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Lucia di Lammermoor

Tragische Oper im drei Akten
Libretto von Salvatore Cammarano nach Walter Scotts Roman The Bride of Lammermoor
Musik von Gaetano Donizetti

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3h (eine Pause)

Konzertante Aufführung am Sonntag, 29. Mai 2016
Alfried Krupp Saal in der Philharmonie Essen

 



Philharmonie Essen
(Homepage)

Die "weltbeste Koloratursopranistin" und mehr

Von Thomas Tillmann / Fotos von Saad Hamza

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Lucia di Lammermoor (Diana Damrau) hat den Gatten ermordet und ist dem Wahnsinn verfallen.

Als "weltbeste Koloratursopranistin" wird Diana Damrau im Programmheft bezeichnet, und in der Zeitung der Essener Philharmonie erfährt man: "Kaum eine andere Koloratursopranistin weltweit kann diese Musik ... so technisch und schauspielerisch überzeugend und zugleich emotional sinnlich präsentieren wie sie." Solche Vorschlusslorbeeren wirken auf den Rezensenten stets ein wenig verdächtig, zumal der Mitschnitt aus München aus dem Jahre 2013 in ihm keine Begeisterungsstürme auslösen konnte, sondern eine Rollenvertreterin vorstellte, die mit den ganz Großen des Fachs nicht wirklich mithalten konnte, zumal sie wahrlich kein wirklicher dramatischer Koloratursopran ist, wie ihn die Rolle und viele andere, die sie, glaubt man der aktuellen CD und den angekündigten Konzerten, in Angriff nimmt, an sich erforderte. Umso überraschter war ich, dass die Sängerin an diesem Maisonntag erheblich involvierter als in der erwähnten Einspielung klang, ihr Sopran hat an Rundung gewonnen, er hat in der Tiefe mehr Gewicht, die inzwischen auch besser an den Rest der Stimme angebunden ist, weist insgesamt mehr Farben auf, ist im Forte und bei den Spitzentönen konzentrierter - zweifellos hörte man nun eine hervorragende Interpretation der Partie. Dagegen empfand ich ihre darstellerischen Bemühungen, denen Recherchen in einer Nervenklinik und Gespräche mit Psychiatern vorausgegangen sind, als zu neckisch, zu hausbacken, zu banal und zu pauschal, als dass sie ihrer Rollendeutung Entscheidendes hinzugefügt hätten, im Gegenteil, das hysterisch-outrierte Herumgezappel, das unangenehm an die schlimmsten Momente einer Simone Kermes erinnerte, und die vielen (auch vokalen!) Showeffekte besonders in der Wahnsinnsszene, in der sie mit einer Glasharmonika konzertierte, lösten beim Rezensenten eher Schmunzeln und Kopfschütteln aus, denn die Deutsche hatte stimmlich wirklich genug zu bieten, um auf solche Nebensächlichkeiten verzichten zu können, zu denen ich auch die eigenwilligen Kostümideen und die wechselnden Frisuren rechne.

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Lucia (Diana Damrau) liebt Edgardo (Piero Pretti).

Viel zum Erfolg des Abends beigetragen hat Piero Pretti, dessen geschmeidiger, leicht ansprechender, nicht zu kleiner Tenor voller Glanz und Strahlkraft eine Entdeckung war, was den ungeheuren Vorteil hatte, dass die Spannung in der Vorstellung nach den letzten Tönen der Protagonistin nicht wie so oft nachließ, sondern bis zum eigentlichen Finale anhielt.

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Lucia (Diana Damrau) und ihr Vertrauter Raimondo (Nicolas Testé; im Hintergrund der Dirigent des Abends, Gianandrea Noseda)

Großen Eindruck hinterließ das effekt- wie kraftvolle, mitunter etwas vordergründig und machohaft wirkende Singen von Gabriele Viviani, was freilich zum Charakter des Enrico hervorragend passte; immerhin, auch einige feinere Nuancen waren zu bestaunen, die saftige Stimme verfügt über die ausreichende Agilität auch für solche Momente. Nicolas Testé (im wahren Leben Ehemann der Sopranistin) überzeugte als Lucias Vertrauter Raimondo mit satten, warmen, kontemplativen Basstönen jenseits von Kraftprotzerei. Mit leicht metallischem, sehr hellen Tenor war Francesco Marsiglia ein Gewinn, während Luca Casilin als in die Jahre gekommener Hauptmann Normanno doch einige Schwierigkeiten hatte, sich gegen die Orchesterfluten zu behaupten, während sich Choristin Daniela Valdenassi mit reifem, kompaktem Ton als Alisa auch im Sextett Gehör verschaffte. Claudio Fenoglio hatte den personenstarken Chor auf seine nicht häufigen, aber doch sehr gut im Gedächtnis bleibenden Einsätze exzellent vorbereitet (und wie bereichernd, dass hier Muttersprachlerinnen und Muttersprachler am Werke waren).

Gianandrea Noseda gab nicht viele Einsätze, häufig sahen die Solistinnen und Solisten ihn nur aus dem Augenwinkel, aber dennoch übertrug er seine spannende, pulsierende, schlüssige Werksicht auf alle Beteiligten und auf diesem Wege auch auf die Zuhörenden und war der stets vorwärts drängende, aber nie hetzende Motor eines mitreißenden Belcanto-Konzerts.

FAZIT

Zweifellos wäre diese konzertante Opernvorstellungen mit den bemerkenswerten Talenten des Teatro Regio Torino und ihrem Dirigenten Gianandrea Noseda auch ohne Mitwirkung des deutschen Koloraturstars ein Ereignis gewesen, die nichtsdestotrotz dem Abend großen vokalen Glanz verlieh.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Gianandrea Noseda

Choreinstudierung
Claudio Fenoglio

Chor und Orchester
des Teatro Regio Torino

Solisten

Lucia
Diana Damrau

Sir Edgardo di Ravenswood
Piero Pretti

Lord Enrico Ashton
Gabriele Viviani

Raimondo Bidebent
Nicolas Testé

Lord Arturo Bucklaw
Francesco Marsiglia

Normanno
Luca Casilin

Alisa
Daniela Valdenassi


 


Weitere Informationen
erhalten Sie von der

Philharmonie Essen
(Homepage)



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