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Konzertreihe "Große Chorwerke" - Residenz des Collegium Vocale Gent in der Philharmonie Essen

Elias

Oratorium nach Worten des Alten Testaments
Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy



16. Februar 2019, Saalbau Essen, Alfried Krupp Saal
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Philharmonie Essen
(Homepage)
Verheißung durch Klangwunder

Von Stefan Schmöe

Ein Fall von Populismus? "Ich hatte mir eigentlich beim Elias einen rechten durch und durch Propheten gedacht, wie wir ihn etwa heut zu Tage wieder brauchen könnten", schrieb Felix Mendelssohn-Bartholdy über sein 1846 komponiertes Oratorium. Allerdings ein Prophet mit Schattenseiten, wie der zweite Teil des Satzes deutlich macht: " stark, eifrig, auch wohl bös und zornig und finster [] und doch getragen wie auf Engelsflügeln." Diese Ambivalenz und die daraus resultierende Dramatik, die Mendelssohn dem Stoff abgewinnt, macht den Reiz des 1846 komponierten Oratoriums aus.

Die packenden Interpretation von Philippe Herreweghe setzt an dieser Stelle an, erzählt den Elias in quasi durchkomponierter, dramatischer Form, beim exzellenten Chor des Collegium Vocale Gent, in dieser Spielzeit als "Residenz-Ensemble" der Philharmonie mehrfach in Essen zu erleben (u.a. bereits mit dem Israelsbrünnlein) wie bei der superben Solistenriege durchweg mit subtiler Textausgestaltung und dem Sinn für eine packende Geschichte, die keine szenische Realisation braucht. Das ist keineswegs "opernhaft", Herreweghe hat natürlich Gespür für die Gattung (und die Vorbilder Händel und Bach bleiben jederzeit hörbar), aber die Musik hat jederzeit einen erzählerischen, nach vorne drängenden Fluss und erstarrt nicht in frömmelnden Betrachtungen, was bei Mendelssohn schnell passieren kann. Die Chöre, auch die Choräle, entwickeln sich zwingend aus dem Geschehen heraus und gewinnen dadurch eine unmittelbare dramaturgische Funktion, und so wird es ein ausgesprochen kurzweiliger Elias.

Mit dem fabelhaften Orchestre des Champs-Èlysées, mit dem Herreweghe einige Wochen zuvor bereits eine fulminante Bruckner-Interpretation hingelegt hat (unsere Rezension), entsteht auf historischen Instrumenten des 19. Jahrhunderts ein schlanker, durchaus scharfer und so die Musik schärfender Orchesterklang, der nicht großformatig einlullt, sondern mit verblüffenden Klangeffekten aufwartet, mal geheimnisvoll düster, dann unvermittelt elysisch entrückt. Gleiches gilt für den Chor, der mit deutlicher, nie aufdringlicher Artikulation immer wieder Stimmungswechsel durch kleine Änderungen der Farbe verdeutlicht. Mit einer Besetzung von 40 Sängerinnen und Sängern ist das Collegium Vocale Gent weit entfernt von der Stärke der originalen Besetzung (da sollen es 271 Choristen gewesen sein), verfügt aber neben der Flexibilität über enorme Strahlkraft. Auch in der vergeblichen dreimaligen Anrufung des Baal wird die Musik hier nicht martialisch, sondern behält bei aller federnden Kraft eine eigene Musikalität, die an archaisch mittelalterliche Musik denken lässt. Ähnliches gilt für die Gotteserscheinung, die sich nicht in Sturm, Erdbeben und Feuer vollzieht, sondern in einem sanften Hauch: Auch hier bleibt der Klang kraftvoll, Herreweghe baut zudem geschickt die Steigerung auf, überrumpelt aber keineswegs durch schiere Lautstärke, und auch hier ist es am Ende die verblüffende, völlig andere Klangfarbe, die überraschend in eine Sphäre versetzt. Die alttestamentarische Strenge und Wucht weicht in Weise der neutestamentarischen Verheißung des gütigen Gottes, wie sie nicht in Worte gefasst werden kann.

André Schuen ist ein jugendlicher, eifernder Elias mit trompetenhaft strahlendem Bariton, den er sehr differenziert einsetzt und auch lyrisch zurücknehmen kann. Mit leuchtendem, sehr intensivem Sopran gestaltet Christina Landshamer die Sopranpartie, packend in der Szene der Mutter mit totkrankem Kind, das durch Elias' Einwirken geheilt wird. Über ein faszinierendes, geheimnisvoll leuchtendes Timbre verfügt Altistin Gerhild Romberger, die eine ganz eigene Aura schafft. Dagegen fällt der schöne und sauber geführte, im Vergleich zu den anderen Solisten aber ein wenig matte Tenor von Werner Güra ein wenig ab. Die kleinen Partien werden ganz ausgezeichnet mit Choristinnen besetzt; Magdalena Podkościelna singt den Knaben vom Chorpodium aus mit jungenhafter Stimme und gibt mit Elisabeth Rapp und Marlen Herzog ein anrührendes, in keiner Note sentimentales Engelterzett. Ein bewegendes Konzert.




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Ausführende

Elias
André Schuen

Sopran /Die Witwe
Christina Landshamer

Alt / Die Königin
Gerhild Romberger

Tenor / Obadja, Ahab
Werner Güra

Ein Knabe
Magdalena Podkościelna

Engel
Magdalena Podkościelna
Elisabeth Rapp
Marlen Herzog

Collegium Vocale Gent

Orchestre des Champs-Élysées

Leitung: Philippe Herreweghe



Weitere Informationen:

Philharmonie Essen



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