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Liederabend
Philippe Jaroussky


Musik von
Franz Schubert

in deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2h 5' (eine Pause)

Samstag, 1. Februar 2020, 20.00 Uhr
Großer Saal im Konzerthaus Dortmund

 


(Homepage)

Schubert-Lieder einmal anders

Von Thomas Molke / Fotos: © Simon Fowler und Marc Ribes (Erato Warner Classics)

Philippe Jaroussky gehört in der stetig wachsenden Riege der Countertenöre zu den ganz großen, der in seiner mittlerweile 20-jährigen Karriere nicht nur zahlreiche Auszeichnungen als "Sänger des Jahres" erhalten hat, sondern auch vom französischen Kultusministerium zum "Officier de l'Ordre des Arts et des Lettres" ernannt worden ist und anlässlich seines Bühnenjubiläums eine Statue im Musée Grévin erhält. Mit seiner glockenklaren Stimme verleiht er nicht nur immer wieder der emotionalen Pracht des Barock neuen Glanz und setzt sich für die Wiederentdeckung vergessener Werke dieser Zeit ein, sondern hat auch die Komponistin Suzanne Giraud veranlasst, die Oper Caravaggio für ihn zu komponieren, die am 6. April 2012 in Metz ihre Uraufführung erlebte. Im Bereich der Oper arbeitet er außerdem häufig mit Cecilia Bartoli zusammen. So war er in der vergangenen Spielzeit bei den von ihr geleiteten Salzburger Pfingstfestspielen als Ruggiero in Händels Alcina zu erleben (siehe auch unsere Rezension). Auch im Konzerthaus Dortmund ist er seit vielen Jahren ein gern gesehener Gast. Erinnert sei an seinen Porpora-Abend mit dem Venice Baroque Orchestra unter der Leitung von Andrea Marcon 2013 (siehe auch unsere Rezension), an die konzertante Aufführung der unbekannten Barockperle Niobe, regina di Tebe von Agostino Steffani 2015 mit Karina Gauvin in der Titelpartie (siehe auch unsere Rezension) und an den Streifzug durch den Orpheus-Mythos mit der Sopranistin Amanda Forsythe 2017 (siehe auch unsere Rezension). In der kommenden Spielzeit wird er das Konzerthaus Dortmund als Curating Artist gleich eine ganze Woche lang im März 2021 beglücken und dabei nicht nur als Sänger sondern auch als Dirigent auftreten.

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Philippe Jaroussky (© Marc Ribes (Erato Warner Classics))

Nun überrascht er das Dortmunder Publikum mit einem Programm, das man eigentlich überhaupt nicht mit einem Countertenor in Verbindung bringt. Jaroussky widmet sich Schubert-Liedern. Die Neugier auf dieses Projekt und die Begeisterung für den Interpreten sind so groß, dass an diesem Abend das Konzerthaus nahezu ausverkauft ist, was ansonsten bei Liederabenden in einem derart großen Saal keine Selbstverständlichkeit ist. Insgesamt 20 Lieder hat Jaroussky ausgewählt, die er in vier Blöcken präsentiert. Als Begleiter am Klavier steht ihm dabei Jérôme Ducros zur Seite, der ihm obendrein zwischen den beiden Blöcken im ersten und zweiten Teil des Abends mit zwei Klaviersätzen eine kurze Atempause verschafft. Ein thematischer Zusammenhang zwischen den Liedern, die von Schubert in einem Zeitraum von 13 Jahren von 1816 bis 1828 komponiert worden sind, lässt sich im Programmablauf nicht erkennen. Stattdessen versucht Jaroussky, mit der Auswahl die ganze Bandbreite und Gefühlswelt einzufangen, die in Schuberts umfangreichem Œuvre des Liedguts schlummert. Vor allem bricht Jaroussky aber mit den Hörgewohnheiten des Publikums. Mit seinem Countertenor verleiht er Schuberts Liedern einen ganz neuen, ungewohnten Klang, der nichts mit den vertrauten Interpretationen durch einen Bariton oder Tenor gemein hat und dabei auf eine ganz eigene Weise die in der Musik angelegten Gefühle zum Ausdruck bringt.

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Philippe Jaroussky (rechts) mit Jérôme Ducros (links) (© Simon Fowler)

Dies wird direkt im ersten Lied "Im Frühling" ganz deutlich, wenn er mit luziden Höhen den "ersten Frühlingsstrahl" vor dem geistigen Auge des Publikums entstehen lässt. Dabei fängt er mit warmen, weichen Bögen aber auch die Melancholie des Erzählers ein, der an die glückliche Zeit mit seiner Geliebten zurückdenkt. Ducros unterstreicht dieses Stimmungsbad der Gefühle mit intensiver Begleitung am Klavier. Bei "An der Laute" meint man sogar, die feinen Lauten-Arpeggien im Klang des Klaviers zu hören. Der erste Block greift beim "Wiedersehen" mit "der Frühlingssonne holdem Lächeln" das Thema "Frühling" wieder auf, mit dem der Abend begonnen hat. Der zweite Block beginnt mit einem Hohelied "An die Musik". Mit schwebend leichten Höhen macht Jaroussky hier deutlich, welcher Zauber in dieser "holden Kunst" liegt. "Erster Verlust" ist erneut von tiefer Trauer durchzogen, die Jarousskys klare Stimmführung bewegend einfängt. Eine Abwechslung bietet der Abstieg in die Unterwelt. Hier spürt man im unheimlichen Grummeln des Klaviers die Furcht vor dem Bestrafungsort der griechischen Mythologie.

Nach der Pause folgt dann ein Lied, das mit Jarousskys Stimme nicht völlig neu klingt. Aus der Schauspielmusik zu Rosamunde von Wilhelmina von Chézy präsentiert Jaroussky die Romanze "Der Vollmond strahlt auf Bergeshöhn", die im Schauspiel von der Schifferswitwe Axa gesungen wird, die Rosamunde, die Prinzessin von Zypern, inkognito als Hirtin aufgezogen hat, um sie vor dem intriganten Statthalter Fulvio zu schützen, der bereits Rosamundes Eltern auf dem Gewissen hat. Jaroussky begeistert auch bei diesem für eine Altstimme komponierten Lied mit strahlenden Höhen und warmen Bögen. Einen weiteren Glanzpunkt des Abends stellt das letzte Lied des dritten Blocks dar, "Litanei auf das Fest Allerseelen". Mit welch weichen, leisen Tönen Jaroussky hier den Frieden besingt, in dem letztendlich alle Seelen ruhen, nachdem sie teilweise ein recht unruhiges Schicksal erfahren haben, lässt Hoffnung schöpfen auf das, was nach dem Leben kommt. Dabei arbeitet Jaroussky bewegend den Kontrast von dem teilweise recht steinigen Weg bis hin zum ewigen Frieden heraus, was von Ducros am Klavier mit variablem Anschlag umgesetzt wird.

Im letzten Block wird das Ende mit mehreren "Nachtliedern" eingeleitet, nachdem man bei "Auf dem Wasser zu singen" in Ducros' Spiel am Klavier durchaus das Wogen der Wellen hat nachempfinden können. Das "Nachtstück" bildet in Jarousskys Interpretation einen würdigen Abschluss für einen Liederabend, in dem Jaroussky unter Beweis gestellt hat, dass auch ein Countertenor den Glanz und die Gefühlswelt der Schubert-Lieder einfangen kann. Als Zugabe gibt es dann noch eines der bekanntesten Schubert-Lieder, "Schwanengesang". Auch hier begeistert Jaroussky durch eine variable Stimmführung. Einziges Manko des Abends ist die derzeitige Erkältungswelle, so dass während des Vortrags leider lautstarkes Husten und Räuspern den Genuss der leisen Töne ein wenig beeinträchtigt. Aber Jaroussky lässt sich auch davon nicht aus der Ruhe bringen, und das Publikum bedankt sich mit großem Jubel. Neben dem obligatorischen Blumenstrauß überreicht ihm der Intendant und Geschäftsführer des Hauses, Dr. Raphael von Hoensbruch, auch noch einen Dirigierstock, mit dem bereits für Jarousskys Dirigier-Debüt mit Alessandro Scarlattis Oratorium Kain und Abel oder Der erste Mord am 13. März 2021 Werbung gemacht wird.

FAZIT

Philippe Jaroussky begeistert mit seinem flexiblen Countertenor auch als Liedsänger und weckt in Dortmund bereits Vorfreude auf März 2021, wenn er im Konzerthaus eine Woche lang als Exklusivkünstler in unterschiedlichen Programmformaten zu erleben sein wird. Tickets für diese Veranstaltung sind bereits jetzt unter 0231 - 22696200 erhältlich.


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Ausführende

Philippe Jaroussky, Countertenor

Jérôme Ducros, Klavier



Werke

Franz Schubert
"Im Frühling" D 882

"Des Fischers Liebesglück" D 933

"An die Laute" D 905

"Die Götter Griechenlands" D 677

"Wiedersehen" D 855

Allegretto aus Drei Klavierstücke D 946

"An die Musik" D 547

"Erster Verlust" D 226

"An Sylvia" D 891

"Gruppe aus Tartarus" D 583

"Du bist die Ruh" D 776

Romanze "Der Vollmond strahlt auf Bergeshöhn"
aus Rosamunde D 797

"Der Musensohn" D 764

"Nacht und Träume" D 827

"Herbst" D 945

"Litanei auf das Fest Allerseelen" D 343

Andante aus Vier Impromptus D 899

"Auf dem Wasser zu singen" D 774

"Im Abendrot" D 799

"Die Sterne" D 939

"Abendstern" D 806

"Nachtstück" D 672


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Konzerthaus Dortmund
(Homepage)



Da capo al Fine

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