits in der letzten Spielzeit Agostino Steffanis Oper Niobe, regina di Tebe wieder ins Bewusstsein der Konzertbesucher gebracht hat, nun Händels recht unbekannte Oper Partenope konzertant präsentieren sollte. Doch aufgrund des Todes seines Vaters hat Jaroussky die Tournee kurzfristig abgesagt. Wer nun aus diesem Grund seine gekauften Karten zurückgegeben hat, verpasste an diesem Abend nicht nur ein freundliches Grußwort, in dem Jaroussky sich schriftlich bei seinen zahlreichen Fans entschuldigte und um Verständnis für seine Entscheidung bat, verbunden mit dem Wunsch und dem Versprechen, bald wieder in der Philharmonie aufzutreten. Auch Lawrence Zazzo, der kurzfristig für Jaroussky eingesprungen war, erwies sich als würdiger Vertreter, der auch bei den Jaroussky-Anhängern keine Wünsche offen ließ.

Das Werk nimmt in Händels Schaffen sicherlich eine Sonderstellung ein. Nachdem Händel nämlich mit der so genannten "First Academy" 1728 Bankrott erlitten hatte und in der neu gegründeten Akademie mit der Eröffnungspremiere Lotario keinen großen Erfolg verbuchen konnte, entschied er sich in Partenope, der Opera seria mehr komödiantische Züge zu verleihen, was dazu führte, dass sich das Werk nach der Uraufführung großer Beliebtheit erfreute. So lässt sich das Libretto, das auf einer Vorlage von Silvio Stampiglia basiert, literarisch als eines der besten der damaligen Zeit betrachten und wirkt auch für die heutige Zeit noch recht modern, da hier menschliche Schwächen im  Zentrum des Geschehens stehen, die mit viel Witz und Ironie präsentiert werden.

Partenope, die Königin von Neapel, genießt es, von mehreren Prinzen umworben zu werden. Da ist zunächst Arsace, der Prinz von Korinth, der sich sehr schnell zu ihrem Favoriten entwickelt und den Platz an ihrer Seite bald einnehmen könnte, wenn er nicht schon der Prinzessin von Zypern,  Rosmira, die Ehe versprochen hätte. Auch das würde an sich noch kein Problem darstellen, aber besagte Rosmira taucht als Mann verkleidet unter dem Namen Eurimene ebenfalls am Hof der Königin auf, um den verlorenen Verlobten zurückzugewinnen. Arsace erkennt in Eurimene die ehemalige Verlobte und gerät in einen Konflikt, weil er sich zwischen den beiden Frauen nicht entscheiden kann. Der zweite Bewerber ist Armindo, der Prinz von Rhodos, der sich sehr schwer tut, der Königin seine Liebe zu gestehen und lieber still vor sich hin leidet. Ganz anders ist der dritte Bewerber, Emilio, Prinz von Cumae, der direkt mit seinem ganzen Heer anrückt und die Königin vor die Wahl stellt: Ehe oder Krieg. Den Kampf verliert er jedoch gegen Partenope, die dabei von Arsace, Armindo und Eurimene / Rosmira unterstützt wird. Als sie sich dann für Arsace entscheidet, fordert Eurimene / Rosmira den treubrüchigen Verlobten zum Duell. Der Treuebruch reicht der Königin, ihre Gunst nun Armindo zu schenken. Damit hätte Rosmira ihren Verlobten eigentlich zurück. Doch ihr Zorn ist nicht mehr zu besänftigen. Standhaft will sie an dem Duell festhalten, bis Arsace fordert, mit nackten Oberkörpern zu kämpfen. Erst jetzt gibt sie sich schweren Herzens auch den anderen als Rosmira zu erkennen und verzeiht dem Wortbrüchigen. Einer Doppelhochzeit steht nun nichts mehr im Wege, während Partenope dem leer ausgehenden Emilio immerhin ihre Freundschaft anbietet.

Auch wenn es sich um eine konzertante Aufführung handelt und die Solisten mit Textbüchern auftreten, lassen sie es nicht nehmen, die einzelnen Partien mit einer ausgefeilten Mimik zu interpretieren, so dass der Abend beinahe einer szenischen Interpretation ohne Bühnenbild und Kostümen gleichkommt. Karina Gauvin verleiht der Titelpartie eine gewisse Koketterie und genießt es regelrecht, von drei Männern gleichzeitig umworben zu werden. Dabei macht sie allerdings durchaus klar, dass sie das Sagen hat. Die Zurückhaltung des schüchternen Armindos amüsieren sie und verleiten sie, so heftig mit ihm zu flirten, dass seine Liebessehnsucht geradezu unerträglich wird. Auch im Zusammenspiel mit Arsace macht sie deutlich, wieso sie in der Lage ist, ihn seine ehemalige Geliebte Rosmira vergessen zu lassen. Nur Emilio geht ihr in seinem Werben zu weit. Wenn er sie vor die Wahl stellt, entweder seine Frau zu werden oder sein Volk gegen ihr Königreich zu führen, ist sie eher zum Kampf bereit, als solch patriarchalischem Werben nachzugeben. All dies schmückt Gauvin mit einem vollen Sopran aus, der in der Mittellage über enormes Volumen verfügt und in den Höhen große Strahlkraft besitzt. Direkt in ihrer ersten Arie "L'Amor e il destin", in der sie selbstbewusst davon überzeugt ist, dass Liebe und Schicksal für sie kämpfen werden, begeistert Gauvin mit einer variablen Stimmführung und beweglichen Koloraturen. Wenn sie Arsace in der Arie "Sei mia gioia" als ihre große Liebe preist, lässt sie die Koloraturen nur so sprudeln. Spielerisch gibt sie sich Armindo gegenüber, wenn sie ihm mit verführerischer Leichtigkeit in der Arie "Qual farfalletta" Hoffnung macht.

Großartig ist auch das Zusammenspiel zwischen Kate Aldrich als Rosmira und Lawrence Zazzo als Arsace, der sich zwischen zwei starken Frauenpersönlichkeiten hin- und hergerissen fühlt. Wenn Aldrich bei ihrem Auftritt als schiffbrüchiger Eurimene ihren Geliebten Arsace in trauter Zweisamkeit mit Partenope erblickt, ist ihr die Wut in den Augen abzulesen. Wenn sie dann noch ihr Textbuch auf den Notenständer knallen lässt, wird klar, dass nun Ärger vorprogrammiert ist. In ihrer Arie "Se non ti sai spiegar", in der sie die Untreue des Geliebten beklagt, feuert Aldrich mit kräftigem Mezzo eine atemberaubende Schimpftirade mit sauber angesetzten Läufen ab und begeistert im Ausdruck und in der Diktion. Auch ihre große Rache-Arie, "Furie son dell' alma mia", in der sie bekennt, dass ihr Herz vor Eifersucht, Zorn und Wut rast, stellt einen weitereren musikalischen Höhepunkt des Abends dar. Zazzo hält mit großartigem Spiel dagegen, und man kann bei allem Unrecht, was Arsace den beiden Frauen antut, schon beinahe wieder Mitleid mit ihm bekommen. Rosmiras Wut treibt ihm zum Äußersten. Am liebsten würde er sich sofort wieder mit ihr versöhnen, auch wenn Partenope einen großen Reiz auf ihn ausübt. Aber Rosmira lässt sich ja nicht besänftigen. Erst als ihm als rettender Einfall die Idee kommt, das Duell mit nacktem Oberkörper auszuführen, gewinnt er Oberwasser und zeigt sich siegesgewiss. Neben seiner großartigen komödiantischen Leistung lässt Zazzo auch musikalisch keine Wünsche offen. Sein Countertenor schraubt sich sauber in exorbitante Höhen empor und bleibt dabei trotzdem viril. Während er in einem Großteil seiner Arien als Zweifler eher mit weich angesetzten Tönen überzeugt, dreht er in seiner großen Gleichnisarie "Furibondo spira il vento", in der er seine Situation mit der von einem Sturm gequälten Natur beschreibt, richtig auf und bringt den Saal mit furiosen Koloraturen und schnellen Läufen zum Toben.

Emöke Barath begeistert als Armindo mit jugendlichem Sopran und strahlenden Höhen. Den leidenden Liebenden nimmt man ihr stimmlich und darstellerisch in jedem Moment ab, auch wenn es im Libretto nicht gerade glaubhaft wirkt, dass Partenope sein Sehnen am Ende erhören soll. Dennoch dürfte er für sie eine bessere Partie als Emilio sein, da sie bei ihm zumindest nicht befürchten muss, ihre Vormachtstellung zu verlieren. John Mark Ainsley stattet den poltrigen Emilio mit kräftigem Tenor aus und überzeugt in seinen beiden Arien mit großer Beweglichkeit in den Läufen. Victor Sicard rundet als Ormonte das hervorragende Ensemble mit markantem Bariton ab. Maxim Emelyanychev, der für Ricardo Minasi als Dirigent eingesprungen ist, fühlt die Partitur am Cembalo und Dirigentenpult regelrecht mit und führt das Barock erfahrene Ensemble Il Pomo d' Oro mit sicherer Hand durch den zwar nicht kurzen, dafür aber absolut kurzweiligen Abend. Kleinere Probleme gibt es nur ab und zu bei der Einspielung der Übertitel, was den musikalischen Genuss aber nicht trüben kann, zumal auch mit den Patzern bei der Übertitelung die Handlung nachvollziehbar bleibt und sich die Komik durch das hervorragende Spiel der Solisten in jedem Moment erschließt. So gibt es am Ende verdienten Beifall für alle Beteiligten.

FAZIT

Wer sich von den Qualitäten dieses Werkes überzeugen möchte, dem sei die bei ERATO 2015 erschienene CD-Aufnahme empfohlen, auf der mit dem Ensemble Il Pomo d' Oro neben Gauvin, Barath und Ainsley auch Philippe Jaroussky zu erleben ist.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Maxim Emelyanychev

Il Pomo d' Oro

 

Solisten

Arsace
Lawrence Zazzo

Partenope
Karina Gauvin

Emilio
John Mark Ainsley

Armindo
Emöke Barath

Rosmira
Kate Aldrich

Ormonte
Victor Sicard


 


Weitere Informationen
erhalten Sie von der

Philharmonie Essen
(Homepage)



Da capo al Fine

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