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Musiktheater
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Willkommen zum Fest!

"Fest"-liche Opernszenen
Musik von Pietro Mascagni, Johann Strauß, Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini, Richard Wagner, Jacques Offenbach,
Georg Friedrich Händel, Charles Gounod, Georges Bizet und Gaetano Donizetti

in deutscher, italienischer, französischer und lateinischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 15' (eine Pause)

Aufführung im Opernhaus Wuppertal am 29. August 2015



Wuppertaler Bühnen
(Homepage)
Saisonauftakt mit dem Wuppertaler Opernchor


Von Thomas Molke

An zahlreichen Opernbühnen ist es mittlerweile Tradition geworden, zum Saisonbeginn mit einem Konzert Werbung für die kommende Spielzeit zu machen. In der Regel nutzen dann die Intendanten des Hauses die Gelegenheit, das Publikum zu begrüßen und neben den künftigen Produktionen auch neue Ensemblemitglieder vorzustellen oder, wie beispielsweise im Musiktheater im Revier, einzelne Künstlerinnen und Künstler für besonders herausragende Leistungen in der vergangenen Spielzeit auszuzeichnen. Doch was macht ein Haus, bei dem in der letzten Spielzeit das Opern-Ensemble aufgelöst worden ist? Hier hat sich Corinna Jarosch, Spielleiterin an den Wuppertaler Bühnen, die bereits in der letzten Spielzeit in einem Konzert die Mitglieder des neu gegründeten Opernstudios vorgestellt hat, etwas Besonderes ausgedacht und den Opernchor der Wuppertaler Bühnen ins Zentrum gestellt. So gibt es zwar keinen Vorgeschmack auf die kommende Spielzeit, aber dennoch einen bunten Reigen durch berühmte Szenen der Opernliteratur, die von Thomas Braus, Ensemble-Mitglied des Schauspiels, mit unterhaltsamen Zwischentexten verbunden werden. Dass der zum Ende der Spielzeit scheidende Opernintendant Toshiyuki Kamioka sich zu diesem Konzert nicht einmal blicken lässt, ist zwar ein Armutszeugnis. Aber so richtig vermisst haben dürfte ihn an diesem Abend eigentlich keiner.

Bei diesem Konzert darf der Chor nicht nur seine gesanglichen Qualitäten unter Beweis stellen, sondern wird von Jarosch in den einzelnen Auszügen auch noch geschickt in Szene gesetzt. So tritt er in feiner Abendgarderobe vor dem Sinfonieorchester Wuppertal auf, das auf der Bühne hinter dem Chor platziert ist, und eröffnet den Abend an fein geschmückten Stehtischen mit "Brindisi", dem Trinklied aus Verdis La Traviata. Dabei überzeugt der Chor nicht nur mit fulminantem Gesamtklang, sondern auch die Partien der Violetta und des Alfredo werden von den Chormitgliedern Ja-Young Park und Sehyuk Im beachtlich interpretiert. Natürlich ist es auch dem sehr umsichtigen Dirigat des Chordirektors Jens Bingert zu verdanken, der das Sinfonieorchester Wuppertal beim Solo-Gesang etwas zurücknimmt, dass Parks Sopran und Ims Tenor wunderbar zur Geltung kommen. Dennoch ist es bemerkenswert, welche Talente in diesem Chor schlummern. Auch beim Finale des zweiten Aktes aus Donizettis Lucia di Lammermoor punkten Park und Im als Lucia und ihr Geliebter Edgardo. Wenn Lucia von ihrem Vater gedrängt werden soll, den Ehevertrag mit Arturo zu unterschreiben, tritt Im als Edgardo durch den Zuschauersaal auf und verhindert mit kräftigem Tenor die Hochzeit. Hak-Young Lee begeistert als Lucias Vater Enrico im folgenden "Chi me frena in tal momento?" mit profundem Bariton.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends ist die "Olympia-Szene" aus Offenbachs Hoffmanns Erzählungen mit der Sopranistin Hong-Ae Kim als Olympia. Während der Chor die Einleitung dazu auf Deutsch präsentiert, trägt Kim die Arie der Olympia "Les oiseaux dans la charmilles" in der Originalsprache vor. In einem großen Karton wird Kim zunächst auf die Bühne gefahren und dem staunenden Publikum enthüllt, bevor sie dann in marionettenhaften Bewegungen die Arie mit sauberen Höhen und klaren Koloraturen interpretiert. Auch die Komik kommt in dieser Szene nicht zu kurz, wenn Kim in sich zusammensackt und von ihrem Schöpfer Spalanzani (Marco Agostini) mit einem riesigen Schlüssel wieder "aufgezogen" werden muss. Eingerahmt wird diese Szene von Thomas Braus mit einem leicht makabren Auszug aus H. C. Artmanns die hochzeit caspars mit gelsomina, in dem Braus als triebhafter junger Mann berichtet, dass er sich nun eine Puppe aus Asien schicken lassen wolle, um seine sexuellen Bedürfnisse nicht mehr an Frauen befriedigen zu müssen, die sich seinen Wünschen gegenüber verwehren und deren Väter ihn anschließend zu einer Ehe mit dem entehrten Mädchen zwingen wollen. Wenn Braus am Ende der Szene den Karton, in dem Olympia hereingebracht wurde, von der Bühne fährt und dabei mit einem irren Blick kundtut, dass seine Puppe aus China nun angekommen sei, sorgt das zwar beim Publikum für Erheiterung, hinterlässt allerdings auch einen bitteren Nachgeschmack.

Neben diesen herausragenden solistischen Leistungen überzeugt der Chor auch in seiner eigentlichen Funktion als harmonischer Klangkörper. Zu erwähnen sind hier vor allem der "Osterchor" aus Mascagnis Cavalleria rusticana und das "Requiem" aus Puccinis selten aufgeführter Oper Edgar. Schade ist höchstens, dass der Chor bei den meisten Szenen mit Textbuch auftritt, was die darstellerische Umsetzung ein bisschen behindert. Gut in Szene gesetzt wird auch der "Walzer" aus Gounods Faust. Hier greift der Chor die zuvor von Braus rezitierte "Tischrede" aus Gert Jonkes Stoffgewitter auf, in der festgestellt wird, dass die Musik in den Köpfen der Menschen entstehe und aus ihnen erklinge, so dass die Mitglieder des Chors zunächst die Köpfe aneinander halten und auf den Klang im Kopf des anderen lauschen, bevor sie sich vergnügt im Walzerschritt wiegen. Zum berühmten "Les voici! Les voici!" aus Bizets Carmen statten sie dann Braus zu einem Torero aus, der dann zu Bizets Klängen regelrecht abrockt.

Braus gelingt es, mit seiner beeindruckenden Intonation und einer variablen Sprachmelodie die Textpassagen zwischen den einzelnen Chorszenen zu einem weiteren Höhepunkt des Abends werden zu lassen, ob es nun der Prolog aus H. C. Artmanns die hochzeit caspars mit gelsomina ist, in dem er als Koch den Zuschauern ein Rezept aus einem zu bratenden Installateur schmackhaft machen will, oder seine großartige Rede "Zum Abschied" aus Gert Jonkes Insektarium, in dem er dem Publikum mitteilt, dass er es nur als Gesamtheit wiedersehen wolle, da er jeden einzelnen weder erkennen könne, noch irgendein Interesse an dem Individuum habe. Die Gesamtheit wolle er aber zunächst alle vierzehn Tage und später noch öfter treffen, einmal hier und einmal bei sich auf einer Dachterrasse, wo alle einigermaßen Platz fänden und nur ab und zu jemand herunterfallen würde. Den Abschluss macht dann Strauß' Fledermaus mit dem obligatorischen "Im Feuerstrom der Reben" und "Brüderlein", zu dem sich der Chor auf Picknickdecken auf der Bühne niederlässt. Dieses abwechslungsreiche Programm, das Bingert am Pult des Sinfonieorchesters Wuppertal mit sicherer Hand leitet, wird vom Publikum zu Recht mit großem Applaus bedacht.

FAZIT

Die Wuppertaler Bühnen, die in dieser Spielzeit noch ohne festes Opern-Ensemble auskommen müssen, machen aus der Not eine Tugend und zeigen in diesem Konzert beeindruckend, wie vielseitig der Wuppertaler Opernchor ist.

Programm des Konzertes

Giuseppe Verdi: La Traviata: "Brindisi" (Trinklied) (Ja-Young Park, Sehyuk Im, Qian Zhang, Tomasz Kwiatkowski, Jochen Bauer)

Thomas Bernhard: aus Ein Fest für Boris (Thomas Braus)

Richard Wagner: Lohengrin: Hochzeitschor "Treulich geführt" (Barbara Pickenhahn, Katrin Natalicio, Banu Schult, Ute Temizel)

H. C. Artmann: Prolog zu  die hochzeit caspars mit gelsomina (Thomas Braus)

Gaetano Donizetti: Lucia di Lammermoor: Finale II (Ja-Young Park, Sehyuk Im, Jaroslaw Nowaczek, Hak-Young Lee, Mario del Rio d'Alencon, Ute Temizel)

H. C. Artmann: aus aufbruch nach amsterdam (Thomas Braus)

Johann Strauß (Sohn): Eine Nacht in Venedig: Finale 1. Akt (Jung-Wook Kim)

Sándor Márai: aus Die Gräfin von Parma (Thomas Braus)

Giacomo Puccini: Edgar: "Requiem" (Katrin Natalicio)

Gert Jonke: aus Gegenwart der Erinnerung (Thomas Braus)

Georg Friedrich Händel: Semele: Finale (Nathan Northrup)

H. C. Artmann: aus die hochzeit caspars mit gelsomina (Thomas Braus)

Jacques Offenbach: Hoffmanns Erzählungen: "Olympia-Szene" (Hong-Ae Kim, Marco Agostini, Tomasz Kwiatkowski, Banu Schult)

Pietro Mascagni: Cavalleria rusticana: "Osterchor" (Tanja Ball)

Gert Jonke: "Tischrede" aus Stoffgewitter (Thomas Braus)

Charles Gounod: Faust: "Walzer"

Gert Jonke: Warten auf den Ausbruch der allgemeinen Heiterkeit

Georges Bizet: Carmen: Beginn 3. Akt

Gert Jonke: "Zum Abschied" aus Insektarium (Thomas Braus)

Johann Strauß (Sohn): Die Fledermaus: "Im Feuerstrom der Reben", "Brüderlein" (Katharina Greiß, Barbara Pickenhahn, Nathan Northrup, Andreas Heichlinger, Tanja Ball, Qian Zhang)

 


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(Veröffentlichung vorbehalten)

Produktionsteam

Musikalische Leitung und Chor
Jens Bingert

Inszenierung
Corinna Jarosch

Kostüme
Petra Leidner

Licht
Henning Priemer


Ausführende

Opernchor der Wuppertaler Bühnen

Sinfonieorchester Wuppertal

Rezitation
Thomas Braus


Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Wuppertaler Bühnen
(Homepage)



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