Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Konzerte
Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum



Elīna Garanča
Konzertgala

NDR Radiophilharmonie
Dirigent: Karel Mark Chichon

Aufführungsdauer: ca. 2h (eine Pause)

Samstag, 26. Mai 2019, 19.00 Uhr
Alfried Krupp Saal in der Philharmonie Essen

 



Philharmonie Essen
(Homepage)

Von der dramatischen Oper zur spanischen Zarzuela

Von Thomas Molke / Foto: © Karina Schwarz (Deutsche Grammophon)

Elīna Garanča zählt zu den ganz großen Mezzosopranistinnen der Gegenwart und hat in kurzer Zeit eine regelrechte Bilderbuchkarriere gemacht. Nach einem ersten Festengagement am Südthüringer Staatstheater in Meiningen gelang ihr über die Oper Frankfurt schnell der Sprung an die ganz großen Opernhäuser der Welt. 2013 wurde sie von der Wiener Staatsoper, an der sie in mehr als 140 Vorstellungen 18 verschiedene Rollen interpretiert hatte, zur Kammersängerin ernannt und ist damit eine der jüngsten Titelträgerinnen. Neben der Oper beschäftigt sie sich auch immer gerne anderen musikalischen Genres. Nachdem sie sich bei ihrem letzten Auftritt in der Philharmonie Essen im November 2014 mit ihrem Programm Meditation vor allem geistlicher und spiritueller Musik gewidmet hat (siehe auch unsere Rezension), spannt sie nun einen Bogen zur sogenannten "leichten Muse Spaniens": der Zarzuela.

Bild zum Vergrößern

Ein Hauch von Grace Kelly? Elīna Garanča

Der erste Teil des Abends gehört aber ganz der großen italienischen Oper. Nachdem Garanča vor gut einem Jahr an der Pariser Oper ein umjubeltes Rollendebüt als Prinzessin Eboli in Verdis Don Carlos gegeben hat, präsentiert sie die beiden großen Arien der Eboli nun auch in der Philharmonie Essen. Den Anfang macht "Nel giardin del bello", in der Eboli die Damen des Königshofs mit einer Geschichte über einen König unterhält, der eine verschleierte Frau umwirbt, die sich später als die Königin entpuppt. Garanča punktet dabei mit spielerisch angesetzten Koloraturen, die der Erzählung eine leicht anzügliche Note verleihen. Auch wenn bei diesem Konzert auf die zweite Stimme des Pagen Tebaldo und den Chor der Hofdamen verzichtet werden muss, gelingt es Karel Mark Chichon am Pult der NDR Radiophilharmonie mit dem Orchester diesen fehlenden Part geschickt auszugleichen und das maurische Flair dieser Ballade wunderbar einzufangen. Besonders beeindruckt Garanča bei den zahlreichen Variationen in den Koloraturen. Wesentlich dramatischer geht es dann in Ebolis Arie aus dem vierten Akt, "O don fatale, o don crudel", zu. Eboli bereut, die Königin an Philipp verraten zu haben, und verflucht ihre Schönheit, beschließt am Ende als Wiedergutmachung jedoch, den inhaftierten Carlos zu retten. Garanča begeistert hierbei mit großer stimmlicher Dramatik und nimmt es problemlos mit dem fulminant aufspielenden Orchester auf. Dazwischen glänzt sie noch mit einer Arie aus Cileas Adriana Lecouvreur, in der die gefeierte Schauspielerin Adriana sich ihren Bewunderern als bescheidene Magd des Schöpfergeistes präsentiert. Hier punktet Garanča mit strahlend angesetzten Höhen. Die NDR Radiophilharmonie unter der Leitung von Garančas Ehemann Karel Mark Chichon versprüht nicht nur während der Arien große Operndramatik, sondern begeistert auch zwischen den Arien mit den Ouvertüren zu Verdis Luisa Miller und La forza del destino sowie dem Intermezzo aus Puccinis Manon Lescaut.

Nach der Pause erkundet Garanča mit der Zarzuela dann die eher heitere Seite Spaniens. Den Anfang macht dabei ein Komponist, den man eigentlich gar nicht mit Spanien in Verbindung bringt: Edvard Grieg. Bei "T'estimo" handelt es sich um die katalanische Version eines dänischen Gedichts von Hans Christian Andersen, die der Norweger Grieg vertont hat und die von John Langley für einen Mezzosopran arrangiert wurde. Mit warmem Mezzo fängt Garanča die zarten Gefühle dieser Liebeserklärung ein. Es folgt ein Lied des italienischen Komponisten Stanislao Gastaldon: "Musica proibita". Hierin erinnert sich ein junges Mädchen an eine Serenade, die ihr ein verliebter junger Mann als Ständchen gebracht hat. Obwohl ihre Mutter ihr verboten hat, dieses Lied nachzusingen, tut sie es dennoch und verliert sich in den innigen Liebesschwüren. Auch hier begeistert Garanča mit mädchenhaftem Charme und einer Prise gespielter Naivität.

Das galicische Lied "Lela" von Rosando Mato Hermida ist eigentlich eine Liebeserklärung an eine junge Frau, die den Liebenden verlassen hat. Juan Durán hat es für einen Sopran arrangiert, so dass es nicht verwundert, dass Garanča, die mit ihrem Mezzosopran häufig in Hosenrollen geschlüpft ist, nun auch diesen jungen Liebhaber verkörpert. "El día que me quieras" ist eine Hommage an den Tango-Sänger Carlos Gardel, der dieses Lied für einen Film, in dem er selbst die Hauptrolle verkörpert hat, komponiert hat, und in dem er davon träumt, endlich von seiner Angebeteten erhört zu werden. Garanča fängt in der von ihrem Mann Karel Mark Chichon arrangierten Fassung die Sehnsucht des jungen Mannes überzeugend ein. Bei der letzten Romanze des Leandro weist Garanča explizit darauf hin, dass der Komponist Pablo Sorozábal der Zarzuela La taberna del puerto nach Aussage seiner Erben ausdrücklich gewünscht habe, dass das Lied "íNo puede ser!" auch einmal von einer Frau gesungen werde. Zwischen den Liedern präsentiert die NDR Radiophilharmonie unter der Leitung von Karel Mark Chichon schwungvolle Instrumentalstücke aus spanischen Zarzuelas. Da wirkt Franz von Suppés Ouvertüre zu Leichte Kavallerie zumindest inhaltlich fast wie ein Fremdkörper, auch wenn sich das Stück musikalisch sehr gut in den Rest eingliedert.

Natürlich lässt das Publikum Garanča nicht ohne Zugaben gehen. Zunächst gibt es das wohl bekannteste Stück aus der 1889 uraufgeführten Zarzuela Las hijas del Zebedeo  von Ruperto Chapí, "Carceleras", das heute zahlreiche namhafte Mezzosopranistinnen im Repertoire haben. Garanča versprüht darin einen Charme, der an Bizets Carmen erinnert. Mit "Granada" verabschiedet sie sich dann vom restlos begeisterten Publikum, nachdem Chichon mit der NDR Radiophilharmonie die Zuschauer mit heißen spanischen Rhythmen fast von den Sitzen gerissen hat.

FAZIT

Elīna Garanča spannt einen kurzweiligen Bogen von großer italienischer Oper bis hin zur spanischen Zarzuela und stellt damit die Bandbreite ihres Könnens eindrucksvoll unter Beweis.



Ihre Meinung ?
Schreiben Sie uns einen Leserbrief

Ausführende

Elīna Garanča, Mezzosopran

NDR Radiophilharmonie

Karel Mark Chichon, Dirigent


Werke

Giuseppe Verdi
Ouvertüre zu Luisa Miller

"Nel giardin del bello"
Arie der Prinzessin Eboli aus Don Carlos

Giacomo Puccini
Intermezzo aus Manon Lescaut

Francesco Cilea
"Ecco: respiro appena. Io son l'umile ancella"
Arie der Adriana Lecouvreur
aus Adriana Lecouvreur

Giuseppe Verdi
Ouvertüre zu La forza del destino

"O don fatale, o don crudel"
Arie der Prinzessin Eboli aus Don Carlos

Federico Chueca
Prelude aus Il bateo

Edvard Grieg
"T'estimo"
(arrangiert von John Langley)

Stanislao Gastaldon
"Musica proibita"
(arrangiert von Karel Mark Chichon)

Franz von Suppé
Ouvertüre zu Leichte Kavallerie

Rosando Mato Hermida
"Lela" für Sopran und Orchester
(arrangiert von Juan Durán)

Carlos Gardel
"El día que me quieras"
(arrangiert von Karel Mark Chichon)

Jerónimo Giménez y Bellido
Intermezzo aus La boda de Luis Alonso

Pablo Sorozábal
"¡No puede ser!"
Romanze des Leandro aus der
Zarzuela La taberna del puerto

 


Weitere Informationen
erhalten Sie von der

Philharmonie Essen
(Homepage)



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum
© 2019 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -