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Elektra

Tragödie in einem Aufzug (op. 58)
Text von Hugo von Hofmannsthal
Musik von Richard Strauss

in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1h 50' (keine Pause)

Konzertante Aufführung am Sonntag, 17. März 2019, 17.00 Uhr
Großer Saal im Konzerthaus Dortmund

 


(Homepage)

Ekstatischer Rausch im Konzerthaus

Von Thomas Molke / Fotos: © Pascal Amos Rest

Mit Elektra begann die überaus erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Richard Strauss und dem Dichter Hugo von Hofmannsthal, der zahlreiche weitere große Werke folgen sollten. Strauss hatte Hofmannsthals Elektra-Drama bereits 1903 in Berlin gesehen und war von dem Stoff zwar beeindruckt, hatte jedoch zunächst nicht die Absicht, ihn zu vertonen, weil er fürchtete, dass dieses Werk seiner vorangegangenen Oper Salome, die sich mit sehr großem Erfolg schnell verbreitet hatte, zu ähnlich sei. Hofmannsthal gelang es dennoch, diese Bedenken abzuschwächen, und so schuf Strauss eine Oper, die nach seinem eigenen Empfinden in der Geschlossenheit des Aufbaus sogar noch eine Steigerung zu Salome darstellte und der er später genau wie Salome eine Einzelstellung in seinem Lebenswerk einräumte, da er in diesen beiden Opern "bis an die äußersten Grenzen der Harmonik, psychischer Polyphonie und Aufnahmefähigkeit heutiger Ohren gegangen" sei. Im Konzerthaus ist diese mythologische Geschichte von Blut und Rache nun konzertant mit dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada zu erleben.

Mit über 100 Musikern ist die Bühne im Konzerthaus bis zum Rand gefüllt, so dass die Solisten für ihre Szenen durch die unteren Saaleingänge auf- und abgehen müssen, was dem ganzen Abend einen gewissen szenischen Charakter verleiht, zumal zumindest die Hauptpartien ihre Rollen frei vortragen und nicht vom Blatt singen, so dass ihnen die Möglichkeit gegeben wird, den Gesang szenisch auszuschmücken. Die Einblendung der deutschen Übertitel ermöglicht nicht nur, den stellenweise aufgrund des großen Orchesterapparates schwer zu verstehenden Text mitzulesen, sondern liefert auch noch Regieanweisungen, die Strauss' lautmalerische Qualitäten unterstreichen. So kann man die ganze Geschichte, vor dem geistigen Auge erleben und wird von dem unter der Leitung von Orozco-Estrada beherzt aufspielenden Orchester wie in Trance in die blutrünstige Geschichte der Atriden hineingezogen. Ein einziger brutaler Schlag ersetzt die sonst übliche Ouvertüre und lenkt motivisch direkt auf eine Figur, die zu Beginn der Oper bereits tot ist: Agamemnon. Er hatte nämlich seine Tochter Iphigenie geopfert, um günstige Winde für die Fahrt in den Trojanischen Krieg zu bekommen, was seine Frau Klytämnestra ihm nicht verzeihen konnte, so dass sie ihn nach seiner Rückkehr gemeinsam mit ihrem Geliebten Aegisth im Bad hinterrücks ermordete. Während Agamemnons Sohn Orest von seiner Schwester Elektra in Sicherheit gebracht wurde und in der Fremde aufwuchs, sind Elektra und ihre Schwester Chrysothemis in Mykene geblieben. Elektra wartet auf die Rückkehr ihres Bruders, um endlich Rache an der Mutter für den Mord an ihrem Vater nehmen zu können.

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Elektra (Elena Pankratova, links) sucht für ihren Racheplan Unterstützung bei ihrer Schwester Chrysothemis (Allison Oakes, rechts).

Die erste Szene gehört einer Gruppe von Mägden, die am Abend den Hof putzen und über Elektra lästern, die mittlerweile ein sehr merkwürdiges Verhalten an den Tag legt. Evelyn Krahe, Valentina Kutzarova, Leonie van Rheden und Hailey Clark gestalten die vier missgünstigen Mägde in ihren gehässigen Erzählungen mit großer Intensität. Mandy Fredrich sticht als fünfte Magd mit lieblichem Sopran heraus, weil sie als einzige Mitgefühl mit der Prinzessin empfindet. Doch sie wird von den anderen nicht nur verhöhnt, sondern auch noch geschlagen, was vom Orchester durch einen erbarmungslosen, harten Klang verdeutlicht wird. Elektras folgender Auftritt greift den Orchesterschlag des Anfangs wieder auf. Allein beklagt sie den Tod ihres Vaters Agamemnon und sehnt sich nach dem Tag der Rache. Elena Pankratova gestaltet die Titelpartie mit dunkel gefärbtem Sopran, der die Stimmungsschwankungen der griechischen Prinzessin mit differenzierten Nuancen sauber herausarbeitet. Auch szenisch legt sie die Partie leicht entrückt an und begeistert durch großartige Mimik. Bei dem Gedanken an die Rache gerät sie regelrecht in Ekstase. Ihre Schwester Chrysothemis reißt sie aus ihren blutrünstigen Fantasien. Allison Oakes stellt als Chrysothemis mit ihrem kräftig strahlenden Sopran einen starken Kontrast zu Pankratova dar. Oakes macht stimmlich deutlich, dass Chrysothemis nicht länger in der Hoffnung auf Orests Rückkehr und der damit verbundenen Rache an der Mutter verharren will, sondern sich nach einem friedlichen Leben sehnt. Dies wird auch optisch unterstrichen, da Oakes als einzige ein buntes Kleid trägt, während alle anderen Figuren in Schwarz auftreten.

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Elektra (Elena Pankratova, links) in einer Auseinandersetzung mit ihrer Mutter Klytämnestra (Michaela Schuster, rechts)

Es folgt eine musikalisch und stimmlich großartige Auseinandersetzung zwischen Elektra und Klytämnestra. Michaela Schuster arbeitet mit dunkel gefärbtem Mezzo die innere Zerrissenheit der Klytämnestra eindringlich heraus. Zuerst gibt sie sich schroff und hart, um anschließend durchblicken zu lassen, dass sie der ständigen Angst und dem schlechten Gewissen nicht mehr gewachsen ist. Während sie sich von Elektra Hilfe und Unterstützung erhofft, muss sie erkennen, dass ihre Tochter kein Mitgefühl mit ihr hat und ihr offen den Tod wünscht. Da naht die scheinbare Rettung in Form von zwei Dienerinnen, die ihr verkünden, dass Orest gestorben sei. Mit welchem Triumph Schuster diese Nachricht feiert, lässt jegliches Mitgefühl, was man vielleicht mit Klytämnestra vorher noch empfunden hat, schwinden. Höhnisch lachend verlässt sie die Bühne. Elektra bleibt verunsichert zurück bekommt die schreckliche Nachricht kurz darauf von ihrer Schwester Chrysothemis. Erneut begeistert Pankratova mit großer Intensität, wenn sie zunächst in Verzweiflung stürzt und dann beschließt, den Mord an der Mutter selbst zu verüben. Mit Oakes kommt es zu einem erneuten großartigen stimmlichen Schlagabtausch, an dessen Ende Oakes panisch die Bühne verlässt.

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Elektra (Elena Pankratova) nach der vollzogenen Rache im ekstatischen Rausch (im Hintergrund: Andrés Orozco-Estrada mit dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt)

Nun taucht der tot geglaubte Orest auf, der von Michael Volle mit markantem, dunklem Bariton ausgestattet wird. Mit bewegender Eindringlichkeit gestaltet er mit Pankratova die Szene, in der sich die beiden Geschwister wieder erkennen und den Mord an der Mutter und ihrem Geliebten planen. Dann eilt er von der Bühne und lässt seine Schwester zurück. Aus dem Off hört man die gellenden Schreie der sterbenden Mutter, bevor Aegisth auftritt. Michael Schade gestaltet den verhassten Nebenbuhler Agamemnons mit einem hellen, fast schneidenden Tenor. In der Szene mit Elektra schimmert beinahe ein bisschen Komik durch, wie man sie später im Rosenkavalier wiederfindet, nur dass Elektras Absichten tödlich sind. Schade lässt Aegisths Todesschreie auf der Bühne erklingen und geht erst nach dessen Tod ab. Chrysothemis eilt zu ihrer Schwester, um ihr vom Tod der Mutter und ihres Geliebten zu berichten. Doch Elektra befindet sich mittlerweile in einem solchen Rausch, dass sie den Inhalt der Worte nicht mehr richtig verarbeiten kann. Erneut sind die krachenden Orchesterschläge vom Beginn der Oper zu hören. Elektra steigert sich in einen ekstatischen Tanz, an dessen Ende sie leblos zusammenbricht. Pankratova gestaltet die Entrückung Elektras eindringlich. Das Orchester versetzt das Publikum erneut mit fulminantem Spiel und dem letzten Schlag gewissermaßen in eine Schockstarre, aus der sich die Zuhörer aber schnell durch frenetischen Applaus befreien.

FAZIT

Auch wenn es sich im Konzerthaus nur um eine konzertante Aufführung der Oper handelt, wird die Geschichte greifbarer als in manch szenischer Produktion. Die musikalische Umsetzung geht unter die Haut.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Andrés Orozco-Estrada

hr-Sinfonieorchester Frankfurt



Solisten

Elektra
Elena Pankratova

Klytämnestra
Michaela Schuster

Chrysothemis
Allison Oakes

Orest
Michael Volle

Aegisth
Michael Schade

Junger Diener / Tenor II Schlusschor
Christian Sturm

Pfleger des Orest / Alter Diener /
Bass I Schlusschor
Peter Maruhn

Erste Magd / Alt I Schlusschor
Evelyn Krahe

Zweite Magd / Alt II Schlusschor
Valentina Kutzarova

Dritte Magd
Leonie van Rheden

Vierte Magd / Sopran I Schlusschor
Hailey Clark

Fünfte Magd / Schleppträgerin /
Sopran II Schlusschor
Mandy Fredrich

Vertraute / Aufseherin
Ivi Karnezi

Tenor I Schlusschor
Benedikt Nawrath

Bass II Schlusschor
Dominic Barberi



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Konzerthaus Dortmund
(Homepage)



Da capo al Fine

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