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RuhrResidenz der Berliner Philharmoniker
Mahler 6


Werke von György Ligeti, Richard Wagner und Gustav Mahler

Aufführungsdauer: 2h 15'

26. Februar 2017, Saalbau Essen, Alfried Krupp Saal
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Philharmonie Essen
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Besser klang der Hammer wohl nie

Von Stefan Schmöe / Fotos von Sven Lorenz

Ein Kurzprogramm vor der Pause: Gerade einmal knappe 20 Minuten Musik. Es beginnt mit György Ligetis Atmosphères für große Orchester, einem Schlüsselwerk der sogenannten "modernen" Musik, komponiert 1961, eine Folge extrem dichter Cluster, deren Tonraum sich verengt und wieder weitet. Ein Gegenentwurf zur seriell-strukturellen Musik seiner Zeit: "Keine Ereignisse, sondern Zustände" habe er komponiert, so Ligeti anlässlich der Uraufführung. Diese Musik kann unglaubliche Sogwirkung entfalten (der unvermeidliche Verweis auf die Verwendung in Stanley Kubricks Jahrhundertfilm 2001: A Space Odyssey ist dem eher hinderlich). Für den Beginn eines Konzerts ist diese undeutlich aus dem nichts erstehende Musik der verschwimmenden Konturen nicht unproblematisch, muss die Aufmerksamkeit und Konzentration des Publikums doch erst einmal gewonnen werden - auf etlichen Live-Mitschnitten hört man auch prompt das störende Husten, das jahreszeitenbedingt auch in diesem Konzert nicht ausblieb. Ganz einlösen können Rattle und die Berliner Philharmoniker das Geheimnis und das Versprechen dieser Musik nicht, dafür sind die Einsätze zu direkt (auch das Orchester muss erst einmal zur höchsten Konzentration finden), den Verschiebungen fehlt es an der unterschwelligen Spannung. Natürlich hat dieses sensationelle Orchester die entsprechende Farbpalette und lotet den Klangraum souverän, ja allzu selbstverständlich aus. Aber die unheimliche Stringenz seines Vorgängers Claudio Abbado erreicht Rattle nicht, dessen Interpretation bedrohlicher, dunkler, gefährlicher klang.

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Rattle schließt pausenlos das Vorspiel zu Wagners Lohengrin an, was ein bisschen gemein gegenüber Ligeti ist, denn die Parallelen liegen auf der Hand: Von Rattle mit kluger Disposition dirigiert und vom Orchester in erlesener Schönheit ausgespielt, entwickelt sich diese ebenfalls beinahe körperlos beginnende Musik in einem großen Crescendo und folgendem Decrescendo, als habe Wagner Ligetis (komplexer angelegte) Komposition vorweggenommen. Auch erscheint hier Ligeti als "warm up" für Wagner (spannend wäre es, beide Stücke in umgekehrter Reihenfolge zu hören). Bestechend die perfekte Abstimmung in den einzelnen Instrumentengruppen, ohne dass die einzelnen Instrumente an Kontur verlieren. Die Musik hat bei Rattle ätherische Leichtigkeit und gleichzeitig "Körper".

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Ganz in ihrem Element sind Orchester und Dirigent dann nach der Pause bei Gustav Mahlers 6. Symphonie (und deren Länge von rund 80 Minuten ist natürlich die Kürze des ersten Teils geschuldet). Rattle neigt auch bei zügigen Tempi zu einem großformatigen, breiten Klang (das Scherzo allerdings endet mit bestürzend fratzenhafter Lakonie), wobei die Balance zwischen den Instrumentengruppen exzellent ausgehört ist - nie deckt eine Gruppe eine andere zu. Der Beginn des Finalsatzes schwingt sich fast filmmusikartig auf. Sicher lässt sich manche Passage markanter, fahler, pointierter (ja, auch stringenter, wenn man wieder an Abbado denkt) interpretieren. Rattle kostet immer wieder den großen Orchesterklang aus. Er vermeidet die Zuspitzung; die beiden Hammerschläge, vielleicht die größte Merkwürdigkeit im Werk Mahlers, sind als Klangereignisse von singulärer Wucht (und der Klang dürfte Mahlers Vorstellungen sehr nahe kommen) in die Gesamtentwicklung eingebunden. Rattle entwickelt gerade im Finale immense Energie. Auch hier beeindruckt, wie souverän er große Entwicklungsbögen gestaltet, Crescendi schier endlos anwachsen lässt, die Spannung mühelos hält. Mahler als Naturereignis von mitreißender Wucht. Wer will da noch über Interpretationsfragen mäkeln?




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Ausführende

Berliner Philharmoniker

Leitung: Sir Simon Rattle


Werke

György Ligeti:
Atmosphères für großes Orchester

Richard Wagner:
Vorspiel zur Oper Lohengrin

Gustav Mahler:
Symphonie Nr. 6 a-Moll





Weitere Informationen:

Berliner Philharmoniker

Philharmonie Essen



Da capo al Fine

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