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La Gioconda

Dramma lirico in quattro atti
von Tobia Gorrio (Arrigo Boito)
Musik von Amilcare Ponchielli

in italienischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 3h 55' (eine Pause)

Konzertante Aufführung in der Stadthalle Ternitz am 2. April 2016

 



Amici del Belcanto
(Homepage)

Enthusiasmus pur bei den „Amici del Belcanto“

Von Thomas Tillmann

Bereits zum zweiten Mal organisierten die Amici del Belcanto eine Aufführung von Ponchiellis wunderbarer La Gioconda (am 23.10.1999 hatte man Kathleen McCalla, Bruna Baglioni, Ruza Baldani, Lando Bartolini, Mauro Augustini und Bonaldo Giaiotti für die sechs Hauptpartien gewinnen können; am 25.09.2009 hatte man in der Stadtpfarrkirche Neunkirchen auch die Cantata a Donizetti des Puccini- und Mascagni-Lehrers sowie erneut Auszüge aus der genannten Oper gegeben, Solisten waren damals Monica Chavez, Vivian Cooksley, Ignacio Encinas, Sergio Bologna und Alexander Teliga). Ist das nicht großartig, was diese Opernliebhaber mit ihren begrenzten Mitteln, aber einem unerschütterlichen Enthusiasmus immer wieder auf die Beine stellen, wie sie es immer wieder schaffen, hochkarätige Stars dazu zu bewegen, ohne Gage in der niederösterreichischen Provinz aufzutreten?

Iano Tamar könnte mit ihrem aufregend-apart timbrierten, reichen, expressiven, wirklich besonderen Sopran eine wunderbare Gioconda sein, wenn sie die Partie wirklich lernen würde, was ihr bis zur Aufführung leider nicht ganz gelungen ist, immer wieder gab es kleinere Einsatzprobleme und rhythmische Ungenauigkeiten. Die Stimme ist durchaus richtig für die diffizile Titelpartie, auch wenn es ihr am allerletzten hochdramatischen Aplomb fehlt (das war bei Cherubinis Medea/Médée oder der Lady Macbeth nicht anders), sie hat Klang und Gehalt in der Tiefe, Glanz auch in der Extremhöhe, verliert auch im Piano nicht an Substanz - das "Suicidio" etwa hatte Weltklasse! -, und nicht zuletzt hat sie noch immer die Agilität für die vertrackten letzten Phrasen (hier profitierte die Künstlerin von ihrer Erfahrung in vielen verzierten Partien). Und so wünscht man sich, Iano Tamar wieder öfter an großen Häusern beispielsweise in Verdipartien zu erleben, in diesem Fach hat sie viel mehr anzubieten als manch besser gebuchte Kollegin.

Eine Wucht ist auch der dramatische Bariton von Sergey Murzaev, der Alberto Gazale mehr als ersetzte: welch dunkler, wuchtig-satter, konzentriert-kompakter Ton, welche Klangfülle - ein sensationeller Barnaba, der enorm gefeiert wurde. Kaum weniger imposant präsentierte sich Gustavo Porta als Enzo, sein robuster, nicht mehr ganz junger, dafür aber sehr belastbarer, über viel squillo verfügender Tenor schien vor allem in der Höhe keine Grenzen zu kennen; noch beeindruckender fand ich indes die wunderbaren Morendi und andere Feinheiten im "Cielo e mar". Duccio dal Monte, dem der ganze Saal ein enthusiastisches "Tanti auguri" schmetterte, machte alles aus der Arie des Alvise, transportierte beklemmend die Brutalität, aber auch die Verletztheit des betrogenen Gatten. Marianne Cornetti, die statt Luciana d'Intino nach Ternitz gekommen war, lieh der Laura ihren fülligen, metallischen, vor allem aber gebieterisch lauten dramatischen Mezzosopran, feinere Nuancen waren die Sache der Amerikanerin nicht, auch nicht im eher überrumpelnden "Stella di marinar" und im Duett mit Gioconda (die Titelpartie hat sie übrigens auch schon gesungen, aber der Ausflug ins Sopranfach war offenbar nur ein kurzer) – man fühlte sich an das berühmte "Anything You Can Do, I Can Do Louder" aus Annie Get Your Gun erinnert.

Den eigentlichen Showstopper des Abends landete Elena Zilio (statt Elisabetta Fiorillo) mit einem wunderbaren, intensiven "Voce di donna". Die Stimme der Italienerin, die 1963 (!) debütiert hat, ist natürlich nicht mehr die einer Vierzigjährigen, aber was sie an Nuancen, an Farben, an interpretatorischer Raffinesse immer noch anzubieten hatte, wie satt die Tiefe klang, wie fein und sicher ihr Piano wie ihr Legato waren, das war große Kunst, vor allem aber ihr erfülltes, den Text wirklich auslotendes Singen.

Wichtige Stichworte lieferte engagiert Vereinsmitglied Stefan Tanzer mit ordentlichem Bass, Gerhard Motsch hat sich im benachbarten Neunkirchen im Sozialen und Kulturellen große Verdienste erworben, da sei ihm das Mitwirken als Tenorcomprimario sehr gegönnt.

Nach reichlich nervösem Beginn fand das Orchester der Staatsoper Banska Bystrica zu sehr ordentlicher Form. Am Pult sorgte Marian Vach für mächtige Steigerungen, die aber nie außer Kontrolle gerieten und das Solistenensemble nie in Schwierigkeiten brachten, das sich im Gegenteil über einen fairen, uneitlen Begleiter freuen durfte. Sicher, manche intimere Passage hätte etwas raffinierter musiziert werden können, nicht aber die berühmte, glänzend einstudierte und das österreichische Publikum mit ihren rasanten Galoppsequenzen begeisternde Danza. Und auch die durchaus differenziert und klangschön singenden Damen und Herren des Chores hinterließen in einer umsichtigen Einstudierung von Iveta Popovicova einen deutlich besseren Eindruck als manch deutsches Stadttheaterkollektiv.

FAZIT

Das Publikum liebte das Gebotene, fast nach jeder Nummer wurde lange frenetisch applaudiert, Brava- und Bravorufe hallten durch die Ternitzer Stadthalle, in die sich auch die Botschafter von Estland, Indien, Italien, Jordanien, Russland, Serbien und Südafrika begeben hatten, stolz vor der Vorstellung begrüßt vom rührigen Vorsitzenden der Amici, Michael Tanzler.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Marian Vach

Chor
Iveta Popovicova

Chor und Orchester der
Staatsoper Banska Bystrica

 

Solisten

La Gioconda
Iano Tamar

Laura Adorno
Marianne Cornetti

Alvise Badoero
Duccio dal Monte

La Cieca
Elena Zilio

Barnaba
Sergey Murzaev

Zuane, Barnabotto,
2. Gondoliere
Stefan Tanzer

Iseppo, Un cantore,
Pilota, 1. Gondoliere
Gerhard Motsch


Weitere Informationen
erhalten Sie  

Amici del Belcanto
(Homepage)



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