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Das Rheingold


Vorabend des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen in einem Aufzug (WWV 86a)
Musik und Text von Richard Wagner

in deutscher Sprache mit Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 30' (keine Pause)

Konzertante Aufführung am Montag, 29. Mai 2017, 19.00 Uhr
Großer Saal im Konzerthaus Dortmund

 


(Homepage)

Wagnerwucht vom Feinsten

Von Thomas Molke / Fotos von Pascal Amos Rest

Dortmund befindet sich in diesen Tagen mit dem Pokalsieg der Borussia nicht nur im Fußballfieber, sondern bietet auch im Konzerthaus für Opernliebhaber an zwei aufeinanderfolgenden Tagen große Oper vom Feinsten. Nachdem am Sonntag das 9. Klangvokal Musikfestival mit einer fulminanten konzertanten Aufführung von Gioachino Rossinis Le Comte Ory mit Lawrence Brownlee in der Titelpartie und Jessica Pratt als Gräfin eröffnet worden ist (siehe auch unsere Rezension), geht es am Montag ebenso hochkarätig mit Richard Wagners Das Rheingold weiter. Zwar ist diese konzertante Aufführung leider nicht der Auftakt zu einem kompletten Ring des Nibelungen, aber auch der mit zweieinhalb Stunden Spielzeit ohne Pause für Wagner-Verhältnisse relativ "kurze" Vorabend hat mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester unter der Leitung von Marek Janowski, der kurzfristig für den Chefdirigenten Thomas Hengelbrock eingesprungen ist, musikalisch so viel zu bieten, dass trotz der tropischen Temperaturen die Zuschauer scharenweise ins Konzerthaus strömen. Und die durchweg großartige Besetzung macht auch deutlich warum.

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Alberich (Johannes Martin Kränzle) entsagt der Liebe.

Das Orchester, das bis 2016 unter dem Namen NDR Sinfonieorchester firmierte, füllt mit den zahlreichen Musikern die komplette Bühne aus, so dass die Solisten teilweise auf die Ränge ausgelagert werden. Nach einem differenziert angelegten Es-Dur-Vorspiel, das den Rhein in seinem Flussbett lautmalerisch umsetzt, treten die drei Rheintöchter auf der linken Seite im ersten Rang auf und singen die erste Szene ohne Textbuch. Dabei begeistern Mirella Hagen als Woglinde mit jugendlich leuchtendem Sopran, Julia Rutigliano als Wellgunde mit warmem Mezzo und Simone Schröder als Flosshilde mit dunkel-timbriertem Mezzo durch eine hervorragende Textverständlichkeit, die die Übertitelung fast überflüssig macht, und finden zu einem harmonisch aufeinander abgestimmten Klang. Da wird es wunderbar nachvollziehbar, dass der Nibelung Alberich ihnen absolut ungelegen kommt. Johannes Martin Kränzle tritt auf der Bühne hinter dem Orchester auf, so dass die Rheintöchter für ihn im Rang wirklich unerreichbar sind. Eine weitere szenische Darstellung ist hierbei gar nicht vonnöten. Kränzle begeistert als Alberich mit einem dunkel gefärbten Bariton, der den drei Rheintöchtern im Bezug auf die Textverständlichkeit in nichts nachsteht. So schmettert er den Fluch, der ihm den Raub des Goldes ermöglicht, mit dunkler Schwärze heraus und lässt die Wassernixen etwas hilflos zurück. Das NDR Elbphilharmonie Orchester trumpft hierbei ebenfalls mit voluminösen Tönen auf, ohne die Solisten dabei zu überdecken.

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Erdas (Nadine Weissmann, rechts oben) Mahnung "von oben": im Hintergrund der Bühne von links: Fasolt (Christof Fischesser), Fafner (Lars Woldt), Freia (Gabirela Scherer), Fricka (Katarina Karnéus), Donner (Markus Eiche), Froh (Lothar Odinius), Loge (Daniel Behle) und Wotan (Michael Volle), davor: NDR Elbphilharmonie Orchester mit Marek Janowski

Mit hehrem Klang geht es anschließend in luftige Höhen. Die Bläser zelebrieren mit großer Klarheit das Walhall-Thema. Das zweite Bild findet dann vollständig auf der Bühne hinter dem Orchester statt. Die Solisten haben zwar alle ein Pult mit dem Text vor sich stehen, singen aber trotzdem stellenweise frei. Michael Volle stattet den Wotan mit einem ebenfalls klar verständlichen und kräftigen Bariton aus, der in den Höhen große Durchschlagskraft besitzt und in den Tiefen über großes Volumen verfügt. Ihm nimmt man ab, dass er als Göttervater von seinem Projekt Walhall überzeugt ist. Katarina Karnéus gelingt es als Fricka, mit leicht scharfen Tönen ihrem Gatten ein wenig zu verunsichern und soll leider auch Recht behalten. Schon eilt Freia auf der Flucht vor den beiden Riesen herbei. Gabriela Scherer stattet die Göttin der Jugend mit strahlendem Sopran aus und macht in ihrem dramatischen Ausbruch Freias Angst mehr als deutlich. Auch die beiden Riesen sind mit Christof Fischesser als Fasolt und Lars Woldt als Fafner großartig besetzt. Dabei ist Woldts Bass noch ein bisschen dunkler und schwärzer, was bereits eine gewisse Überlegenheit Fafners andeutet und zeigt, dass Fafner andere Ziele als sein Bruder verfolgt. Fischesser findet mit seinem Bass tiefe lyrische Töne, die nachvollziehen lassen, dass Fasolt für Freia wirklich etwas empfindet und sie als Liebeslohn für den Bau der Burg beansprucht.

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Schlussapplaus: von links: Mime (Elmar Gilbertsson), Alberich (Johannes Martin Kränzle), Fafner (Lars Woldt), Donner (Markus Eiche), Erda (Nadine Weissmann), Froh (Lothar Odinius), Loge (Daniel Behle), Fasolt (Christof Fischesser), Fricka (Katarina Karnéus), Freia (Gabriela Scherer), Wotan (Michael Volle), Flosshilde (Simone Schröder), Wellgunde (Julia Rutigliano) und Woglinde (Mirella Hagen), davor: NDR Elbphilharmonie Orchester mit Marek Janowski

Ein weiterer Höhepunkt des Abends ist dann Loges Auftritt. Daniel Behle begeistert als Feuergott mit tenoralem Glanz und windigem Spiel. Wie es ihm gelingt, sowohl Wotan als auch die Riesen für das Rheingold und den von Alberich geschmiedeten Ring zu entfachen, wird von Behle sehr glaubhaft umgesetzt. Beim Abstieg nach Nibelheim im dritten Bild geht es dann eigentlich nach oben. Auf der Chorempore ist das Schlagwerkzeug positioniert, dass mit ohrenbetäubendem Lärm die Ambosse imitiert, die von den Nibelungen bedient werden. Die Szene zwischen Alberich, Loge und Wotan spielt jedoch nicht auf der Chorempore, sondern findet wieder hinter dem Orchester statt. Nicht verschwiegen werden soll Elmar Gilbertssons relativ kurzer Auftritt als Alberichs Bruder Mime. Gilbertsson punktet mit hellem Tenor, der deutlich macht, dass Mime seinem Bruder (zumindest jetzt noch) unterlegen ist und sein Plan fehlschlägt, wenigstens den Tarnhelm für sich zu behalten. Die Entthronung Alberichs übernehmen dann Loge und Wotan. Bei Alberichs Verwandlungen in den Riesenwurm und die kleine Kröte wird ganz auf die Phantasie des Publikums vertraut. Janowski setzt mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester diese Verwandlungen lautmalerisch hervorragend um. Wenn der übertölpelte Alberich dann das Gold, den Ring und den Tarnhelm Wotan überlassen muss, macht Kränzle mit dramatischen Tönen deutlich, dass der Zwerg für diesen Betrug Rache einfordern wird. Bei seinem erneuten Fluch setzen die Blechbläser bewusst nicht auf Schönklang, um die Drohung des Nibelungen noch einmal zu unterstreichen.

Wenn Wotan sich dann bei der Übergabe des Goldes an die Riesen zunächst weigert, ihnen auch den Ring zu überlassen, tritt Erda im zweiten Rang auf der rechten Seite auf. Mit dunklem Mezzo begeistert Nadine Weissmann als Urwala und schafft es schließlich, Wotan mit ihrer Autorität davon überzeugen, vom Ring zu lassen. Schnell erkennt er, wie schwer Alberichs Fluch auf dem Ring lastet. Denn kaum sind die Riesen in den Besitz des Ringes gelangt, da kommt es auch schon zum Streit, und Fafner tötet seinen Bruder. Auch diese Szene wird vom Orchester emotional umgesetzt. In der folgenden Szene können auch noch Markus Eiche als Donner und Lothar Odinius als Froh ihre stimmlichen Qualitäten unter Beweis stellen. Mit großer Durchschlagskraft beschwört Eiche das Gewitter herauf, das mit dem anschließend aufziehenden Regenbogen den Göttern den Einzug in die Burg Walhall ermöglicht. Odinius punktet als Froh mit strahlendem Tenor. Während die Götter anschließend in die Burg einziehen und Loge als einziger auf der Bühne zurückbleibt, hört man noch einmal die drei Rheintöchter, dieses Mal wirklich aus der Tiefe. Sie stehen hinter der Bühne am Bühnenaufgang und beklagen noch einmal eindringlich das verlorene Gold, während Janowski mit dem Orchester den Einzug in die Burg Walhall absolut majestätisch zelebriert. Mit solch einem Pomp hat man dieses Finale selten erlebt. Das Publikum bricht im Anschluss in tosenden Applaus aus und feiert alle Beteiligten mit frenetischem Jubel.

FAZIT

Diese durch und durch gelungene Produktion ist noch am 3. Juni 2017 im Festspielhaus Baden-Baden im Rahmen der Pfingstfestspiele zu erleben. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich diese Aufführung nicht entgehen lassen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Marek Janowski

NDR Elbphilharmonie Orchester



Solisten

Wotan
Michael Volle

Donner
Markus Eiche

Froh
Lothar Odinius

Loge
Daniel Behle

Fricka
Katarina Karnéus

Freia
Gabriela Scherer

Erda
Nadine Weissmann

Alberich
Johannes Martin Kränzle

Mime
Elmar Gilbertsson

Fasolt
Christof Fischesser

Fafner
Lars Woldt

Woglinde
Mirella Hagen

Wellgunde
Julia Rutigliano

Flosshilde
Simone Schröder



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