Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Konzerte
Zur Homepage Zur Konzert-Startseite E-mail Impressum



Konzert des WDR Sinfonieorchesters Köln
Pastorale

Werke von Hector Berlioz und Ludwig van Beethoven

07. Juli 2017, Philharmonie Köln


Philharmonie Köln
(Homepage)

Homepage

WDR Sinfonieorchester
(Homepage)

Malerei in der Musik

Von Claudia Jahn / Fotos © WDR Sinfonieorchester / Anna Hepp

Mit Hector Berlioz und Ludwig van Beethoven standen zwei Komponisten auf dem Programm des WDR Sinfonieorchesters unter der Leitung von Eivind Aadland, die mit ihrer Musik Bilder erschaffen. Die Gemeinsamkeit beider Werke ist das Schaffen von Geschichten und Atmosphären, denen sich kein Zuhörer entziehen kann.

Foto

Probe

In der ersten Hälfte des Konzerts erklangen die als Sommernächte bezeichneten Lieder des französischen Frühromantikers. Berlioz schritt mit seinen sechs Liedern in eine neuartige Gattungsrichtung, die es in dieser Form noch nicht gab: das Orchesterlied. Mit den Bearbeitungen für Orchester, die erst nachträglich und eher beiläufig entstanden sind, da die Lieder ursprünglich für Singstimme und Klavier gedacht waren, wird die große Instrumentierungskunst Berlioz' sichtbar. Er weiß dem Orchester eine bezwingende Tiefe, nuancierte Farbigkeit und Strahlkraft zu verleihen. Thematisch werden in den Gedichten Théophile Gautiers die unterschiedlichen Facetten der Liebe behandelt.

Bariton Christian Gerhaher gibt mit seiner weichen und wandlungsfähigen Stimme den Liedern einen unverwechselbaren Eigencharakter, während er gleichzeitig einen die Lieder verbindenden Spannungsbogen aufbaut. Aadlands fein nuancierte Orchesterbegleitung kann sich sowohl dezent zurückziehen und der Singstimme den Raum für eine emotionale und klangliche Entfaltung geben, als auch energische Höhepunkte setzen. Eindrucksvoll ist Gerhahers Differenzierung in der Dynamik, Emotionalität und Stimmfarbe, die die Feinheiten der Poesie hervorhebt.

Das erste Lied "Villanelle" ist ein lebhafter Einstieg in den Zyklus und beschreibt die überschwängliche Verliebtheit eines Jünglings, der von einem Frühlingsspaziergang mit seiner Geliebten träumt. Das erste und das letzte Lied bilden mit ihrer freudigen Stimmung den Rahmen, während bei den dazwischenliegenden Liedern eine dunkle Stimmung überwiegt. Das Lied "Spectre de la rose", eingeleitet von einer wehmütigen Flötenmelodie, spiegelt auf eine sphärisch-geheimnisvolle Weise die Epoche der Romantik wider. Darin spricht der Geist einer Rose zu dem schlafenden Mädchen, das sie gepflückt hat. Die Rose ist bei einem Ball an ihrer Brust gestorben und empfindet ihr Schicksal als beneidenswert. Die Musik wechselt zwischen Zartheit und Erhabenheit, wobei sie im Vers "Und ich komme aus dem Paradies" mit himmlisch andeutenden Klängen zum Höhepunkt kulminiert. Der Zusammenklang von Gerhahers Stimme mit einer Solo-Klarinette zu dem abschließenden Satz "Hier liegt eine Rose, die alle Könige beneiden werden" ist von bestechender Innigkeit. Umso mehr fällt der Kontrast zum darauffolgenden Lied "Sur les lagunes" auf. Hier beklagt ein Seemann den Tod seiner Geliebten, den Gerhaher mit einem deutlichen Charakterwechsel in der Stimme darstellt. Sie wirkt nun dunkler und etwas rauer. Es ist ein düsteres Klagelied, in dem das Leid der Einsamkeit bis zum Ausbruch führt und der Verlassene sich der Sinnlosigkeit seines Daseins bewusst wird. Während das Lied "Absence" die mal aufgeregte, mal bittende Sehnsucht nach einer unerreichbaren Liebe darstellt, malt "Au cimetière" ein sehr düsteres Bild. Es beschreibt die Vision eines Trauernden, der auf einem nächtlichen Friedhof seine verstorbene Liebe zu erkennen glaubt. Der verhängnisvolle Gesang einer weißen Taube, dargestellt von der Solo-Flöte, bringt die Erinnerung zurück, der sich der Einsame nicht entziehen kann. Die Sekund-Klänge zum Schluss wirken sehr verstörend. In diesem Stück kommt die malerische Instrumentierung Berlioz' deutlich zum Vorschein, denn sie richtet sich ganz nach dem gesungenen Wort. Das letzte Lied "L'île inconnu" - die unbekannte Insel - ist trotz des helleren, tänzerischen Charakters ein Sinnbild der enttäuschten Liebe. Auf die fast drängende Frage des Geliebten, wohin sie fahren wolle, antwortet die Geliebte: "Bring' mich zu jenen treuen Ufern, wo man immer verliebt ist". Daraufhin antwortet er, dass es solche Ufer im Land der Liebe nur selten gebe. Die letzten Verse "Wohin möchtest du fahren? Die Brise wird wehen!" wirken wie eine in den Raum gestellte Frage, deren Antwort im Ungewissen liegt.

Foto

Probe

In der zweiten Hälfte des Konzerts bestritt das WDR Sinfonieorchester einen Klassiker der Orchester-Literatur. Beethovens Pastorale ist wie eine instrumentale Hymne auf das Landleben und die Natur, die auf eine tonmalerische Weise in der Musik dargestellt werden. Im ersten Satz, bezeichnet als "Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande", wird das Bild einer friedlichen Landschaft gemalt, während im zweiten der Verlauf eines Baches geschildert wird. Dabei erklingen unverwechselbare Tierimitationen. Das perfekte Zusammenspiel einzelner Solo-Instrumente ist hierbei besonders hervorzuheben. Aadlands differenziertes Dirigat unterstreicht die in der Partitur angelegte Tonmalerei und entlockt dem Orchester sowohl friedlich-beschauliche Klänge als auch eine explosive Dramatik. Auch im dritten Satz, in dem die Landleute zusammenkommen und ein mitreißender Bauerntanz erklingt, ist die abwechselnde Interaktion zwischen einzelnen Solo-Bläsern makellos. Die ausgelassene Atmosphäre wird durch tonale Abweichungen zum Schluss getrübt und ein Gewitter kündigt sich an. So unerwartet, wie der Wetterumschwung für die Landleute ist, so unmerklich vollzieht sich der Übergang in der Partitur zum vierten Satz. Hier erklingen unverkennbar Donner, Blitz und Regen. Nachdem sich das Naturschauspiel beruhigt hat kommen die Hirten, symbolisiert durch das Klarinetten- und Hornmotiv hervor. Es breiten sich Gefühle der Freude und Dankbarkeit nach dem Sturm in der Partitur aus, womit der Kreis zum ersten Satz geschlossen wird. Während der erste Satz ein "Erwachen" darstellt, so ist der letzte ein "Zur-Ruhe-Kommen", welches in Verbindung mit einer friedlichen Häuslichkeit am Abend verstanden werden kann. Wie schon bei Berlioz wurden die Interpreten den Werken in höchstem Maße gerecht.




Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)


Ausführende

Christian Gerhaher, Bariton

WDR Sinfonieorchester Köln

Leitung: Eivind Aadland


Werke

Hector Berlioz:
Les nuits d'été
Liederzyklus op.7
nach Gedichten von Théophile Gautier
für Singstimme und Orchester

Ludwig van Beethoven:
Symphonie Nr. 6 F-Dur op.68
Pastorale





Weitere Informationen:

WDR Sinfonieorchester

Philharmonie Köln



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Zur Konzert-Startseite E-Mail Impressum
© 2017 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: konzerte@omm.de

- Fine -