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Bayer/Kultur Klavierzyklus 2016/17

Historische Stadthalle Wuppertal, Mendelssohn-Saal, 10. Februar 2017


Radu Lupu

Eine Welt im Detail

Von Stefan Schmöe

Man ist ja schnell dabei, blumig vom "Poeten am Klavier" zu sprechen. Im Falle von Radu Lupu liegt nach diesem Konzert im Kammermusik-Saal der Historischen Stadthalle Wuppertal im Rahmen eines von der Firma Bayer veranstalteten Klavierzyklus die Bezeichnung "Eigenbrötler am Klavier" noch näher. Das mag, oberflächlich betrachtet, an der äußerlichen Erscheinung liegen: Der 1945 geborene Pianist sitzt unbeweglich und angelehnt ohne erkennbare Emotion am Steinway. Weniger Show war nie. Es ist kein Konzert zum Zuschauen. Dafür eines zum ungeheuer konzentriert Hinhören, denn leicht macht es Lupu seinem Publikum nicht.

Dass er mitunter spiele, als spiele er nur für sich selbst (wie ein Kritikerkollege befand), war bereits in der Konzertankündigung zu lesen; nach nur ein paar Takten von Joseph Haydns Andante con Variazioni f-Moll und noch stärker später in Schumanns C-Dur-Fantasie op.17 wird überdeutlich, wie richtig das ist. Lupu schert sich kaum um Schumanns Satzbezeichnungen. "Durchaus fantastisch und leidenschaftlich vorzutragen" fordert der Komponist, das "leidenschaftlich" wischt der Interpret hier lässig beiseite wie das "durchaus energisch" im zweiten Satz. Das stürmerisch-drängende Moment an dieser Musik ignoriert Lupu, ihn interessieren die winzig kleinen Schattierungen. Lapidar spielt er ganze Passagen im eher moderaten, fast behäbigem Tempo herunter, wobei es auf die eine oder andere Note so ganz genau offenbar nicht ankommt, als wolle er sagen: Ihr kennt das Stück, ich deute es mal eben an - um ganz plötzlich innezuhalten und auf engstem Raum ein Riesenpanorama von unglaublichem Detailreichtum zu entfalten. Vom allerzartesten Pianissimo bis zum satten Mezzoforte (darüber hinaus geht's nur gelegentlich und nicht allzu weit) entwickelt er eine verblüffende Klangpalette. So weich und rund wie hier klingt der Steinway wohl nirgends.

Zuvor hatte er die Haydn-Variationen gespielt, als habe da Schumann bereits mitkomponiert. Tatsächlich ist diese Musik extrem zwischen f-Moll und F-Dur gespannt und weist in die Romantik voraus. Lupus traumverschattete Interpretation unterstreicht das noch, schafft aber auch eine ganz eigene Sprache, ziemlich weit weg von der Klarheit der Wiener Klassik. Die Befürchtungen, dieser Ansatz könne bei Tschaikowskys nach der Pause gespieltem Zyklus Die Jahreszeiten, als Gelegenheitswerk entstanden und vom Komponisten selbst wenig geschätzt (aber nicht ohne Reiz), zu einer Überinterpretation führen, waren indes unberechtigt. Lupu spielt die Charakterstücke mit Geschmack, Stilsicherheit und Klangkultur, ohne sie zu überfrachten.

Als Zugabe dann Schuberts Impromptus As-Dur op.142 (D935), in ungewohnt drängendem Tempo, das keine Nachdenklichkeit zulässt, sondern auf ein fernes Ziel zueilt, sehr fließend und mit berückendem Legato, das den Bogen nie abreißen lässt. Das schöne, aber schnell ein wenig biedere Werk entwickelt dadurch einen faszinierenden Sog. Wie Eigenbrötler Lupu, der sich nicht um Hörkonventionen schert, hier noch einmal Melodie und Begleitstimmen gleichermaßen Freiheiten gibt, sie raffiniert gleich-gewichtig nebeneinander stellt und offen lässt, wer nun dominiert (auch bei Schumann klang das oft an), das sucht seinesgleichen.




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Bayer/Kultur Klavierzyklus 2016/17
Historische Stadthalle Wuppertal,
Mendelssohn-Saal
10. Februar 2017


Ausführende

Radu Lupu, Klavier


Programm

Joseph Haydn:
Andante con Variazioni f-Moll Hob XVII:6

Robert Schumann:
Fantasie C-Dur op. 17

Peter Tschaikowsky:
Die Jahreszeiten op. 35 bis

als Zugabe:
Franz Schubert:
Impromptus As-Dur op.90/2 (D935)



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