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Klavierfestival Ruhr 2016

Ibach-Haus Schwelm, 24. Mai 2016



Till Fellner
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Klavierfestival Ruhr

Last der Routine

Von Stefan Schmöe

Schwelm liegt an diesem Abend auf dem Weg von Stuttgart nach London. Weil der angekündigte Francesco Piemontesi sich am Vortag dieses Konzertes krankheitsbedingt entschuldigen ließ, sprang Till Fellner ein - zwischen zwei Konzerten eben in Stuttgart und London. Bereits elfmal hat Fellner beim Klavierfestival Ruhr gastiert, und mit Schumann, Berio und Beethoven im Gepäck reiste er jüngst ohnehin um die halbe Welt - und jetzt nach Schwelm. (Der Vollständigkeit halber: Geographisch exakter verortet man das Städtchen zwischen Hagen und Wuppertal, und auf der klavieristischen Landkarte ist es wegen der ortsansässigen traditionsreichen Klaviermanufaktur Ibach.)

Foto

Till Fellner (Foto © Gabriela Brandenstein/Klavier-Festival Ruhr)

So viel Konzertroutine kann freilich auch hinderlich sein. Es mag dem kurzfristigen Einspringen geschuldet sein (und natürlich gebührt Fellner Dank, dieses Konzert gerettet zu haben), dass vieles an diesem Abend mehr routiniert als inspiriert klang. Manche der Papillons von Robert Schumann gerieten reichlich etüdenhaft, andere recht unklar im Rhythmus, als käme es nicht so darauf an, und zwischen den zwölf kurzen Stücken lässt Fellner keine Pause, reiht nahtlos eines ans nächste, wo es doch schon der wechselnden Tonarten wegen kurze Atempausen bräuchte. Und auch innerhalb der Stücke bedürfte es hier und da einer bewusster empfundenen Zäsur oder eines kleinen Ritardandos. Nicht, dass Fellner undifferenziert spielen würde, aber vieles blieb - auch bei den anderen Werken des Abends- collagenartig nebeneinander stehen.

Programmatisch belebt Fellner das Programm mit einem Werk der Moderne. Die Cinque Variazioni des italienischen Komponisten Luciano Berio (1925 - 2003) sind ein durchaus interessanter Kontrast zu Schumann, beginnen sie bei aller Modernität doch mit fast impressionistisch verhangenem Gestus, wenden sich zwischenzeitlich aber zu einer maschinenartigen Motorik, um dann zart entrückt zu schließen. Fellner arbeitet die unterschiedlichen Klangfarben und rhythmischen Strukturen dieser 10 Minuten kurzen fünf Variationen plastisch heraus.

Beethovens merkwürdige Es-Dur-Sonate op.27/1 beginnt provokativ naiv mit einem scheinbar harmlosen Terzmotiv in der rechten und einer auf-, dann absteigenden Tonleiter in der linken Hand als Antwort darauf. Bei Fellner bleibt die Beziehung zwischen diesen beiden Motiven unklar, sie laufen nebeneinander her - und dadurch verliert der Satz an architektonischer Spannung. Mehr scheint der Pianist von der Bezeichnung Sonata quasi una Fantasia inspiriert zu sein, spielt die Sonate aus der romantischen Perspektive, und manche Wendung gerät da mehr zum Überrumplungs- denn zum Überraschungseffekt.

Nach der Pause dann Schumanns große C-Dur-Fantasie op. 17. Vieles bleibt pauschal, die linke Hand ist für meinen Geschmack zu massiv, mancher Triller wird zu wichtig genommen, die Themen bleiben dagegen oft statisch. Der schnelle Mittelsatz endet in großer pathetischer Geste, dass mancher im Publikum denkt, das Stück sei vorbei. Das träumerische Finale hat András Schiff drei Tage zuvor beim Klavierfestival Ruhr in der Wuppertaler Stadthalle um Längen delikater gespielt. Als Zugabe wählte Fellner aus Schumanns Carneval op.9 die Nr. 5 Eusebius, die er seinem erkrankten Kollegen widmete. Eine sympathische Geste, aber aus dem Kontext gerissen und alles andere als eine typische Zugabe suggeriert die eher schliche (und mit wenig Raffinement vorgetragene) Miniatur: Leute, es reicht. Das Publikum bestand nicht auf weiteren Zugaben.




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Klavierfestival Ruhr 2016
Schwelm, Ibach-Haus
24. Mai 2016


Ausführende

Till Fellner, Klavier



Programm

Robert Schumann:
Papillons op.2

Luciano Berio:
Cinque Variazioni

Ludwig van Beethoven:
Sonate Nr. 13 Es-Dur op.27/1

Robert Schumann:
Fantasie C-Dur op. 17

als Zugabe:
Robert Schumann:
aus Carneval op.9: Nr. 5 Eusebio





Weitere Informationen
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Klavierfestival Ruhr
(Homepage)








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