Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Konzerte
Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum



BOSY Pur 1
Die acht Jahreszeiten

Musik von Antonio Vivaldi und Astor Piazzolla

Aufführungsdauer: ca. 1h 50' (eine Pause)

Mittwoch, 29.11.2017, 20.00 Uhr
Großer Saal, Anneliese Brost Musikforum Ruhr



Bochumer Symphoniker
(Homepage)

Aus vier mach acht

Von Thomas Molke

Neben den regulären Symphoniekonzerten, die die Bochumer Symphoniker nun schon in der zweiten Spielzeit in ihrer "neuen Heimat", dem Anneliese Brost Musikforum Ruhr, präsentieren, gibt es unter dem Titel BOSY Pur auch Konzerte zu erleben, in denen das Orchester sich nach kammermusikalischem Prinzip in größerem Rahmen ohne Dirigent vorstellt. Die musikalische Leitung übernimmt dabei jeweils Raphael Christ, der als 1. Violinist nicht nur Teil der Symphoniker ist, sondern auch seit 2011 als 1. Konzertmeister fungiert. In der ersten von insgesamt drei Veranstaltungen ist die Wahl auf Antonio Vivaldis vier Konzerte Le quattro stagioni (Die vier Jahreszeiten), einen absoluten "Klassiker" der Konzertliteratur gefallen. Kombiniert werden die vier Konzerte für Violine, Streichorchester und Basso continuo mit vier weiteren Jahreszeiten, die der Argentinier Astor Piazzolla zwischen 1965 und 1970 als Tango-Kompositionen schuf und in denen er Vivaldis Werk teilweise ganz offensichtlich, bisweilen jedoch auch versteckt und verfremdet zitiert. Die vier einsätzigen Stücke zählen zu den typischen Beispielen für den von Piazzolla kreierten "nuevo tango" und sind in der Originalfassung für ein Tango-Quintett, bestehend aus Violine, Klavier, E-Gitarre, Kontrabass und Bandoneon, komponiert. Zwischen 1996 und 1998 fertigte der russische Komponist Leonid Destyatnikov eine Version für Solovioline und Streichorchester an, die den Bezug zu Vivaldis quattro stagioni noch deutlicher herausarbeitet und in diesem Konzert verwendet wird.

Dabei wechseln sich an diesem Abend die einzelnen Konzerte von Vivaldi und Piazzolla jeweils ab und stellen so die einzelnen Jahreszeiten einander direkt gegenüber. Den Anfang macht La Primavera von Vivaldi. Mit großem Schwung beginnen die Symphoniker direkt mit dem bekannten Allegro aus Vivaldis Frühling. Sehr plastisch wird die von der Musik beschriebene blühende Natur mit dem Zwitschern unterschiedlicher Vogelarten herausgearbeitet. Christ unterbricht dann hochvirtuos mit der Solovioline das sanfte Murmeln der Quellen mit einem plötzlich aufziehenden Frühlingssturm. Im "Largo" beschreibt er dann einen schlafenden Hirten, während die begleitenden Geigen das Blätter- und Gräserrauschen nachahmen. Der letzte Satz lässt dann tanzende Nymphen und Schäfer vor dem geistigen Auge des Zuhörers entstehen. Etwas andere Töne schlägt Primavera Porteña, Piazzollas Pendant in Buenos Aires an. Auch wenn das Hauptthema aus Vivaldis Komposition kurz anklingt, weisen die synkopischen Rhythmen und Staccati eine ganz andere melancholische Stimmung auf. Teilweise werden die Streichinstrumente auch als Schlaginstrumente benutzt und klingen wie der Herzschlag der im Frühling erwachenden Natur. Anders als Vivaldi hat Piazzolla seinem Jahreszeiten-Zyklus kein poetisches Programm beigefügt. Stattdessen verlässt er sich ganz auf die suggestive Kraft der Musik, die von den Symphonikern mit Verve herausgearbeitet wird.

Es folgt Vivaldis Sommer, der mit seinen matten, schleppenden Akkorden zunächst die extreme Hitze für den Zuhörer nachvollziehbar macht. In großartigen Soli meint man, einzelne Vögel wie den Kuckuck, die Taube oder den Distelfink zu hören, bevor zunächst nur leise, dann aber umso heftiger ein gewaltiger Sommersturm losbricht. Auch in Piazzollas Verano Porteño ist die glühende Hitze von Buenos Aires direkt spürbar und gipfelt in dissonanten und chromatischen Wendungen. Nach der Pause geht es zunächst mit Piazzolla weiter. Nun wird der Herbst von Buenos Aires vorgestellt, bevor im Anschluss Vivaldis L'Autunno ein Bild der Ernte und der Jagd zeichnet. Der Klang des Jagdhorns wird von der Violine wunderbar imitiert und führt mit dem "Allegro" schnellen Schrittes zum erfolgreichen Ende der Jagd.

In Piazzollas Invierno taucht dann ein wenig überraschend ein Zitat aus Vivaldis Sommer wieder auf, wobei wohl auf die jahreszeitlichen Unterschiede zwischen Südamerika und Europa hingewiesen werden soll. Bei Vivaldi hört man zunächst im "Allegro non molto" die klirrende Kälte einer erfrorenen Natur. Das "Largo" deutet an, dass alles im Moment sehr langsam geht, da man beim Laufen über den gefrorenen Boden Angst vor dem Fallen hat. Das abschließende Allegro" deutet jedoch das Ende der kalten Jahreszeit an und gibt Hoffnung für neues Leben. Raphael Christ arbeitet mit den Bochumer Symphonikern die bildhaften Momente der Musik differenziert heraus, so dass es am Ende großen Applaus gibt. Als Zugabe wird dann noch einmal das "Largo" aus Vivaldis L'Inverno wiederholt.


FAZIT

Die Bochumer Symphoniker begeistern unter der Leitung von Raphael Christ bei einer spannenden Gegenüberstellung von Antonio Vivaldi und Astor Piazzolla.



Ihre Meinung ?
Schreiben Sie uns einen Leserbrief

Ausführende

Bochumer Symphoniker

Raphael Christ, Solovioline und
Musikalische Leitung

 


Werke

Antonio Vivaldi
Konzert E-Dur RV 269
La Primavera - Der Frühling
1. Allegro
2. Largo e pianissimo sempre
3. Allegro

Astor Piazzolla
Primavera Porteña
(Der Frühling von Buenos Aires)
Fassung für Violine und Streichorchester
von Leonid Desyatnikov

Antonio Vivaldi
Konzert g-Moll RV 315
L'Estate - Der Sommer
1. Allegro non molto
2. Adagio
3. Presto

Astor Piazzolla
Verano Porteño
(Der Sommer von Buenos Aires)
Fassung für Violine und Streichorchester
von Leonid Desyatnikov

Otoño Porteño
(Der Herbst von Buenos Aires)
Fassung für Violine und Streichorchester
von Leonid Desyatnikov

Antonio Vivaldi
Konzert F-Dur RV 293
L'Autunno - Der Herbst
1. Allegro
2. Adagio
3. Allegro

Astor Piazzolla
Invierno Porteño
(Der Winter von Buenos Aires)
Fassung für Violine und Streichorchester
von Leonid Desyatnikov

Antonio Vivaldi
Konzert f-Moll RV 297
L'Inverno - Der Winter
1. Allegro non molto
2. Largo
3. Allegro


Weitere Informationen
erhalten Sie von den

Bochumer Symphonikern
(Homepage)



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum
© 2017 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -