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BOSY Symphonie 5
Wagner - Walküre - Ring

Musik von Richard Wagner

Aufführungsdauer: ca. 1h 55' (eine Pause)

Donnerstag, 26.04.2018, 20.00 Uhr
Großer Saal, Anneliese Brost Musikforum Ruhr



Bochumer Symphoniker
(Homepage)

Konzert-Idyll mit Wagner

Von Thomas Molke

Von den vier Teilen des Ring des Nibelungen nimmt Die Walküre mit Sicherheit eine Sonderstellung ein. Zum einen wird in diesem Stück die Liebe in ihrer reinsten Form präsentiert, auch wenn es sich dabei mit dem Wälsungenpaar Siegmund und Sieglinde eigentlich um eine inzestuöse Beziehung handelt. Dennoch erreicht Wagner musikalisch zwischen diesen beiden Figuren eine Innigkeit, die im weiteren Verlauf des Rings ihrem gemeinsamen Sohn Siegfried und Brünnhilde, deren Liebe letztendlich Verrat und Betrug zum Opfer fällt, nicht zuteil wird. Zum anderen werden in keinem anderen Teil der Tetralogie der persönliche Schmerz und die Tragik der Figuren spürbarer, da das Schicksal des Wälsungenpaars, das nur am Ende des ersten Aufzugs einen ganz kurzen Moment des persönlichen Glücks erfährt, zu Tränen rührt. Von daher verwundert es nicht, dass dieser zweite Teil bisweilen im Repertoire auch ein Eigenleben führt und außerhalb des kompletten Zyklus zur Aufführung gelangt. Selbst bei den Bayreuther Festspielen steht in diesem Jahr vom Ring in der Inszenierung von Frank Castorf nur noch Die Walküre auf dem Programm, was manchem Bayreuth-Pilgerer als Sakrileg erscheinen mag. Steven Sloane geht im fünften Symphoniekonzert der Bochumer Symphoniker noch einen Schritt weiter und beschränkt sich mit drei hochkarätigen Solisten auf den ersten Aufzug.

Kombiniert wird der Abend mit Wagners Siegfried-Idyll, das im Spätherbst 1870 entstand. Wagner hatte seit einem Jahr die Arbeit am dritten Teil seiner Tetralogie wieder aufgenommen, nachdem er sich in der Zwischenzeit mit den Meistersingern und Tristan und Isolde beschäftigt hatte. Anlässlich der Geburt seines Sohnes Siegfried 1869 widmete er dieses gut 20-minütige Werk seiner Frau Cosima als "symphonischen Geburtstagsgruß". Der Titel Siegfried-Idyll ist nicht authentisch, da Wagner die Komposition mit "Tribschener Idyll mit Fidi-Vogelgesang und Orange-Sonnenaufgang" bezeichnete. Dennoch entlehnte er bei diesem Werk zahlreiche Motive der Opernpartitur, ohne dabei ein Potpourri aus dem Ring zu entwickeln. Der Hörer wird sofort in den zweiten Aufzug des Siegfried entführt, wenn der Held auf einer Lichtung, zu der ihn der Zwerg Mime geführt hat, den Drachen Fafner erwartet, um das Fürchten zu Lernen, und seinen Gedanken nachhängt. In relativ kleiner Besetzung wird in lautmalerischen Bögen der Aufgang der Sonne und das Erwachen der Natur beschrieben. Während zunächst die Streicher das Thema vorgeben, verkörpern die Bläser die Vogelwelt, die sich mit Beginn des Tages regt. Auch die Sehnsucht Siegfrieds nach seinen Eltern, die er nie kennengelernt hat, wird spürbar. Dabei erfährt das Stück wunderbare Variationen, wenn das Thema später von den Bläsern aufgegriffen wird, und die Streicher nun eigene Wege gehen. Sloane präsentiert dieses ruhig dahinfließende Werk mit den Bochumer Symphonikern sehr bewegend.

Nach der Pause folgen dann mit dem ersten Aufzug der Walküre die Antworten auf die Fragen, die unterschwellig im Siegfried-Idyll des ersten Teils angeklungen sind. Die orchestrale Besetzung ist nun so groß, wie man sie sich bei einer Wagner-Oper vorstellt. Für die drei Solisten ist hinter dem Orchester ein Podest aufgebaut, auf dem der erste Aufzug nahezu halbszenisch gegeben wird. Elisabet Strid und Stuart Skelton stellen die aufkeimende Liebe zwischen dem Wälsungenpaar nicht nur mimisch beeindruckend dar, sondern nutzen auch ein Glas Wasser, das als Quell dient, mit dem Sieglinde Siegmund "Erquickung schafft". Da mag man als Zuschauer im Parkett bedauern, dass hier die Sicht durch das relativ hoch platzierte Orchester ein wenig eingeschränkt ist. Aber dieses kleine Manko kann den musikalischen Genuss kaum trüben. Mit Vehemenz peitscht Sloane die Bochumer Symphoniker durch das Vorspiel, das Siegmunds Flucht vor Hundings Sippe eindrucksvoll beschreibt. Skelton verfügt als Siegmund über einen baritonal eingefärbten Tenor und setzt die Partie recht dunkel an, was mit Strids Sopran wunderbar harmoniert. Beeindruckend ist auch die Textverständlichkeit der beiden. So kann man auch ohne Übertitel und ohne Abdruck des Textes im Programmheft der Handlung sehr gut folgen. Sloane baut mit den Bochumer Symphonikern die zärtlichen Gefühle zwischen dem Wälsungenpaar musikalisch betörend auf, wobei Strids und Skeltons Blicke dabei Bände sprechen.

Aus dieser romantischen Atmosphäre wird man durch Hundings Auftritt jäh herausgerissen. Dimitry Ivashchenko verfügt über einen dunklen Bass, der die Bedrohung, die mit seinem Auftritt ins Haus kommt, sehr gut beschreibt. Szenisch spielt er das Misstrauen dem Fremden gegenüber glaubhaft aus. Strid gestaltet Sieglindes Leid in dieser Situation erneut mit großartigem Spiel und erkennt, dass sie nun handeln muss, indem sie ihrem Gatten einen Schlaftrunk verabreicht. Bei den nun folgenden "Wälse"-Rufen macht Skelton deutlich, über welche stimmlichen Reserven er verfügt. Dunkel angesetzt erfüllt er damit den ganzen Raum, bevor Strid erneut auftaucht und sich die Geschwister endgültig erkennen. Die berühmte fast schon an eine klassische Arie erinnernde Szene "Winterstürme wichen dem Wonnemond" überschüttet in der musikalischen Interpretation die Zuhörer mit einer Welle des Glücks. Skeltons Tenor leuchtet dabei in strahlenden Höhen, ohne zu forcieren. Da verwundert es nicht, dass es ihm gelingt, das Schwert aus der Esche Stamm zu ziehen. Bei der nun folgenden ekstatischen Musik beschränken sich Strid und Skelton auf eine langsame Umarmung und einen zärtlichen Kuss. Hier schreibt die Musik zwar etwas ganz anderes vor, aber das muss man nun wirklich nicht auf der Bühne zeigen. Die Musik sagt hier bereits alles. Die Solisten, Sloane und das Orchester werden nach diesem grandiosen Abschluss mit Jubel überschüttet.

FAZIT

Wagners erster Aufzug der Walküre funktioniert in einer solch hervorragenden Besetzung auch losgelöst vom Rest der Tetralogie, zumindest in einem Symphoniekonzert.



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Ausführende

Elisabet Strid, Sieglinde (Sopran)

Stuart Skelton, Siegmund (Tenor)

Dimitry Ivashchenko, Hunding (Bass)

Bochumer Symphoniker

Steven Sloane, Dirigent

 


Werke

Richard Wagner
Siegfried-Idyll WWV 103

Die Walküre, Erster Aufzug
Zweiter Teil der Tetralogie
Der Ring des Nibelungen

 


Weitere Informationen
erhalten Sie von den

Bochumer Symphonikern
(Homepage)



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