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Klavierfestival Ruhr 2016

Stadthalle Mülheim an der Ruhr, 22. April 2016



Sophie Pacini
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Klavierfestival Ruhr

Romantik ohne Schleier

Von Stefan Schmöe / Fotos von Frank Mohn/KFR

Eigentlich sollte Mitsuko Uchida an diesem Abend in der Mülheimer Stadthalle spielen, aber die sagte am Vortag wegen einer Erkrankung ab. Kurzfristig sprang Sophie Pacini ein, gerade einmal 24 Jahre alt, in München geboren, deutsche Mutter und italienischer Vater, Jung- und Hochbegabtenstudium am Salzburger Mozarteum. Diverse Preise hat sie bereits gewonnen, zuletzt wurde sie im vergangenen Jahr medienwirksam mit dem ECHO Klassik ("Beste Nachwuchskünstlerin Klavier") ausgezeichnet und stellte sich damit als Vertreterin einer ganz jungen Generation am Klavier vor - erneut, muss man sagen, denn debütiert hatte sie beim Klavierfestival Ruhr bereits 2012.

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Sophie Pacini beginnt mit Schuberts düsterer Sonate a-Moll D 784 aus dem Jahr 1823. Sie nimmt die Oktavgänge im Eingangssatz eher schroff und hebt die neuartigen, fahlen Züge des Werkes hervor. Die Phrasierung ist immer zielgerichtet - die Pianistin weiß, wohin sie will. Das Pedal setzt sie (den ganzen Abend über) sehr sorgfältig dosiert ein, und auch dadurch ist die Musik von großer Klarheit. Mir fehlte im Kontrast dazu ein wenig das lyrische, "singende" Element, auch die Unerbittlichkeit des Rhythmus', die sich durch den Kopfsatz hindurch zieht - vieles ist im Spiel von Sophie Pacini angelegt, aber noch nicht vollends ausgereift. Den differenziert gespielten Mittelsatz hält sie in der bedrohlichen Atmosphäre der Randsätze ohne falsche Behaglichkeit. Den Finalsatz nimmt sie in flottem Tempo und spielt die Triolenketten in großem Bogen auf den ersten ff-Zielpunkt hin, wobei ein wenig die rhythmische Klarheit auf der Strecke bleibt, wie überhaupt in den schnellen Passagen die Gestaltung ein wenig pauschaler wird.

Das setzt sich in Chopins Scherzo Nr. 2 in b-Moll ähnlich fort: Wenn die hochvirtuosen Abschnitte kommen, dann scheint die Pianistin tief einzuatmen - und spielt das dann technisch brillant, kraftvoll und präzise, quasi im "Virtuosen-Modus", aber da gelingt es noch nicht ganz überzeugend, die rasanten Läufe in den musikalischen Fluss einzubauen. Interessant ist der Vergleich mit Lang Lang, der ein paar Tage zuvor beim Klavierfestival Ruhr dasselbe Werk spielte und an den Bravourstellen lässiger und entspannter wirkte. Was die Gesamtgestaltung und die innere Logik betrifft, hinterlässt Sophie Pacini den deutlich stärkeren Eindruck - sie hat die Struktur im Sinn, bezieht Abschnitte aufeinander und vermittelt ein sehr durchdachtes Bild vom Aufbau der Komposition.

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Zuvor hatte Sophie Pacini unprätentiös und aufgehellt statt mulmig-nachtverschattet zwei Nocturnes von Chopin gespielt (dem populären in-Moll fehlt es ein wenig an Gelassenheit in den schnellen Noten). Nach der Pause knüpft sie mit den ersten drei der Consolations von Franz Liszt wunderschön daran an, trifft hervorragend den schlichten Grundton, ohne an Farbigkeit zu verlieren - schade, dass sie die letzten drei nicht auch noch auf das (ohnehin eher kurze) Programm gesetzt hat. Stattdessen gab es Liszts Bearbeitung von Wagners Tannhäuser-Ouvertüre, mit einigen Eigenwilligkeiten interpretiert - ob die Pianistin damit die pianistische Eigenständigkeit des Werkes gegenüber der Vorlage betonen wollte? Die überdeutliche Verlängerung der ersten Triolen-Achtel im Pilgerchor-Motiv etwa bringt die Hörgewohnheit (ohne großen Gewinn) durcheinander, an anderen Stellen dominieren die Nebenstimmen allzu stark gegenüber der Melodieführung. Geschlossener klang da Liszts sechste, als Zugabe gespielte Ungarische Rhapsodie, zielstrebig streng und weitab jeden Folklorismus gespielt.




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Klavierfestival Ruhr 2016
Mülheim an der Ruhr, Stadthalle
22. April 2016 2016


Ausführende

Sophie Pacini, Klavier



Programm

Franz Schubert:
Sonate Nr. 14 a-Moll op.143 D 784

Frederic Chopin:
Nocturne h-Moll op.9 Nr.1
Nocturne Des-Dur op. 27 Nr.2

Franz Liszt:
aus: Consolations
Nr. 1 E-Dur / Nr. 2 E-Dur / Nr. 3 Des-Dur

Franz Liszt / Richard Wagner:
Ouvertüre zu Tannhäuser



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Klavierfestival Ruhr
(Homepage)








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