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Simone Kermes

Tänzer der Staatlichen Ballettschule Berlin
La Magnifica Comunità
Enrico Casazza, Konzertmeister

Aufführungsdauer: ca. 2h (eine Pause)

Aufführung in der Kölner Philharmonie am Mittwoch, 12.10.2016, 20.00 Uhr

 



Kölner Philharmonie
(Homepage)

Liebe in Gesang und Tanz

Von Thomas Molke / Foto: © Sandra Ludewig

Simone Kermes verbindet man aufgrund ihrer enormen Bühnenpräsenz mit aufsehenerregenden Shows, in denen sie ein regelrechtes Koloraturfeuerwerk abliefern kann. Von daher mag es überraschen, wenn sie sich in ihrem neuen Programm Kompositionen von 1580 bis 1700 widmet, die in diesem Bereich nicht allzu viel Spielraum bieten. Doch was Kermes auch auf ihrer neuesten CD Love als reinen, intimen Gesang präsentiert, hat sie für ihre Tournee mit einer Performance angereichert, die ganz dem Temperament der Sopranistin entspricht. Gemeinsam mit zwei jungen Tänzern der Staatlichen Ballettschule Berlin und dem Kammerensemble La Magnifica Comunità unter der Leitung des Violinisten Enrico Casazza präsentiert sie die Gefühle einer Frau in allen Liebeslagen und hat dafür ein Programm mit größtenteils unbekannten Werken und Komponisten des Frühbarock zusammengestellt.

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Simone Kermes

Der Abend gliedert sich inhaltlich grob in zwei Teile. Bis zur Pause wird der Beginn der Liebe mit allen Licht- und Schattenseiten gezeigt. So geht es von einem Hohelied auf die Liebe bis zu den Tiefen der Eifersucht und des Liebesleids. Nach der Pause überwiegt dann die Verzweiflung, die sich einstellt, wenn man die Liebe verloren hat und die bis zum Wahnsinn oder gar Liebestod reichen kann. Die beiden Tänzer Tommaso Marchignoli und Ludovico Tambara spiegeln dabei im größtenteils modernen Ausdruckstanz die von Kermes besungenen Gefühle, beziehen die Sopranistin dabei aber ganz selbstverständlich in die Choreographie mit ein. Ein bedeutendes Bühnenrequisit ist ein großes goldenes Tuch, das mal als flächiger Hintergrund dient, mal die beiden Tänzer bedeckt, dann von Kermes als Stola umgeworfen wird und sie am Ende als eine Kette in Liebesverstrickungen fesselt.

Die Musikauswahl reicht von Italien über Spanien und Frankreich bis nach England und hält neben Claudio Monteverdi, Antonio Vivaldi und Henry Purcell auch zahlreiche unbekannte Komponisten und Werke bereit. Zu nennen ist hier beispielsweise der Franzose Antoine Boësset, mit dessen Rezitativ der Mnémosyne Kermes den Abend eröffnet. In feierlichem Glanz besingt sie hier die Schönheit der Liebe. Von "schönen" und glücklichen Momenten ist allerdings in den folgenden Stücken nicht allzu viel zu spüren, da es hier eher um die Eifersucht und den Kampf in der Liebe geht. Besonders temperamentvoll geht es in den beiden Liedern des spanischen Komponisten Luis de Briceño zu. Zu Kastagnetten-Klängen buhlen die beiden Tänzer um Kermes' Gunst, bevor dann Tambara mit ihr von der Bühne verschwindet und Marchignoli traurig zurückbleibt. Seinen Frust tanzt er sich dann in der Tanzsequenz aus Vivaldis La Follia von der Seele, bevor er anschließend der gleichnamigen Sonate von Domenico Gallo lauscht, die von dem Kammerensemble La Magnifica Comunità unter der Leitung von Enrico Casazza eindringlich interpretiert wird.

In den weiteren Stücken bis zur Pause besingt Kermes dann das Liebesleid einer unerhört Liebenden. Hierfür hat sie auch eine Arie einer Komponistin, Barbara Strozzi, in das Programm aufgenommen. "Che si può fare?" gehört zu den Arien für Sopran, die Strozzi als Sängerin und Komponistin in der von ihrem Vater Giulio 1637 in Venedig gegründeten Accademia degli Unisoni vor deren Mitgliedern präsentieren konnte. Dabei trägt die Akustik der Philharmonie Kermes' Stimme nicht immer optimal, so dass sie stellenweise vom Orchester überdeckt wird. Während Kermes in den hohen Tönen große Strahlkraft entfaltet, klingen die Legati teilweise etwas brüchig, was vielleicht aber auch aus der Stimmung des jeweiligen Liedes heraus intendiert ist. Etwas störend ist im ersten Teil der Zwischenapplaus nach den einzelnen Liedern, weil Kermes das Programm eigentlich durchgehend konzipiert hat und sich hier sicherlich fließendere Übergänge gewünscht hätte. Im zweiten Teil hat das Publikum es dann verstanden und unterbricht den Ablauf des Abends nicht mehr.

Der zweite Teil beginnt mit der kompletten Vivaldi-Sonate La Follia, die bereits im ersten Teil auszugsweise präsentiert worden ist. Anschließend erscheint Kermes in einem graufarbenen Umhang mit Kapuze und leitet optisch und mit ihrer Körpersprache ein, dass nun ein düsteres Kapitel der Liebe aufgeschlagen wird. Das mit Blumen gemusterte ausladende Barockkleid des ersten Teils ist nun einem strengen Blau gewichen. Einzelne Komponisten aus dem ersten Teil werden noch einmal aufgegriffen. So eröffnet sie erneut mit Boësset, dieses Mal allerdings in spanischer Sprache. Während die beiden Tänzer das Tuch nun zu einem Band formen und es Kermes mehrfach um die Arme wickeln, versucht sich Kermes aus diesen Fesseln zu befreien, dieses Mal zum Allegro aus Vivaldis Concerto g-Moll. Es folgen zwei Opern-Arien von Antonio Cesti, bevor Kermes mit dem bekanntesten Stück des Abends das offizielle Programm beschließt: Didos Arie "When I am laid in earth" aus Purcells Dido and Aeneas. Die beiden Tänzer sind zuvor leblos zu Boden gesunken, bevor Kermes mit sanften Tönen zu Didos Abschiedsgesang ansetzt. Dieser Moment geht unter die Haut.

Beim Schlussapplaus gibt sich Kermes dann wieder ganz so, wie man sie kennt und liebt, kokettiert mit dem Publikum und lässt sich natürlich noch eine Zugabe entlocken. Doch auch damit bleibt sie dem Motto des Abends treu und präsentiert Monteverdis "Si dolce è'l tormento, in dem mit großer Dramatik die Leiden eines jungen Liebenden beklagt werden. Das Publikum feiert Kermes und das Kammer-Ensemble La Magnifica Comunità mit großem Applaus, auch wenn der eine oder andere Abonnement-Besucher sich vielleicht wundern mag, dass dieses Programm im Abonnement "Operette und..." enthalten ist.

FAZIT

Simone Kermes gelingt es, ruhige Arien des Frühbarock in eine expressive Bühnen-Show zu verpacken und dabei die Musik gar nicht so alt klingen zu lassen.



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Ausführende

Simone Kermes, Sopran

Tommaso Marchignoli, Tänzer

Ludovico Tambara, Tänzer

La Magnifica Comunità

Enrico Casazza, Konzertmeister

Torsten Händler, Inszenierung und Choreographie

 

Werke

Antoine Boësset
"Quelles beautés, ô mortels"
Recit de Mnémosyne aus
Air de cour à quatre et cinq parties
, Buch III

Claudio Monteverdi
"Amor, amor"
Teil II aus Lamento della ninfa SV 163
aus Madrigali guerrieri, et amorosi
con alcuni opuscoli in genere rappresentativo,
Libro ottavo

Tarquinio Merula
"Folle è ben che si crede"
für eine Singstimme aus Curtio precipitato
et altri Capricij Composti in diversi modi vaghi
e leggiadri a voce sola
, Libro secondo op. 13

Luis de Briceño
"Ay amor loco" (tono francés)

"Serrana, si vuestros ojos" (folías)

Antonio Vivaldi
Tanzsequenz aus Sonate für zwei Violinen
und Basso continuo d-Moll op. 1,12 RV 63
(La Follia)

Domenico Gallo
Sonata a quattro (La Follia) aus
6 sonate a quattro

Barbara Strozzi
"Che si può fare?"
aus Arie a voce sola op. 8 für Sopran oder Tenor
und Basso continuo

Michel Lambert
"Sombres déserts"
aus Livres d'airs de différents autheurs à deux parties,
Teil II

Henry Purcell
"If love's a sweet passion"
Arie der Nymphe aus The Fairy Queen Z 629

Francesco Manelli
"Grida l'alma a tutt' ore"
Aria alla napolitana aus Ciaccone et arie,
libro terzo op. 3

Antonio Vivaldi
Sonate für zwei Violinen und Basso continuo
d-Moll op. 1,12 RV 63 (La Follia)
Adagio - Andante - Allegro - (volti) -
Adagio - Vivace - Allegro - Larghetto - Allegro -
(volti) - Adagio - Allegro

Antoine Boësset
"Frescos ayres del prado"

Tarquinio Merula
"Chi vuol ch'io m'innamori"
aus Curtio precipitato et altri capricii

Giovanni Legrenzi
"Chi mi tolse alle sfere!" -
"Lumi, potete piangere"
Lamento der Venere aus La divisione del mondo

Antonio Vivaldi
Allegro aus Concerto g-Moll RV 156

Antonio Cesti
"Disserratevi, abissi"
Arie des Selino aus L'Argia

John Eccles
"Restless in thoughts" für eine Singstimme
aus a Collection of Songs for One, Two
and Three Voices

John Dowland
"Now, O now I needs must part"
aus The First Booke of Songes or Ayres

Antonio Cesti
"Più bella maestà" - "Dormi, dormi, ben mio"
Arie der Orontea aus Orontea

Henry Purcell
"Thy hand, Belinda" - "When I am laid in earth"
Rezitativ und Arie der Dido aus Dido and Aeneas
Z 626
 


Weitere Informationen
erhalten Sie von der

Kölner Philharmonie
(Homepage)



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