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Cityring Konzerte
06.09.2019 - 08.09.2019

Un bel di vedremo

Der Abend der großen Stimmen (Operngala)
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Georges Bizet, Daniel-François-Esprit Auber, Richard Wagner, Arrigo Boito,
Giacomo Puccini und Giuseppe Verdi

Aufführungsdauer: ca. 2h 30' (eine Pause)

Aufführung am Freitag, 6. September 2019, 19.30 Uhr
Friedensplatz Dortmund

 



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Spätsommerliche Operngala

Von Thomas Molke / Fotos: © Stephan Schütze / Jan Heinze (Cityring Konzerte)

Zum mittlerweile vierten Mal gibt es in diesem Jahr an einem ganzen Wochenende zum Ende der Sommerpause der Theater in NRW in insgesamt drei Veranstaltungen ein abwechslungsreiches Programm von Oper über Musical bis hin zur Filmmusik. Zu verdanken ist dies zum einen zahlungskräftigen Sponsoren, die sich von Dirk Rutenhofer, dem Initiator und Vorsitzenden der Cityring Konzerte, überzeugen ließen, den 2014 entstandenen Plan, den Friedensplatz neben dem Rathaus mit "Platzkonzerten" zu beleben, mit nicht unbeträchtlichen Summen zu unterstützen. Zum anderen ist dies auch der Verdienst der Dortmunder Philharmoniker, die unter der Leitung ihres GMD Gabriel Feltz als "Orchester der Stadt" diese Veranstaltungen mittlerweile als einen festen Bestandteil in ihr Jahresprogramm aufgenommen haben und sich damit schon vor dem ersten Philharmonischen Konzert im Konzerthaus aus der Sommerpause zurückmelden. Im letzten Jahr hat der neue Opernintendant Heribert Germeshausen außerdem die Gelegenheit genutzt, bei der Operngala am ersten Abend sich und sein neues Ensemble vorzustellen. In diesem Jahr geht er einen Schritt weiter und moderiert gemeinsam mit Feltz den Abend. Dabei versäumt er natürlich nicht, sich beim Publikum für die freundliche Aufnahme in der vergangenen Spielzeit zu bedanken, die der Oper ein Rekordergebnis eingebracht habe. Auch der Dortmunder Oberbürgermeister und Schirmherr der Cityring Konzerte, Ullrich Sierau, lässt es sich nehmen, mit Stolz zu verkünden, dass sich dieses Festival mittlerweile zu einem kulturellen Höhepunkt der City entwickelt habe, und auch wenn man die ganze Woche mit großer Sorge die Entwicklung des Wetters beobachtet hat, zeigt sich der Himmel an diesem ersten Abend freundlich und beschert dem Publikum einen trockenen Opernabend. Rutenhofer geht sogar soweit, dieses Wetter auch für die weiteren beiden Konzerte zu versprechen.

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Andrea Shin (rechts) und Mandla Mndebele (links) mit Gabriel Feltz (Mitte) und den Dortmunder Philharmonikern

Das Programm setzt sich in diesem Jahr zum einen aus Operhöhepunkten zusammen, mit denen das Ensemble brillieren kann,  und gibt zum anderen einen Ausblick auf Projekte der kommenden Spielzeit. So plant Germeshausen ab der nächsten Spielzeit einen "Wagner-Kosmos", in dessen Rahmen nicht nur ein Schwerpunkt auf die Opern Richard Wagners gelegt wird, sondern auch Vorläufer, Weggefährten, Antipoden und Nachfolger mit Wagners Werk in Beziehung gesetzt werden. In der kommenden Spielzeit werden das Gaspare Spontinis Fernand Cortez oder Die Eroberung von Mexiko und Daniel-François-Esprit Aubers Revolutionsoper Die Stumme von Portici sein. Aus letzterem Werk sollen an diesem Abend eigentlich zwei Auszüge auf dem Programm stehen. Wegen einer Erkrankung der Sopranistin Sae-Kyung Rim verzichtet Anna Sohn allerdings auf die Arie der Elvira, "Plaisirs du rang suprÍme", und übernimmt Rims Auszüge aus Puccinis Madama Butterfly. Das Duett "Mieux vaut morir", das von dem Tenor Andrea Shin und dem Bariton Mandla Mndebele eindrucksvoll vorgetragen wird, vermittelt in seinem kämpferischen Duktus eine Vorstellung davon, wieso dieses Werk nach einer Aufführung in Brüssel am 25. August 1835 zu Unruhen gegen die ungeliebte niederländische Herrschaft führte und letztendlich als Auslöser für die belgische Revolution betrachtet werden kann, die die Unabhängigkeit Belgiens zur Folge hatte.

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Gabriel Feltz mit den Dortmunder Philharmonikern und dem Opernchor

Natürlich dürfen an diesem Abend auch Auszüge aus Wagners Lohengrin, der als Schlüsselwerk des "Wagner-Kosmos" in der nächsten Spielzeit auf dem Programm steht, nicht fehlen. Beim Vorspiel aus dem 3. Akt arbeitet Gabriel Feltz mit den Dortmunder Philharmonikern die wechselnden Tempi energiegeladen und mit viel Fingerspitzengefühl heraus. Das Vorspiel aus dem 1. Akt ist allerdings für eine Freilichtaufführung auf dem Friedensplatz nicht unbedingt geeignet. Zum einen gehen die ätherischen Klänge durch die erforderliche Verstärkung verloren, weil durch Mikrofon-Einsatz der filigrane Charakter kaum eingefangen werden kann, der im Opern- oder Konzerthaus eine Gänsehaut zu bescheren vermag. Zum anderen ist das Vorspiel direkt nach der Pause eher unglücklich platziert, da im Publikum noch durch einzelne Gespräche und das Einnehmen der Plätze eine gewisse Unruhe herrscht. Weitere  Nebengeräusche wie das Bellen eines Hundes oder das Heulen einer Polizeisirene stören ebenfalls den musikalischen Genuss. Beim anschließenden Chor "Gesegnet soll sie schreiten" ist auch die Abmischung des Dortmunder Opernchors suboptimal, so dass kein homogener Klang entsteht. Das gelingt beim später erklingenden Zigeunerchor aus Il trovatore wesentlich besser.

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Anna Sohn (rechts) und Hyona Kim (links) beim Blumen-Duett aus Madama Butterfly

Der Titel des Abends verweist auf die Premiere Madama Butterfly, mit der die Oper Dortmund am 15. September 2019 die neue Spielzeit eröffnet. In der Partie der Cio-Cio-San sind alternierend Sae-Kyung Rim und Anna Sohn zu erleben. Da Rim bei der Gala krankheitsbedingt ausfällt, übernimmt Sohn die titelgebende Arie "Un bel di vedremo" und das Blumen-Duett "Scuoti quella fronda" mit Hyona Kim als Suzuki und dem summenden Chor, in dem Cio-Cio-San ihre Dienerinnen anweist, das Haus für Pinkertons Rückkehr mit blühenden Kirschzweigen und Blumen zu schmücken. Sohn begeistert in beiden Nummern mit einem strahlenden Sopran, der den naiven Optimismus Butterflys wunderbar einfängt. Kim hält mit sattem Mezzosopran dagegen. Nach der Pause begeistert Kim außerdem mit der Arie der Azucena aus Verdis Il trovatore, "Stride la vampa", bei der sie in dramatischen Ausbrüchen von Visionen verfolgt wird, in denen sie noch einmal den grausamen Feuertod ihrer Mutter durchlebt und Manrico gesteht, damals versehentlich ihren eigenen Sohn in die Flammen geworfen zu haben.

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Offizieller Abschluss mit "Tutto nel mundo è burla" aus Verdis Falstaff (von links: Chormitglied, Hyona Kim, Irina Simmes, Anna Sohn, Gabriel Feltz, Chormitglied, Mandla Mndebele, Morgan Moody und weitere Chormitglieder)

Als weiteren Höhepunkt gibt es im ersten Teil des Abends einen kleinen Carmen-Block. Mandla Mndebele gestaltet Escamillos Auftritts-Arie "Votre toast" und überzeugt mit markanten Tiefen. Irina Simmes interpretiert mit leuchtendem Sopran anschließend Micaelas berühmte Arie "Je dis que rien ne m'épouvante", in der sie sich allein in den Bergen Mut zuspricht und ihre Absicht unterstreicht, José Carmens Einfluss zu entziehen. Mit mädchenhaftem Charme begeistert Simmes auch im zweiten Teil des Abends als Lauretta aus Puccinis Gianni Schicchi mit der berühmten Arie "O mio babbino caro". Das langjährige Ensemble-Mitglied Morgan Moody gibt sich an diesem Abend recht diabolisch. Nachdem er bereits vor drei Spielzeiten den Teufel in Gounods Faust interpretiert hat, schlüpft er nun in die gleiche Rolle in Arrigo Boitos Mefistofele und präsentiert dessen Vorstellungsarie "Son lo spirito". Auf das eigene Pfeifen verzichtet er allerdings und benutzt stattdessen eine Trillerpfeife. Denis Velev rundet das hochkarätige Solisten-Ensemble als Leporello mit der berühmten Register-Arie aus Mozarts Don Giovanni überzeugend ab. Zum offiziellen Abschluss gibt es wie in den Vorjahren erneut mit dem gesamten Ensemble "Tutto nel mundo è burla" aus Verdis Spätwerk Falstaff, wobei die Solisten noch durch einzelne Chormitglieder unterstützt werden.

Natürlich dürfen auch an diesem Abend die Zugaben nicht fehlen. Eine hat man wahrscheinlich schon ins Hauptprogramm eingebaut. So schmettert Publikumsliebling Andrea Shin bereits im ersten Teil des Abends als Ersatz für die ausfallende Arie aus Die Stumme von Portici den Klassiker "O sole mio". Wie bei der Saisonabschluss-Gala in der letzten Spielzeit holt er auch hier seine Sonnenbrille heraus, um sich der glänzenden Sonne mit strahlenden Höhen zu stellen. Die zweite Strophe interpretiert er sogar auf Deutsch, muss den Text allerdings auf seinem Handy ablesen. Zum Abschluss versammeln sich dann noch einmal alle zum berühmten "Brindisi" aus Verdis La traviata.

FAZIT

Erneut gelingt es Gabriel Feltz mit den Dortmunder Philharmonikern, dem Chor und dem Ensemble, große Lust auf die kommende Spielzeit im Opern- und Konzerthaus zu wecken.

Programm des Konzertes

Wolfgang Amadeus Mozart: Ouvertüre aus Le nozze di Figaro

Wolfgang Amadeus Mozart: Register-Arie aus Don Giovanni (Denis Velev)

Georges Bizet: "Votre toast" aus Carmen (Mandla Mndebele)

Georges Bizet: "Je dis que rien ne m'épouvante" aus Carmen (Irina Simmes)

Eduardo Di Capua: "O sole mio" (Andrea Shin)

Richard Wagner: Vorspiel aus Lohengrin, 3. Akt

Arrigo Boito: "Son lo spirito" aus Mefistofele (Morgan Moody)

Giacomo Puccini: "Scuoti quella fronda" aus Madama Butterfly (Anna Sohn, Hyona Kim und Chor)

Richard Wagner: Vorspiel aus Lohengrin, 1. Akt

Richard Wagner: "Gesegnet soll sie schreiten" aus Lohengrin (Chor)

Daniel-François-Esprit Auber: "Mieux vaut mourir" aus Die Stumme von Portici (Andrea Shin, Mandla Mndebele)

Giuseppe Verdi: "Stride la vampa" aus Il trovatore (Hyona Kim)

Giuseppe Verdi: Zigeunerchor aus Il trovatore (Chor)

Giacomo Puccini: "O mio babbino caro" aus Gianni Schicchi (Irina Simmes)

Giacomo Puccini: "Un bel di vedremo" aus Madama Butterfly (Anna Sohn)

Giuseppe Verdi: Schlussfuge "Tutto nel mondo è burla" aus Falstaff (gesamtes Ensemble, Opernchor)


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Gabriel Feltz

Choreinstudierung
Fabio Mancini

Moderation
Heribert Germeshausen
Gabriel Feltz

Dortmunder Philharmoniker

Opernchor des Theaters Dortmund

 

Solisten

Irina Simmes, Sopran
Anna Sohn, Sopran
Hyona Kim, Mezzosopran
Andrea Shin, Tenor
Mandla Mndebele, Bariton
Morgan Moody, Bassbariton
Denis Velev, Bass


Weitere Informationen
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