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1. Philharmonisches Konzert
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Werke von Paul Dukas, Claude Debussy und Peter Tschaikowsky

Aufführungsdauer: ca. 2h (eine Pause)

Aufführung am 27. September 2016, 20.00 Uhr
Großer Saal im Konzerthaus Dortmund

 

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Zauber der Musik

Von Thomas Molke / Foto: Anneliese Schürer (© Dortmunder Philharmoniker)

Unter das Thema "Zauber-/Märchenwelten" hat Generalmusikdirektor Gabriel Feltz die Philharmonischen Konzerte in dieser Spielzeit gestellt und schafft es, mit dem Programm das Publikum so neugierig zu machen, dass selbst das zeitgleich in Dortmund stattfindende Champions-League Spiel gegen Real Madrid kaum für einen Zuschauerschwund sorgt und das Konzerthaus beim ersten Philharmonischen Konzert sehr gut besucht ist. Für die Eröffnung der Saison hat Feltz aber auch ein Werk ausgewählt, das zahlreichen Besuchern nicht nur als Ballade aus dem Deutschunterricht noch bekannt sein dürfte, sondern auch durch den Zeichentrickfilm Fantasia mit Micky Maus zu Weltruhm gelangt ist: Paul Dukas Der Zauberlehrling. Kaum ein Werk, so Gabriel Feltz, sei für den Einstieg in die "Zauber- und Märchenwelten" geeigneter als die Geschichte vom Zauberlehrling, der die von ihm gerufenen Geister nicht mehr los wird. Paul Dukas, dessen übriges kompositorisches Schaffen eher ein Schattendasein führt, hat es mit dieser 1897 komponierten Programmmusik verstanden, Goethes Ballade mit zauberhaften musikalischen Bildern auszuschmücken.

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Gabriel Feltz mit den Dortmunder Philharmonikern

Schon in der Einleitung klingt das immer wiederkehrende Besen-Motiv bereits an. Hier hat man von der Instrumentierung aber noch den Eindruck, dass es der Lehrling selbst ist, der die Eimer ins Haus schleppen muss. Dass er von dieser Arbeit nicht gerade begeistert ist, lässt sich nicht überhören. Wenn der Hexenmeister aus dem Haus ist, ergibt sich die Gelegenheit, dessen Rolle zu übernehmen. Großartig wird mit dem Kontrafagott mit langen Pausen das allmähliche Erwachen des Besens umgesetzt, erst nur ganz ruckhaft und dann allmählich in einen fröhlichen arbeitsamen Rhythmus übergehend. Die Streicher übernehmen nun die Aufgabe, die Ausbreitung des Wassers zu illustrieren. Zunächst füllt es sich Schalen und Becken, bevor diese dann allmählich überlaufen. Der Lehrling will den Besen stoppen, doch leider hat er den richtigen Zauberspruch vergessen. Mit großer Dramatik lässt Gabriel Feltz mit den Dortmunder Philharmonikern den Wasserpegel im Haus regelrecht anschwellen, bis der Lehrling sich keinen Rat mehr weiß und den Besen mit dem Beil zerstört. Doch die einkehrende Ruhe trügt. Langsam erwacht der Besen mit dem Fagott wieder zum Leben und hat sich durch die Spaltung verdoppelt. Diese Dopplung wird von der Klarinette ausgedrückt, die nun ebenfalls das Thema des Besens und damit seine Arbeit übernimmt. Erst die Rückkehr des Zauberers kann dem Spuk mit vollem Orchestereinsatz ein Ende setzen. Auch wenn man dieses Stück aus dem Disney-Film oder von CD gut kennt, gelingt es Feltz, mit dem Philharmonischen Orchester durch das Live-Erlebnis das Werk mit einer völlig neuen Dramatik erklingen zu lassen.

Der zweite Teil gehört dann einer ganz anderen Zauberwelt, die auf deutschen Konzertbühnen relativ selten zu erleben ist: Claude Debussys "Ibéria". Hierbei handelt es sich um den zweiten Satz des dreiteiligen Zyklus Images, den Debussy zunächst zwischen 1905 und 1907 für Klavier komponiert hatte und anschließend für ein ganzes Orchester instrumentierte, um Impressionen von fremden Ländern im Musik einzufangen. Mit "Ibéria" zeichnet Debussy ein klangmalerisches Fantasiebild von Spanien, das in der Grundstruktur zwar genauso wenig spanisches Lokalkolorit besitzt wie Bizets Carmen, den Zuhörer aber dennoch in der Charakteristik der Musik daran erinnert. "Ibéria" ist in drei Teile unterteilt, wobei der erste Teil die Reise in das imaginäre Land beschreibt, während die weiteren beiden Teile Eindrücke einer Nacht und eines Morgens vermitteln. Mit klappernden Kastagnetten und einer an den Bolero erinnernden Musik lässt Debussys Musik zunächst Szenen am geistigen Auge des Zuhörers vorbeiziehen, die man wahrnimmt, wenn man sich auf einer belebten Straße befindet. Im zweiten Teil ist man dann am Ziel der Reise angekommen und kann nun die Gegend mit all ihren Düften und Gerüchen erkunden. Was das für Düfte sind, die der Zuhörer in puren Andeutungen als "Les parfums de la nuit" wahrnimmt, ist dem Zuhörer selbst überlassen. Teilweise erinnert die Musik an orientalischen Tanz, dann wiederum scheint eine streunende Katze durch die Gassen zu schleichen. Während die Trennung der ersten beiden Sätze relativ deutlich erfolgt, ist der Übergang zum dritten Satz absolut fließend. Der Morgen bricht herein und setzt dem nächtlichen Treiben ein Ende. Mit dem beginnenden Tag erhält die Musik wieder klarere Strukturen. Die Dortmunder Philharmoniker setzen Debussys Klangfarben unter der Leitung von Feltz filigran um.

Nach der Pause geht es dann mit Tschaikowskys 5. Sinfonie e-Moll op. 64 weiter. Obwohl sie mit der vierten und sechsten Sinfonie zu Tschaikowskys am meisten gespielten Sinfonien zählt, hielt Tschaikowsky selbst sie für nicht gelungen, was vielleicht daran lag, dass die Presse bei der Uraufführung 1888 in St. Petersburg nicht begeistert war. Das Publikum ließ sich jedoch vom vernichtenden Urteil nicht beeinflussen. Bekannt ist sie vor allem als "Schicksalssinfonie", wobei Feltz dieser Deutung eher kritisch gegenübersteht. Für ihn ist sie vielmehr Ausdruck von Tschaikowskys privaten Problemen mit seiner nicht ausgelebten Sexualität. So erinnert das von den Klarinetten in tiefen Registern gespielte Andante an einen Trauermarsch und manifestiert in düsteren Molltönen immer wieder die negative Grundeinstellung des Komponisten. Immer wieder bäumt er sich mit pulsierenden Klängen gegen diese Schwermut auf, doch am Ende fällt die Musik immer wieder in eine depressive Stimmung zurück. Dieser düstere Klang durchzieht alle vier Sätze und lässt keine Hoffnung aufkommen. Feltz arbeitet mit den Philharmonikern diese Emotionen sorgfältig heraus und sorgt damit für einen fulminanten Abschluss dieses Konzertes.

FAZIT

Gabriel Feltz entführt mit den Dortmunder Philharmonikern in drei völlig unterschiedliche Zauberwelten und begeistert mit einem großartigen Saisonauftakt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Gabriel Feltz

Dortmunder Philharmoniker

 

Werke

Paul Dukas
Der Zauberlehrling
Scherzo nach einer Ballade von Goethe

Claude Debussy
"Ibéria" aus Image - Drei Bilder für Orchester
I. Par les rue et par les chemins
II. Les parfums de la nuit
III. Le matin d'un jour de fête

Peter Tschaikowsky
5. Sinfonie e-Moll op. 64
I. Andante - Allegro con anima
II. Andante cantabile con alcuna licenza
III. Valse: Allegro moderato
IV. Finale: Andante maestoso - Allegro vivace


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Dortmund
(Homepage)



Da capo al Fine

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