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Orchesterzyklus I - Meisterkonzerte
Münchner Philharmoniker


Valery Gergiev, Dirigent

Aufführungsdauer: ca. 2h 25' (eine Pause)

Freitag, 13. Januar 2017, 20.00 Uhr
Großer Saal im Konzerthaus Dortmund

 


(Homepage)

Meisterwerke des 19. Jahrhunderts 

Von Thomas Molke / Foto von Alexander Shapunov

Während sich das kulturelle Hauptinteresse in diesen Tagen auf die ersten Konzerte in der neu eröffneten Elbphilharmonie in Hamburg konzentriert, hält das Konzerthaus Dortmund im Rahmen der Meisterkonzerte mit dem russischen Stardirigenten Valery Gergiev und den Münchner Philharmonikern dagegen. Seit 2005 ist Gergiev, der seit mehr als zwei Jahrzehnten das Mariinsky-Theater in St. Petersburg leitet und es in eine Hochstätte der russischen Opernkultur verwandelt hat, regelmäßiger Gast im Konzerthaus und hat im Laufe der Jahre bereits zwei Zeitinsel-Festivals gestaltet. In der Spielzeit 2015/2016 hat er Lorin Maazel als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker abgelöst und präsentiert nun in Dortmund ausgewählte Meisterwerke des 19. Jahrhunderts, die in ihrer Charakteristik kaum unterschiedlicher sein könnten und den Münchner Philharmonikern die Möglichkeit geben, ihre Vielseitigkeit eindrucksvoll unter Beweis zu stellen.

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Valery Gergiev

Den Anfang macht Claude Debussys berühmtes Werk Prélude à l'après-midi d'un faune. Debussy hatte es in den Jahren 1892 bis 1894 auf ein Gedicht von Stéphane Mallarmé konzipiert und instrumentierte es erst später für ein ganzes Orchester. Ursprünglich war es als dreiteilige Sinfonie gedacht, blieb aber dann ein einsätziges Prélude. Während das Publikum bei der Uraufführung geteilt reagierte und nicht erkennen konnte, welche Szene aus dem Gedicht denn in der Musik geschildert werden solle, war Mallarmé von Debussys Klangsprache begeistert und sah darin die Begierden und Träume des Waldgeistes an einem heißen Nachmittag sehr bildlich eingefangen. Hervorzuheben ist das zarte Flötensolo, mit dem das Werk beginnt, in dem man den Waldgeist vor dem geistigen Auge auftauchen sieht. In dem folgenden flirrenden Orchesterklang begleitet man dieses Wesen durch eine Traumwelt und spürt stets die Hitze des Nachmittags. Gergiev gelingt es, mit den Münchner Philharmonikern durch feinste Piano-Stellen und nervöses Flimmern die Gefühlswelt des Fauns regelrecht greifbar zu  machen.

Im folgenden Teil springen die Münchner Philharmoniker mehr als ein halbes Jahrhundert zurück zu Hector Berlioz' dramatischer Symphonie Roméo et Juliette. Berlioz selbst nannte dieses Werk eine "Sinfonie mit Chor", die neben dem großen Chor auch noch drei Solostimmen einbezieht. Für das Libretto verwendet er eine Version des Schauspielers David Garrick und die 1776 erschienene französische Prosaübersetzung von Pierre Letourneur, die François Guizot 1821 überarbeitet hatte. Der größte Unterschied zu Shakespeares Schauspiel besteht darin, dass die scheintote Julia erwacht, bevor Romeo tot ist, so dass den beiden noch ein gemeinsamer Moment vergönnt ist. Berlioz' Werk besteht aus drei Teilen, wobei im ersten Teil die Tragödie mit dem Chor und den Solostimmen geschildert wird. Im zweiten und dritten Teil wird das Geschehen rein instrumental auf eine höhere Ebene gehoben, bevor am Ende die Stimmen erneut zum Einsatz kommen. Diese mittleren Orchestersätze wurden bereits früh herausgelöst und werden auch an diesem Abend als Auszug aus dem gesamten Werk gespielt. Gergiev rahmt sie mit der "Introduction" und dem letzten Instrumentalsatz, "Roméo au tombeau des Capulets", ein.

Direkt zu Beginn wird in der "Introduction" durch aggressives Spiel der Blechbläser die feindliche Stimmung zwischen den Capulets und den Montagues spürbar. Vor dem geistigen Auge sieht man die Anhänger der verfeindeten Familien in den Straßen Veronas ihre Streitereien ausführen. Es folgt ein Blick auf den schwermütigen Romeo. Wahrscheinlich hängt er in seinen Gedanken gerade der angebeteten Rosalinde nach, als ihn aus der Ferne Musik zu einem Ball ruft. So landet er auf einem großen Fest der Capulets und begegnet der Liebe seines Lebens, Julia. Während die Münchner Philharmoniker beim Ball in ganzer Fülle aufspielen, schenkt Berlioz den beiden Liebenden in der anschließenden "Scène d'amour" einen innigen Moment der Zweisamkeit. Gergiev lotet mit den Münchner Philharmonikern die tiefen Gefühle der innig Liebenden präzise aus. Das folgende "Scherzo" bietet noch einmal einen Moment des Durchatmens. In spielerischer Leichtigkeit drängt die Geschichte über die Königin Mab das drohende Schicksal der beiden Liebenden kurz in den Hintergrund, während der letzte Instrumentalsatz an Düsterkeit kaum zu überbieten ist. Man spürt, wie Romeo auf der Suche nach seiner geliebten Julia durch die dunkle Gruft der Capulets wandelt, und der Satz endet absolut abrupt. In diesen intensiv dargebotenen Auszügen lässt sich die ganze Tragik der Geschichte wunderbar einfangen.

Nach der Pause geht es dann zeitlich noch weiter zurück zu Ludwig van Beethoven. Will man einen Bogen zu Berlioz spannen, lässt sich vielleicht Niccolò Paganini anführen, der ihn als "einzig legitimen Erben Beethovens" bewunderte. Gergiev präsentiert mit den Münchner Philharmonikern Beethovens siebte Sinfonie A-Dur, die ein Jahr vor der Völkerschlacht bei Leipzig ihre Uraufführung erlebte, und nach dem Sieg Englands über Napoleon gemeinsam mit der eigens dafür komponierten Schlachtensinfonie Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria am 8. Dezember 1813 bei einem Benefizkonzert zugunsten der Kriegsverwundeten erklang. Berühmtheit erlangte vor allem der zweite Satz, das "Allegretto". In dem eingängigen Klagemotiv lässt sich ein Trauermarsch der Kriegsversehrten heraushören. Dabei wird das Tempo aber stets gesteigert und wendet die ernste a-moll-Stimmung in ein leuchtendes C-Dur. Die übrigen Sätze entfachen ein rhythmisches Feuerwerk, das in absoluter Virtuosität eine Welt zeichnet, die aus den Fugen geraten ist und in der die alte und die neue Ordnung miteinander kollidieren. In unglaublichem Tempo peitscht Gergiev die Münchner Philharmoniker mit ungebremstem Temperament durch die einzelnen Sätze, so dass dem Zuhörer kein Moment zum Verschnaufen verbleibt. Zu Recht ernten Gergiev und die Münchner Philharmoniker nach dieser Darbietung frenetischen Applaus.

FAZIT

Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker verbinden drei Kompositionen, die unterschiedlicher kaum sein können, und zeigen damit die musikalische Bandbreite des 19. Jahrhunderts.


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Ausführende

Münchner Philharmoniker

Valery Gergiev, Dirigent



Werke

Claude Debussy
Prélude à l'après-midi d'un faune

Hector Berlioz
Roméo et Juliette
Symphonie dramatique op. 17
Introduction
Roméo seul. Tristesse - Bruits lontains
de concert et bal - Grande fête chez Capulet
Scène d'amour
Scherzo. La Reine Mab ou la Fée des songes
Roméo au tombeau des Capulets

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92
Poco sostenuto - Vivace
Allegretto
Presto
Allegro con brio



Weitere Informationen
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Konzerthaus Dortmund
(Homepage)



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