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Kaisersaalkonzerte 2017


Römer, Frankfurt am Main, 10. September 2017
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forum alte musik Frankfurt
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Die Macht der Worte

Der erste Internationale Moderationspreis für Alte Musik

Von Dr. Ingo Negwer (Text und Fotos)

Erstmals hatte das Forum Alte Musik in diesem Jahr zur Teilnahme am Internationalen Moderationspreis für Alte Musik aufgerufen. Junge Ensembles sollten nicht nur ihr musikalisches Können unter Beweis stellen, auch ihre Kreativität, das musikalisch Dargebotene ebenso informativ wie unterhaltsam in Worte zu kleiden, war gefragt. Die Veranstalter wollten mit diesem außergewöhnlichen Wettbewerb die besondere Bedeutung der Musikvermittlung im heutigen Konzertbetrieb hervorheben und würdigen.

Sechzehn Ensembles aus Schweden, Österreich, Polen und Deutschland waren an den Start gegangen. Die Jury mit Prof. Felix Koch (Mainz), Prof. Michael Schneider (Frankfurt a. M.) und Dr. Daniel Detambel (Wiesbaden) traf anhand der eingesandten Videos eine Vorauswahl von drei Ensembles, die sich am 10. September in einer Endrunde im Kaisersaal des Frankfurter Römer live präsentierten. Jedes Ensemble hatte zwanzig Minuten Zeit für seine Darbietung. Als Gewinn warteten Preisgelder in Höhe von insgesamt 7.000 Euro sowie ein Publikumspreis (500 Euro).

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Boreas Quartett: Elisabeth Champollion, Jin-Ju Baek, Luise Manske, Julia Fitz (v.l.n.r.)

Mit dem mittelalterlichen Kanon "Sumer is icumen in" eröffnete das Boreas Quartett aus Bremen den musikalisch-verbalen Wettstreit. Es folgte Robert Parsons Fantasie über "Ut re mi fa sol la" und "Sermone blando" von William Byrd. Johann Sebastian Bachs Contrapunctus 4 aus der Kunst der Fuge bildete den Schlusspunkt. Jin-Ju Baek, Elisabeth Champollion, Julia Fitz und Luise Manske ließen vom ersten Takt an keinen Zweifel, dass sie sich mit manchem arrivierten Blockflötenquartett messen lassen können. Der Ensembleklang war bestens aufeinander abgestimmt, das plastisch artikulierte Spiel lebendig und abwechslungsreich. Dabei begleiteten sie das Publikum mit fundierten, im besten Sinne historisch informierten Worten durch das nicht alltägliche Repertoire aus Mittelalter, Renaissance und Barock. Den Fokus ihrer Darbietung legten sie auf die Musik, die es einem interessierten Publikum zu erläutern galt. Auf vordergründige Gags, die das durchweg ernste Repertoire konterkariert hätten, wurde verzichtet.

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4Times Baroque: Jonas Zschenderlein, Alexander von Heißen (verdeckt), Karl Simko, Jan Nigges (v.l.n.r.)

Jan Nigges (Blockflöte), Jonas Zschenderlein (Barockvioline), Karl Simko (Barockcello) und Alexander von Heißen (Cembalo) sind 4Times Baroque. Das Frankfurter Ensemble spielte in der Finalrunde des Wettbewerbs virtuose Kammermusik des Barock. Mit unterhaltsamen Worten und Gesten führte das Quartett zunächst in Georg Friedrich Händels Oper Rinaldo ein, ehe deren viersätzige Ouvertüre in einer zeitgenössischen Bearbeitung des 18. Jahrhunderts mit tänzerischer Leichtigkeit erklang. Anschließend erläuterte Jan Nigges, wie ein gewisser Pierre Prowo (1667-1757), Musiker an der Hamburger Gänsemarktoper und offenkundig ein großer Telemann-Verehrer, seine Triosonate d-Moll so gekonnt im Stil des Vorbildes komponiert hatte, dass sie lange Zeit für ein Werk des Meisters selbst gehalten wurde. Auch auf den von Telemann häufig imitierten volkstümlich polnischen Stil mochte Prowo nicht verzichten. 4Times Baroque interpretierte die Sonate frisch und lebendig, ließ im finalen Presto auch witzig-derbe Klänge hören. Ein durchweg kurzweiliger Beitrag, den nur gelegentliche Mängel in Feinabstimmung und Intonation trübten.

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Ensemble Aravà. Sophie Wedell, Avinoam Shalev, Nora Matthies, Einat Aronstein (v.l.n.r.)

Das deutsch-israelische Ensemble Aravà aus Hannover stellte sich abschließend mit Auszügen aus dem Oratorium Theodora und aus der Oper Alessandro von Georg Friedrich Händel vor. Aravà bot mit der charismatischen Sängerin Einat Aronstein und den hervorragenden Instrumentalisten Sophie Wedell (Barockvioline), Nora Matthies (Barockcello) und Avinoam Shalev (Cembalo) eine höchst beeindruckende Ensembleleistung, die kaum Wünsche offen ließ. Insbesondere der klar strahlende Sopran von Einat Aronstein mit makellosen Höhen und gleichsam mühelos perlenden Koloraturen in der Arie "Tempesta e calma" begeisterte das Publikum. Kreativ, unterhaltsam und humorvoll spielten sich alle Ensemblemitglieder auch in Sachen Moderation, in deren Mittelpunkt die Einführung in die verworrenen Handlungen der Werke stand, in die Herzen der Zuhörer - und der Jury.

Als nach der Pause die Preise bekannt gegeben wurden, war es für die meisten Anwesenden keine Überraschung, dass Aravà sowohl den Publikumspreis als auch den 1. Internationalen Moderationspreis für Alte Musik in Empfang nehmen durfte. Der 2. Preis ging an 4Times Baroque. Das Boreas Quartett wurde mit dem 3. Preis ausgezeichnet. Eine Neuauflage des Wettbewerbs plant das Forum Alte Musik Frankfurt für 2019.




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Kaisersaalkonzert im Römer
Frankfurt am Main, 10. September 2017


Ausführende

Boreas Quartett
Jin-Ju Baek - Blockflöten
Elisabeth Champollion - Blockflöten
Julia Fitz - Blockflöten
Luise Manske - Blockflöten


4Times Baroque
Jan Nigges - Blockflöte
Jonas Zschenderlein - Barockvioline
Karl Simko - Barockcello
Alexander von Heißen - Cembalo


Ensemble Aravá
Einat Aronstein - Sopran
Sophie Wedell - Barockvioline
Nora Matthies - Barockcello
Avinoam Shalev - Cembalo




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