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Orchesterzyklus II - Meisterkonzerte
Festliche Saisoneröffnung


Royal Stockholm Philharmonic Orchestra
Sakari Oramo, Dirigent
Renée Fleming, Sopran

Aufführungsdauer: ca. 2h 20' (eine Pause)

Dienstag, 5. September 2017, 20.00 Uhr
Großer Saal im Konzerthaus Dortmund

 


(Homepage)

Ungewöhnliches zum Spielzeitauftakt

Von Thomas Molke / Fotos von Pascal Amos Rest

"So klingt nur Dortmund" lautet das Motto der diesjährigen Spielzeit im Konzerthaus Dortmund, und wenn man das Programm des Eröffnungskonzertes betrachtet, kann man dem scheidenden Intendanten Benedikt Stampa, der im Sommer 2019 die Leitung des Festspielhauses Baden-Baden übernehmen wird, wirklich bescheinigen, dass dieser Titel bei der Saisoneröffnung ernst genommen wird. So findet man in dem zusammengestellten Programm keinen Titel, der zum Konzertrepertoire gezählt werden dürfte. Auf den ersten Blick wirke das zusammengestellte Programm, so Ulrich Schardt in seiner Einführung im Komponistenfoyer, thematisch ein bisschen wie "Kraut und Rüben auf hohem Niveau". Da das natürlich auch mit einem gewissen Risiko für die Auslastung des Hauses behaftet ist, hat man für dieses Konzert nicht nur das namhafte Royal Stockholm Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Sakari Oramo eingeladen, sondern konnte auch die gefeierte Sopranistin Renée Fleming verpflichten, die zuletzt 2004 hier in einer Operngala mit Opern- und Konzertarien von Mozart, Strauss, Puccini und Dvořák zu erleben war. Das Konzept geht im fast ausverkauften Konzerthaus auf, und sehr schnell erkennt man auch verbindende Linien zwischen den einzelnen Stücken, die alle um das Thema "Stimmungen" kreisen.

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Renée Fleming und Sakari Oramo mit dem Royal Philharmonic Orchestra bei Barbers Knoxville: Summer of 1915

Flemings Auftritte werden von zwei Orchesterwerken eingerahmt und bilden das Kernstück des Abends. Den Anfang macht dabei Knoxville: Summer of 1915 von Samuel Barber, einem Komponisten, dessen Musik Fleming nach eigenem Bekunden gewissermaßen in die Wiege gelegt worden sei. Barber komponierte dieses Stück für Sopran und Orchester, das auf einem autobiographischen Fragment des Schriftstellers und Filmkritikers James Agee basiert, im Auftrag der Sopranistin Eleanor Steber. Agee beschreibt in seinem Prosagedicht einen Sommerabend in seiner Geburtsstadt im Süden. Die Orchesterfarben erinnern dabei stellenweise an die 12 Jahre zuvor uraufgeführte Oper Porgy and Bess von George Gershwin und zeigen ein nostalgisches Bild einer glücklichen Kindheit. So hat man beinahe das Gefühl, an einem heißen Sommerabend in einem Schaukelstuhl auf einer Veranda zu sitzen und das Ende des Tages zu beobachten, das in Barbers Musik lautmalerisch umgesetzt wird. Fleming begeistert bei dieser Naturbeschreibung mit warmem Sopran und eindringlicher Stimmführung. Im Anschluss folgt Barbers Sure on this shining night, das dritte Lied aus Barbers Four Songs, die er ebenfalls auf Gedichte von Agee komponierte. Auch bei diesem Stück findet Fleming zu einer innigen Interpretation.

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Daphnes Verwandlungsszene aus Richard Strauss' Daphne mit Renée Fleming und Sakari Oramo am Pult des Royal Stockholm Philharmonic Orchestra

Nach der Pause gibt es dann die große Verwandlungsszene aus Richard Strauss' 1838 uraufgeführter Oper Daphne. Fleming trägt nun ein meliertes Kleid, das in seiner Farbstruktur an das Holz des Baumes erinnert, in den sich Daphne am Ende dieser Szene verwandelt. Die Nymphe Daphne ist auf der Flucht vor dem Gott Apollo, der kurz zuvor den in sie verliebten Schäfer Leukippos getötet hat. Bei dem leicht unruhigen Anfang hat man das Gefühl, Daphne noch fliehen zu sehen. Doch schnell erkennt sie, dass sie dem Gott nicht entkommen kann, und bleibt wie die Musik abrupt stehen. Dann beginnt die Verwandlung. Mit klarer Diktion und leuchtendem Sopran besingt Fleming die Verwandlung der Nymphe, die vom Royal Stockholm Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Sakari Oramo mit gewaltigen Klangfarben umgesetzt wird. So entfacht Oramo mit den Musikern ein gewaltiges musikalisches Bild voller Poesie, das in der Naturbeschreibung mit dem typischen Strauss'schen Klang nur so schwelgt. Fleming verlässt währenddessen bereits die Bühne, um am Ende aus dem Off die letzten Töne der verwandelten Nymphe erklingen zu lassen, die nun nicht mehr zu sehen ist, sondern nur noch aus dem neu entstandenen Baum ertönt. Natürlich will das begeisterte Publikum Fleming nach dieser großartigen Darbietung nicht ohne Zugabe gehen lassen, und so verabschiedet sie sich mit dem Lied "Und morgen wird die Sonne wieder scheinen" aus Strauss' Liederzyklus Morgen von 1894.

Das einrahmende Orchesterprogramm startet mit dem Stück Liguria der 1981 in Schweden geborenen Komponistin Andrea Tarrodi. Stampa hatte bei der Begrüßung des Publikums zur neuen Spielzeit darauf hingewiesen, dass es dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra nicht nur ein Anliegen sei, Frauen als Dirigentinnen zu fördern, sondern sich auch verstärkt Kompositionen von Frauen widmen wolle. Tarrodi beschreibt in dem 2012 entstandenen gut 10-minütigen Stück die Landschaft an der Nordwestküste Italiens, den sogenannten "Cinque Terre". So lässt sich Liguria als lautmalerischer Spaziergang durch die kleinen Fischerdörfer hören. Mit großer Unruhe fängt die Musik die gegen die Klippen peitschenden hohen Wellen ein und endet mit einem friedlichen Blick in den Nachthimmel. Oramo arbeitet mit dem Orchester die Naturbeschreibungen detailliert heraus.

Zum Schluss des Programms widmet sich Oramo mit dem Orchester einem dänischen Komponisten, der sich in Skandinavien zwar großer Beliebtheit erfreut, in Deutschland jedoch sehr selten gespielt wird: Carl Nielsen. Am bekanntesten ist hier vielleicht noch seine Oper Maskerade, die unter anderem 2012 in Krefeld und Mönchengladbach zu erleben war. Seine 2. Sinfonie trägt den Untertitel Die vier Temperamente und beschäftigt sich mit vier unterschiedlichen Stimmungen, die auch in den Namen der einzelnen Sätze zum Ausdruck kommen. Der erste Satz, Allegro collerico, schlägt musikalisch regelrecht um sich. In peitschenden Klängen bäumt sich die Musik auf und wirkt wild, aggressiv und außer Kontrolle geraten. Viel ruhiger geht es dann im zweiten Satz zu. Hier wird das Bild eines phlegmatischen Tagträumers gezeichnet, der durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist. Auch der dritte Satz beginnt ruhig und melancholisch. Doch nähert man sich bereits langsam wieder dem Ungestümen des erstes Satzes. Diese Wildheit bricht im letzten Satz erneut hervor. Hier wird den Musikern kaum eine Pause gegönnt, und man hetzt von einer Unruhe in die nächste. Dann wird plötzlich ein ernsthaftes Adagio molto dazwischengeschaltet, das die Musik einen Moment innehalten lässt, dann aber ungebremst in ein fulminantes Finale führt. Oramo setzt mit dem Orchester diese Stimmungen wunderbar um.

Als Zugabe gibt es dann mit Johannes Brahms' Ungarischem Tanz Nr. 4 schließlich ein gängiges Repertoirestück, bei dem Oramo mit dem Orchester das Publikum noch einmal zu Jubelstürmen hinreißt.

FAZIT

Das Programm des Eröffnungskonzertes ist in seiner Zusammenstellung zwar absolut ungewöhnlich, aber in der Darbietung von Renée Fleming und dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Sakari Oramo trotzdem eine gelungener und vielversprechender Einstand in die neue Saison.


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Ausführende

Royal Stockholm Philharmonic Orchestra

Sakari Oramo, Dirigent

Renée Fleming, Sopran



Werke

Andrea Tarrodi
Liguria (2012)

Samuel Barber
Knoxville: Summer of 1915
op. 24 für Sopran und Orchester (1947)

Sure on this shining night
op. 13 Nr. 3 für Sopran und Orchester (1938)

Richard Strauss
"Ich komme, ich komme"
Daphnes Verwandlung aus Daphne op. 82 (1937)

Carl Nielsen
Sinfonie Nr. 2 op. 16
Die vier Temperamente (1902)
Allegro collerico
Allegro comodo e flemmatico
Andante malincolico
Allegro sanguineo


Weitere Informationen
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Konzerthaus Dortmund
(Homepage)



Da capo al Fine

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