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Große Stimmen
Jennifer Larmore
Une Américaine à Paris

Orchestre de Chambre Pélleas
Benjamin Levy, Dirigent

Sonntag, 22. Januar 2017, 17.00 Uhr
Alfried Krupp Saal in der Philharmonie Essen

 



Philharmonie Essen
(Homepage)

Quel esprit!

Von Thomas Tillmann

Beschwingt und glänzend gelaunt kam man aus diesem Konzertnachmittag, was in erster Linie an den gleichermaßen motiviert wie kompetent musizierenden Damen und Herren des Orchestre de Chambre Pelléas bei ihrem Deutschland-Debüt und deren quirligen Leiter Benjamin Levy lag, der nicht zuletzt ungeheuer charmant das Publikum mit kurzen Erläuterungen zu den in Deutschland weitgehend unbekannten Gemmen aus der Schatzkiste der französischen Operette und Anverwandtem versorgte. Da gab es etwa die Ouvertüren zu Phi-Phi und Dédé von Henri Christiné (Sammler kennen die Aufnahme mit Maurice Chevalier), Jacques Iberts "Divertissement pour orchestre de chambre" aus der Bühnenmusik zu Un chapeau de paille d'Italie", eine unterhaltsame Suite, die der Dirigent nicht zu Unrecht als ein einziges "Jemanden eine Nase zeigen" bezeichnete, Albert Roussels Suite Fantaisie aus Le testament de la tante Caroline und - vermutlich als deutsche Erstaufführung - die Ouvertüre zu Maurice Yvains Pas sur la bouche, hinreißende Musik dies alles, luftig und voller Esprit. Da spürte man die Liebe zum Genre, den Spaß an der mitreißenden Rhythmik, an raffiniertem Timing, da ertappte man sich beim Mittaktieren, bei Gedanken an die Tanzsequenzen in Ein Amerikaner in Paris, beim Schmunzeln über so viel Schwung und musikalischen Charme, der ins Bein ging. Und auch das fiel sehr positiv auf: Viele der Musiker lachten oder lächelten während des Konzerts und beglückwünschten sich herzlich nach dessen Ende, was für ein Kontrast zu den Minen mancher Instrumentalisten anderer Kollektive.

Nicht ganz konnte mich dagegen die Solistin überzeugen - Jennifer Larmore, die - der Konzerttitel verrät es - tatsächlich seit einigen Jahren in Paris lebt, der aber für mein Empfinden das letzte bisschen Persönlichkeit fehlte, um vielen der Werke, die man in zahllosen Interpretationen anderer Sängerinnen im Ohr hat, einen erwähnenswerten individuellen Touch zu geben. Mimik und Gestik blieben ziemlich pauschal, Phrasierungen wirkten eher improvisiert als durchdacht, Akzente oberflächlich, was nicht zuletzt auch an dem Umstand gelegen haben könnte, dass sie besonders mit den französischen Titeln etwa aus Moisés Simons' Toi c'est moi nicht bis ins Letzte vertraut war, bei einigen von ihnen schaute sie mehr auf die Texte auf ihrem Pult als ins Publikum, so dass ich mich fragte, ob hier nicht ein bisschen mehr Vorbereitung nötig gewesen wäre. Bei einigen Titeln wäre es vielleicht von Vorteil gewesen, wenn die Solistin ein Mikrofon gehabt hätte, um ohne Druck Details feiner zeichnen zu können - ohne dass man sagen könnte, das Orchester habe zu laut gespielt.

Marias "I Feel Pretty", Elizas "I Could Have Danced All Night" und Claras "Summertime" - Teil der Programmatik war, französische und amerikanische Musik derselben Epoche zu kontrastieren - hat man einfach frischer, enthusiastischer und mitreißender auch von Opernsängerinnen gehört, Weills "Youkali" (aus Marie Galante) tiefsinniger und rätselhafter wie von Teresa Stratas, sein "Foolish Heart" aus One Touch of Venus mit mehr Persönlichkeit und Lebensklugheit vorgetragen wie von Lotte Lenya oder frivoler wie von Zarah Leander. Ein bisschen besser gelangen der Mezzosopranistin Irving Berlins What'll I Do, weil sie hier nicht permanent mit dem Text beschäftigt war und anzurühren wusste, und auch in Victor Herberts Primadonnenjuwel "Art Is Calling For Me" wusste sie nicht nur mit einer Reminiszenz an eine ihrer Erfolgspartien (es gab als Einlage ein paar Takte aus "Una voce poco fa" aus Rossinis Barbiere) zu verzaubern, sondern auch mit dem endlos vorbereiteten finalen Spitzenton und der richtigen Portion Selbstironie. Spaß hatten die Diva und ihr musikalischer Leiter auch im launig-beschwipsten, als Zugabe aufgeführten "Je suis grise" aus La Périchole (Levy bedankte sich ausdrücklich beim deutschen Publikum, dass es Offenbach nach Frankreich hat ziehen lassen, wo er zum Urvater der Operette avancierte).

Einziger wirklicher Wermutstropfen waren aber zweifellos die vielen unbesetzt gebliebenen Plätze in der Philharmonie, was weder dem prominenten Namen noch dem spannenden Programm jenseits der üblichen Beiträge gerecht wurde - schade. Für die Kulturschaffenden wäre der Konzertbesuch sicher auch keine schlechte Anregung für das Zusammenstellen von Neujahrs- und Karnevalskonzerten gewesen, für alle anderen eine unterhaltsame Alternative zu alten Filmen auf der Couch.

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Ausführende

Jennifer Larmore, Mezzosopran

Orchestre de Chambre Pélleas

Benjamin Levy, Dirigent


Werke

von Henri Christiné
Leonard Bernstein
Maurice Yvain
Kurt Weill
Jacques Ibert
Frederick Loewe
George Gershwin
Moisés Simons
Albert Roussel
Irving Berlin
Victor Herbert
Jacques Offenbach


Weitere Informationen
erhalten Sie von der

Philharmonie Essen
(Homepage)



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